Medikationsfehler: Neuer Aktionsplan soll 250.000 Einweisungen verhindern
30.05.2026 - 17:18:30 | boerse-global.de
Von digitalen Patientenakten über optimierte Ernährungsempfehlungen bis hin zu spezialisierten Versorgungszentren – zahlreiche Neuerungen sollen die Behandlung chronischer Erkrankungen verbessern.
Digitaler Medikamentenschutz: E-Rezept und ePA im Fokus
Die Koordinierungsgruppe für Medikationstherapiesicherheit (AMTS) hat am 29. Mai 2026 ihren Aktionsplan für die Jahre 2026 bis 2029 gestartet. Die Initiative folgt einem Kabinettsbeschluss von Anfang April und zielt darauf ab, die rund 250.000 jährlichen Krankenhauseinweisungen durch Medikationsfehler deutlich zu reduzieren. Kernelemente sind der flächendeckende Ausbau des E-Rezepts und die elektronische Patientenakte (ePA).
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Die ePA, deren Einführung ursprünglich für den 15. Januar 2025 geplant war, fungiert als zentrale Drehscheibe für Gesundheitsdaten. Ärzte, Apotheken und Patienten selbst können darauf zugreifen. Im aktuellen Widerspruchsverfahren erhalten Praxen nach Einlesen der Versichertenkarte standardmäßig ein 90-tägiges Zugriffsrecht auf die Patientenakte.
In einer weiteren administrative Klarstellung vom 29. Mai 2026 haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Abrechnungsmodalitäten für Anästhesieleistungen präzisiert. Demnach bleiben bestimmte Leistungen im ambulanten OP-Katalog auch ohne explizite Vermerke im Kommentarfeld abrechenbar. Das schafft mehr Rechtssicherheit für Krankenhäuser und Vertragsärzte.
Neue Ernährungsstandards für Senioren
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat am 28. Mai 2026 ihre Proteinempfehlungen für Menschen über 65 Jahre angepasst. Die neue Richtlinie liegt bei geschätzten 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Allerdings zeigt die aktuelle Forschung: Bei gesunden älteren Menschen führt eine erhöhte Proteinzufuhr allein nicht zu signifikant mehr Muskelmasse oder -kraft. Erst in Kombination mit Krafttraining entfalten die zusätzlichen Proteine bei Patienten mit Sarkopenie ihre positive Wirkung.
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Qualitätsstandards für chronische Wunden
Im Bereich der Wundversorgung wurde im April 2026 der Qualitätsstandard „Integrierte Versorgung Chronische Wunden" veröffentlicht. Er enthält elf evidenzbasierte Empfehlungen. Auf einem Forum der Österreichischen Wundgesellschaft am 28. Mai 2026 forderten Experten zudem stärker koordinierte Abläufe, multiprofessionelle Zusammenarbeit und einheitliche Vergütungssysteme. Das Ziel: eine bessere Versorgung für Patienten mit chronischen Wunden.
Fachärztliche Fortbildungsangebote
Bildungsanbieter bringen neue Formate fĂĽr spezifische Therapiebereiche auf den Markt:
- Onkologie und Naturheilkunde: Die Radioonkologin Elisabeth Bräutigam hielt am 27. Mai 2026 in Geras einen Vortrag über die Integration naturheilkundlicher Methoden in die konventionelle Krebstherapie.
- Zahnmedizinische Schienentherapie: Dentsply Sirona startet Anfang Juni 2026 eine deutschsprachige digitale Kursreihe zu Biomechanik und Materialanalyse fĂĽr Aligner-Behandlungen. Das Angebot richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Praktiker.
- Longevity und Biohacking: Das RETTER Bio-Natur-Resort hat nach einem Gipfeltreffen Anfang des Jahres ein ganzjähriges Longevity-Programm eingeführt. Ein weiteres Summit mit zehn internationalen Referenten ist für Mitte Januar 2027 geplant.
Regionale Versorgungszentren entstehen
Neue spezialisierte Einrichtungen zielen auf chronische Erkrankungen mit hoher Verbreitung ab. In Österreich, wo rund 80.000 Menschen an ME/CFS leiden, wurde der Bau eines spezialisierten ambulanten und stationären Zentrums in Bad Tatzmannsdorf angekündigt. Parallel dazu startete das Pilotprojekt „HerzMobil NÖ" in der Thermenregion, um die Herzversorgung zu verbessern – nach einer speziellen kardiologischen Fortbildung am 25. April 2026.
Die Patientenaufklärung bleibt ein zentrales Anliegen. Am heutigen Samstag, dem 30. Mai 2026, veranstaltete die MEDICLIN-Klinik in Plau am See ihren traditionellen Multiple-Sklerose-Tag, zeitgleich mit dem Welt-MS-Tag. Und am 2. Juni 2026 findet der 15. bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz" statt. Die Sana Kliniken Lübeck bieten dann Informationsveranstaltungen zum Fibromyalgie-Syndrom (FMS) an. Experten zufolge sind zwischen drei und vier Prozent der Bevölkerung betroffen, am häufigsten Frauen zwischen 40 und 60 Jahren.
Start-ups und Forschung im Fokus
Am 2. und 3. Juni 2026 feiert das „bio:cap investival" in Berlin Premiere. Die Veranstaltung bringt Start-ups und Forscher aus den Bereichen Life Sciences und Künstliche Intelligenz mit politischen und finanziellen Entscheidungsträgern zusammen. Ein vielversprechender Ansatz, um Innovationen schneller in die Praxis zu bringen – und das dürfte spannend werden.
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