Mehrfachmedikation: 36 Prozent der Versicherten nehmen täglich drei Pillen
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 21:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mitte Juli startete in Modellregionen die Pilotphase für den elektronischen Medikationsplan (eMP). Er soll vor allem Patienten mit Mehrfachmedikation helfen – und die sind zahlreich.
36 Prozent der gesetzlich Versicherten nehmen dauerhaft mindestens drei Medikamente gleichzeitig ein. Das ergab eine Forsa-Befragung unter 8.500 Versicherten vom April 2026. 62 Prozent dieser Polypharmazie-Patienten nutzen noch einen Papierplan.
Die Akzeptanz für digitale Lösungen ist hoch. 90 Prozent der Befragten befürworten einen eMP in der Patientenakte. 80 Prozent wollen, dass Apotheker Einsicht erhalten. AOK-Chefin Reimann betont: Der eMP erhöhe den Nutzwert der digitalen Akte deutlich.
Eine regionale Auswertung für Berlin zeigt: 89 Prozent der Versicherten haben eine ePA. Doch in Arztgesprächen wird das Thema selten angesprochen – in 81 Prozent der Fälle gar nicht. Die Pilotphase läuft bis Herbst.
Rote-Hand-Briefe warnen vor Dosierungsfehlern
Trotz Digitalisierung bleiben Anwendungsfehler ein Risiko. Mitte Juli warnten die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft und Hersteller vor konkreten Gefahren.
Besonders bei Patienten mit Mehrfachmedikation können Wirkstoffe im Alter plötzlich riskante Wechselwirkungen entfalten. Dieser kostenlose Ratgeber klärt über 180 gefährliche Medikamente für Senioren auf und zeigt sichere Alternativen. Die Priscus 2.0-Liste jetzt kostenlos sichern
Ein Rote-Hand-Brief zu Keppra weist auf Risiken durch eine neue Applikationsspritze hin. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern drohen Dosierungsungenauigkeiten. Auch bei Mykronor-Injektionslösungen wurden Fehler gemeldet.
Ein kurioses Problem: Seit 2024 gingen 44 Meldungen zu auffälligen Gerüchen bei Telmisartan-Tabletten ein. Der Geruch wird als hopfen- oder cannabisartig beschrieben. Analysen bestätigten Rückstände von Ethanol und 2-Ethylhexanol. Kein Qualitätsmangel – aber Fachleute warnen: Patienten könnten die Einnahme abbrechen.
Rezeptbetrug kostet Millionen
Neben Anwendungsfehlern belasten Betrugsfälle das System. Recherchen von BR24 zeigen: Papierrezepte sind eine Sicherheitslücke. Die AOK beziffert Verluste durch Betrug mit hochpreisigen Arzneimitteln auf 5 Millionen Euro in zwei Jahren. Die Barmer meldet 2,5 Millionen Euro Schaden binnen zwölf Monaten.
Viele Senioren leiden unter Schwindel oder Verwirrtheit, ohne zu wissen, dass ihre täglichen Medikamente die Ursache sein könnten. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, welche Mittel ab 60 Jahren kritisch sind und wie Sie sich schützen. Kostenlosen Medikamenten-Ratgeber herunterladen
Eine Neuregelung soll Heimbewohner entlasten: Seit Anfang Juli erlaubt das Apotheken-Reformgesetz, E-Rezepte direkt an die heimversorgende Apotheke zu übermitteln.
Gerichtsurteil zeigt Risiken in der Pflege
Ein Fall aus Klagenfurt verdeutlicht die rechtlichen Fallstricke. Eine Pflegekraft stand vor Gericht, weil eine Patientin durch eine Überdosierung eines Rheumamittels starb. Das Mittel soll falsch in einen Dispenser einsortiert worden sein. Das Gericht sprach die Pflegekraft frei – der Tatvorwurf ließ sich nicht zweifelsfrei nachweisen. Der Fall zeigt: Das manuelle Stellen von Medikamenten bleibt ein Risikofaktor.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
