Medikationssicherheit, KrankenhausfÀlle

Medikationssicherheit: 250.000 KrankenhausfÀlle jÀhrlich vermeidbar

30.05.2026 - 21:49:20 | boerse-global.de

Bundesregierung startet Aktionsplan gegen Medikationsfehler. Neue Studien zeigen zudem, wie ErnÀhrung und Darmflora chronische Krankheiten beeinflussen.

Medikationssicherheit: 250.000 KrankenhausfĂ€lle jĂ€hrlich vermeidbar - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Medikationssicherheit: 250.000 KrankenhausfĂ€lle jĂ€hrlich vermeidbar - Foto: ĂŒber boerse-global.de

000 vermeidbare Krankenhauseinweisungen zu verhindern. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, wie gezielte ErnÀhrung chronische Krankheiten beeinflussen kann.

Aktionsplan Medikationssicherheit: 250.000 KrankenhausfÀlle vermeidbar

Das Bundesgesundheitsministerium hat Ende Mai die Umsetzungsphase des neuen Aktionsplans fĂŒr Medikationssicherheit (AMTS) fĂŒr die Jahre 2026 bis 2029 gestartet. Bei einer Koordinierungssitzung am 29. Mai stellten die Verantwortlichen um Professorin Petra ThĂŒrmann und Dr. Nina Griese-Mammen die Strategie vor.

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Das Ziel ist ambitioniert: Rund 250.000 vermeidbare Krankenhauseinweisungen durch Medikationsfehler sollen jedes Jahr verhindert werden. Gesundheitsministerin Nina Warken setzt dabei vor allem auf die elektronische Patientenakte (ePA) und das E-Rezept. „Die Digitalisierung schafft Transparenz ĂŒber die Medikation“, so Warken. Das Konzept sieht ein systematisches „AMTS-Stewardship“ vor, das den oft chaotischen Medikamenten-Dschungel besonders fĂŒr Ă€ltere Menschen, Kinder und Schwangere entwirrt.

ErnĂ€hrung als Waffe gegen Bluthochdruck und EntzĂŒndungen

Die Forschung liefert immer prĂ€zisere Erkenntnisse, wie Nahrungsmittel chronische Erkrankungen beeinflussen. Eine französische Studie des INSERM, veröffentlicht im European Heart Journal am 28. Mai, wertete Daten von 112.395 Teilnehmern ĂŒber sieben Jahre aus. Das Ergebnis: Wer viele nicht-antioxidative Konservierungsstoffe wie Nitrite und Sorbate zu sich nimmt, erhöht sein Risiko fĂŒr Bluthochdruck um 29 Prozent und fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 16 Prozent. Selbst antioxidative ZusĂ€tze wie ZitronensĂ€ure waren mit einem 22 Prozent höheren Blutdruckrisiko verbunden.

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Die gute Nachricht: Pflanzliche Kost zeigt messbare Schutzwirkung. Eine am 27. Mai in Neurology veröffentlichte Studie mit 92.849 Erwachsenen belegt, dass eine pflanzenbasierte ErnĂ€hrung das Demenzrisiko um sieben Prozent senkt. Noch deutlicher wird der Effekt bei HĂŒlsenfrĂŒchten: Laut einer Untersuchung in BMJ Nutrition Prevention & Health kann der tĂ€gliche Verzehr von 170 Gramm HĂŒlsenfrĂŒchten das Bluthochdruckrisiko um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Warum die Darmflora im Alter kippt

Forscher des Leibniz-Instituts fĂŒr Alternsforschung und der UniversitĂ€t Jena haben einen Mechanismus entschlĂŒsselt, der erklĂ€rt, warum die Darmflora mit zunehmendem Alter instabil wird. Ihre Ergebnisse, veröffentlicht Ende Mai in PLoS Biology, zeigen: Die sogenannte „Immunseneszenz“ – der natĂŒrliche Alterungsprozess des Immunsystems – ist der Haupttreiber fĂŒr das Ungleichgewicht der Darmbakterien.

Das Immunsystem verliert mit der Zeit die FĂ€higkeit, dominante Bakterienarten zu kontrollieren. Die Folge ist eine chronische EntzĂŒndungslage, die Fachleute als „Inflammaging“ bezeichnen. Diese Erkenntnis könnte Therapien wie Stuhltransplantationen oder Probiotika in eine neue Richtung lenken: KĂŒnftig könnte es weniger darum gehen, Bakterien auszutauschen, sondern das Immunsystem in seiner Regulationsfunktion zu stĂ€rken.

KI durchforstet Reddit nach Nebenwirkungen

WĂ€hrend neue Abnehm-Medikamente wie Semaglutid boomen, suchen Forscher nach unerwarteten Nebenwirkungen abseits klinischer Studien. Ein Team der University of Pennsylvania hat Ende Mai eine ungewöhnliche Datenquelle angezapft: KĂŒnstliche Intelligenz analysierte ĂŒber 400.000 Reddit-BeitrĂ€ge von rund 70.000 Semaglutid-Anwendern aus fĂŒnf Jahren.

Die Auswertung förderte Symptome zutage, die in klinischen Studien weniger prominent waren: MĂŒdigkeit, SchĂŒttelfrost, Hitzewallungen und MenstruationsunregelmĂ€ĂŸigkeiten. MĂŒdigkeit war demnach das zweithĂ€ufigste in den sozialen Medien genannte Symptom. Zwar ersetzen diese Daten keine klinische Evidenz, doch sie zeigen, wie Medikamente im echten Leben wirken – und welche Beschwerden Patienten tatsĂ€chlich beschĂ€ftigen.

Maßgeschneiderte Senioren-ErnĂ€hrung und neue Erkenntnisse zum Fasten

Die individuelle Anpassung von ErnĂ€hrungsplĂ€nen bleibt ein zentrales Thema der Altersmedizin. Immunologen wie Dr. Ari Baskoro betonen, dass DiĂ€ten fĂŒr Senioren auf Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Nierenleiden zugeschnitten sein mĂŒssen. Besonders das Risiko fĂŒr Lebensmittelvergiftungen ist bei Ă€lteren Menschen deutlich erhöht und kann schwere Komplikationen auslösen.

Bewegung und spezielle Essensrhythmen rĂŒcken zunehmend in den Fokus der klinischen Forschung. Bei einer PrĂ€sentation am 29. Mai hoben Mediziner hervor, dass alltĂ€gliche Bewegungen wie Treppensteigen das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen können. Auch intermittierendes Fasten nach dem 16/8-Prinzip wurde als Methode zur Förderung der Zellerneuerung genannt. Die Juni-Ausgabe des Informationsdienstes ZahnRat empfiehlt zudem „kauintensive“ Kost und Fastenintervalle zur UnterstĂŒtzung der Zahngesundheit.

BfR warnt vor gefÀhrlichem Internet-Trend

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) schlug am 29. Mai Alarm: Die orale Einnahme von Lugolscher Lösung, die im Internet gegen Jodmangel angepriesen wird, kann gefĂ€hrliche Folgen haben. Bereits geringe Mengen können die SchilddrĂŒse ĂŒberfordern. Besonders Kinder und Schwangere sind gefĂ€hrdet. Die Behörde rĂ€t dringend von diesem Trend ab.

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