Mehrwertsteuer, Lebensmittel

Mehrwertsteuer auf Lebensmittel: Fuest fordert Erhöhung auf 19%

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Clemens Fuest schlägt die Abschaffung des ermäßigten Steuersatzes für Nahrungsmittel vor. Der Staat könnte dadurch jährlich 43,5 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, Verbraucher müssten jedoch mit deutlich höheren Preisen rechnen.

Ifo-Chef Fuest fordert 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel
Eine Person steht in einem Supermarkt vor einem Regal mit Lebensmitteln und betrachtet die Preise. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die steuerliche Behandlung von Grundnahrungsmitteln steht erneut im Fokus der wirtschaftspolitischen Debatte. Ifo-Präsident Clemens Fuest hat im August 2026 den Vorschlag unterbreitet, den derzeit geltenden ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Lebensmittel vollständig abzuschaffen. Stattdessen solle ein einheitlicher Steuersatz von 19 Prozent Anwendung finden. Diese Maßnahme zielt auf eine Vereinfachung des Steuersystems und eine Erhöhung der staatlichen Einnahmen ab, zieht jedoch erhebliche Preissteigerungen für Verbraucher nach sich.

Fiskalische Auswirkungen und Einnahmepotenziale

Die Umstellung auf einen einheitlichen Steuersatz würde die staatlichen Finanzen massiv beeinflussen. Laut den Berechnungen von Clemens Fuest könnte der Staat durch die Anhebung auf 19 Prozent jährliche Mehreinnahmen in Höhe von 43,5 Mrd. Euro erzielen. Nach Abzug geplanter Ausgleichszahlungen verbliebe ein Netto-Plus von 36 Mrd. Euro für den Bundeshaushalt.

Um diese Summen einzuordnen, hilft ein Blick auf die jüngere Finanzgeschichte: Im Jahr 2025 beliefen sich die gesamten Umsatzsteuer-Einnahmen auf 310,2 Mrd. Euro. Eine Reform in der vorgeschlagenen Größenordnung würde somit einen signifikanten Anteil am Gesamtsteueraufkommen ausmachen.

Preiseffekte und Belastungen für die Haushalte

Für die Endverbraucher hätte die Umsetzung des Vorschlags unmittelbare Konsequenzen an der Supermarktkasse. Sollte der Handel die Steuererhöhung vollständig an die Kunden weitergeben, würden Lebensmittel um durchschnittlich 11,2 Prozent teurer. Anhand eines konkreten Rechenbeispiels verdeutlichte Fuest die Auswirkungen: Ein Warenkorb, der bislang 10,70 Euro kostet, würde sich auf 11,90 Euro verteuern.

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Diese Preisentwicklung träfe die Bevölkerungsschichten unterschiedlich stark. Schätzungen zufolge müssten Haushalte mit niedrigem Einkommen sowie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung mit einer Mehrbelastung von im Schnitt 30 Euro pro Monat rechnen. Um diese sozialen Härten abzufedern, sieht das Konzept von Fuest Ausgleichszahlungen vor. Betroffene Familien könnten demnach mit einer jährlichen Entlastung von 360 Euro unterstützt werden.

Politische Reaktionen und Kritik der Parteien

Der Vorstoß aus der Wirtschaftswissenschaft stieß im August 2026 auf breiten politischen Widerstand. Sowohl die SPD als auch die Union lehnten die Forderung nach einer Mehrwertsteuererhöhung auf Lebensmittel entschieden ab. Vonseiten der SPD, unter anderem durch den Politiker Klüssendorf, wurde die soziale Unausgewogenheit des Modells kritisiert.

Die SPD untermauerte ihre Ablehnung mit eigenen Beispielrechnungen zur Belastungsgrenze: Eine Familie mit einem wöchentlichen Lebensmittelbudget von 100 Euro müsste bei einem Satz von 19 Prozent mit jährlichen Mehrkosten von 600 Euro kalkulieren. Dies übersteige die vorgeschlagenen Kompensationszahlungen deutlich und gefährde die finanzielle Stabilität einkommensschwacher Haushalte.

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Kontext der Mehrwertsteuer-Entwicklung

Die Diskussion um die 19-prozentige Besteuerung ist für die Branche nicht neu. In der Gastronomie wurde bereits eine ähnliche Anpassung vollzogen. Seit Beginn des Jahres 2024 gilt für Speisen in Restaurants wieder der Regelsatz von 19 Prozent, nachdem während der vorangegangenen Krisenjahre vorübergehend ein ermäßigter Satz angewandt worden war. Die nun von Fuest angestoßene BdDebatte weitet diese Systematik konsequent auf den gesamten Lebensmitteleinzelhandel aus, was angesichts der politischen Stimmungslage jedoch als schwer durchsetzbar gilt.

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