Medikationsfehler: 624 gemeldete FĂ€lle 2025 â Höchststand erreicht
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Inanspruchnahme von Arzneimitteln hat in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Wie aktuelle Auswertungen der Techniker Krankenkasse (TK) fĂŒr das Jahr 2025 zeigen, stiegen die Verordnungen auf insgesamt 34 Millionen PrĂ€parate fĂŒr rund 6,2 Millionen Erwerbspersonen. Dies entspricht einem Durchschnitt von 292 Tagesdosen pro Kopf und einer Steigerung von 2,6 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.
Diese Entwicklung rĂŒckt die Bedeutung einer sicheren Medikation und den Schutz vor Fehlern verstĂ€rkt in den Fokus von Gesundheitsbehörden und Fachkreisen.
Regionale Unterschiede und Schwerpunkte bei Verordnungen
Innerhalb der Bundesrepublik zeichnen sich deutliche regionale Diskrepanzen ab. WĂ€hrend in Sachsen-Anhalt mit 329 Tagesdosen und im Saarland mit 328 Tagesdosen die Spitzenwerte erreicht wurden, verzeichnete Baden-WĂŒrttemberg mit 257 Tagesdosen den niedrigsten Wert.
Den gröĂten Anteil an den Verordnungen machen Herz-Kreislauf-Mittel aus. Dabei wurde beobachtet, dass MĂ€nner im Vergleich zu Frauen etwa doppelt so viele PrĂ€parate aus dieser Wirkstoffgruppe erhalten.
Zunahme gemeldeter Medikationsfehler
Parallel zum Anstieg des Verbrauchs verzeichnete die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) fĂŒr das Jahr 2025 eine Rekordzahl an Meldungen zu Medikationsfehlern. Insgesamt gingen 11.154 Meldungen aus 4.978 Apotheken ein.
Besonders auffÀllig war der Anstieg bei den Medikationsfehlern von 348 im Vorjahr auf 624 im Jahr 2025. Ein erheblicher Teil davon, insgesamt 535 FÀlle, entfiel auf den Mounjaro KwikPen.
Die AMK fĂŒhrt diesen Anstieg jedoch nicht zwangslĂ€ufig auf ein gestiegenes Risiko zurĂŒck, sondern sieht die Ursache in einer höheren Meldebereitschaft der Fachkreise. Etwa zwei Drittel der Meldungen betrafen QualitĂ€tsmĂ€ngel, wobei Verpackungsfehler die hĂ€ufigste Ursache darstellten. Ein Drittel der Berichte bezog sich auf Nebenwirkungen.
Ein spezifisches Sicherheitsrisiko wurde im Zusammenhang mit dem PrĂ€parat Everolimus Biocon identifiziert. Seit April 2024 liegen der AMK Berichte vor, wonach Patienten fĂ€lschlicherweise das im Blister enthaltene Trocknungsmittel eingenommen haben. Dieses ist als rote Tablette mit der Aufschrift âDO NOT EATâ getarnt.
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WĂ€hrend der Hersteller das Risiko als gering einstuft, sieht das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Gefahr fĂŒr vulnerable Gruppen. Fachleute kritisieren in diesem Zusammenhang die englischsprachige Kennzeichnung, die kleine Schrift sowie die unzureichende Piktogramm-Gestaltung auf der Verpackung.
Strategien zur Erhöhung der Patientensicherheit
Um die Risiken bei der Einnahme mehrerer Medikamente zu minimieren, stehen Patienten verschiedene Hilfsmittel zur VerfĂŒgung. Versicherte, die mindestens drei verordnete Arzneimittel ĂŒber einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen einnehmen, haben Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan. Ein elektronischer Medikationsplan soll nach einer Erprobungsphase, die im Juli startete, ab Dezember 2026 bundesweit verfĂŒgbar sein.
Zudem bieten Apotheken bei einer Polymedikation von mindestens fĂŒnf Arzneimitteln eine erweiterte, fĂŒr Patienten kostenlose Medikationsberatung an. Auch die Forschung liefert wichtige Instrumente: Die sogenannte PRISCUS-Liste 2.0 fĂŒhrt 188 Wirkstoffe auf, die fĂŒr Ă€ltere Patienten als potenziell inadĂ€quate Medikation (PIM) gelten.
Studien wie die NAKO-Untersuchung belegen, dass mehr als 25 Prozent der 60- bis 74-JĂ€hrigen mindestens ein kritisches Medikament erhalten. Experten empfehlen daher bei Polypharmazie eine jĂ€hrliche ĂberprĂŒfung der gesamten Medikation.
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Systemversagen in der stationÀren Pflege
Wie folgenreich MĂ€ngel in der Medikationskontrolle sein können, zeigt ein Fall aus dem Haus Leopoldau in Wien. Dort wurde bekannt, dass 20 von 350 Bewohnern ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum falsch medikamentiert wurden. Erste UnregelmĂ€Ăigkeiten waren bereits im MĂ€rz 2025 aufgetreten. Trotz zweier Kontrollstufen wurde die korrekte Verabreichung nicht sichergestellt.
WĂ€hrend fĂŒr 18 Betroffene keine gesundheitlichen Folgen festgestellt wurden, stehen zwei Laborergebnisse noch aus. Die verantwortliche Teamleiterin sowie die Direktorin wurden freigestellt. Derzeit prĂŒfen externe Experten sowie die Staatsanwaltschaft Wien die VorfĂ€lle, bei denen unter anderem Dosierungen vertauscht oder Darreichungsformen eigenmĂ€chtig geĂ€ndert wurden.
