Medizin-Nobelpreis 2026: Hegemann, Nagel und Deisseroth für Optogenetik
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 20:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin des Jahres 2026 geht an Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth. Die Auszeichnung würdigt bahnbrechende Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen sowie die Etablierung der Optogenetik, wie aus Berichten Anfang Oktober 2026 hervorgeht.
Das Preisgeld beträgt 12 Millionen schwedische Kronen, was etwa einer Million Euro entspricht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gratulierte Hegemann und Nagel zu der Ehrung für ihre grundlegenden Arbeiten. Die entwickelte Methode ermöglicht es, gezielte Nervenzellen mit Lichtimpulsen präzise zu steuern und komplexe neuronale Schaltkreise detailliert zu analysieren.
Die Entdeckung der molekularen Lichtschalter
Den Grundstein für das Verfahren legten Hegemann und Nagel, die Channelrhodopsine aus der Grünalge Chlamydomonas charakterisierten. Im Jahr 2002 stellten sie Channelrhodopsin-1 vor, gefolgt von Channelrhodopsin-2 im Jahr 2003. Letzteres zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Reaktionszeit aus und öffnet sich nach 0,2 Millisekunden.
Auf dieser Basis zeigte das Team um Karl Deisseroth im Jahr 2005, dass Channelrhodopsin-2 in kultivierten Säugetierneuronen mittels blauem Licht Aktionspotenziale millisekundengenau auslösen kann. Zudem löste die Arbeitsgruppe 2005 mit blauem Licht Nervensignale in kultivierten Rattenneuronen aus.
Im Jahr 2006 wurde das Verfahren offiziell als Optogenetik bezeichnet. 2007 gelang Deisseroth und seinem Team schließlich die Anwendung im Gehirn lebender Mäuse, womit Neuronen erstmals im lebenden Organismus gezielt gesteuert werden konnten.
Vielfältige Einsatzbereiche in der neurowissenschaftlichen Forschung
Die Optogenetik erlaubt kausale Tests neuronaler Funktionen und wird vor allem in der Neurowissenschaft eingesetzt, unter anderem in der Gedächtnis- und Verhaltensforschung. Neben der Grundlagenforschung eröffnen sich zunehmend Perspektiven für die Medizin, insbesondere zur möglichen Wiederherstellung des Sehens.
Die diesjährige Nobelpreis-Ehrung rückt eine Methode in den Fokus, mit der sich gezielte Nervenzellen millisekundengenau per Lichtimpuls steuern lassen. Wer komplexe neuronale Schaltkreise analysiert, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Methoden und Anwendungen kompakt aufbereitet. Kostenlosen Optogenetik-Leitfaden anfordern
Bei einem Patienten mit Retinitis pigmentosa konnte nach einer optogenetischen Behandlung bereits eine teilweise Sehfunktion wiederhergestellt werden; der entsprechende Ansatz wird klinisch erprobt.
An der Weiterentwicklung forschen auch universitäre Einrichtungen. Am Universitätsklinikum Bonn und an der Universität Bonn untersuchen Wissenschaftler menschliche Netzhautzellen und testen lichtempfindliche Proteine in Netzhautzellen aus menschlichen Stammzellen sowie in Netzhautorganoiden. Diese klinische Entwicklung befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium.
Klinische Erprobung und künftige Technologiepotenziale
Auf regulatorischer Ebene gibt es erste Fortschritte bei translationalen Therapien. Die US-Arzneimittelbehörde FDA nahm im September 2026 den Zulassungsantrag des Unternehmens Nanoscope Therapeutics für den Produktkandidaten Mogenry gegen Retinitis pigmentosa an. Eine Entscheidung der Behörde wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Die Gentherapie, die bislang nicht zugelassen ist, soll über eine Injektion lichtempfindliche Proteine in Netzhaut-Bipolarzellen einbringen. Nach Angaben des Unternehmens zeigten behandelte Probanden in der dreijährigen Nachbeobachtung der RESTORE-Studie im Durchschnitt eine Verbesserung von etwa drei Sehtafelzeilen gegenüber ihrem Ausgangssehvermögen.
Zwischen Grundlagenforschung und klinischer Erprobung klafft oft eine Lücke: Optogenetische Behandlungen sind bislang nicht zugelassen, translationale Ansätze stecken in frühen Stadien. Dieser Leitfaden ordnet die aktuelle Zulassungslage ein und zeigt, welche Therapiepfade realistisch sind. Roadmap translationaler Ansätze jetzt sichern
Parallel dazu treiben Forschungsinstitute die molekularen Grundlagen weiter voran. Am Paul Scherrer Institut entwickeln Wissenschaftler lichtempfindliche Proteine zu molekularen Schaltern weiter, um in Zukunft Signalwege in weiteren Zelltypen und Organen kontrollieren zu können.
Im Rahmen des ERC-Synergieprojekts „Switchable rhodOpsins in Life Sciences“ kooperieren Gebhard Schertler, Hegemann und Rob Lucas bei der Erforschung neuer optogenetischer Proteine, darunter lichtsteuerbare GPCR. Dabei ermöglichen Anlagen wie SwissFEL und SLS zeitaufgelöste Röntgenuntersuchungen lichtinduzierter Proteinveränderungen.
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