Melanom, Rückfallrisiko

Melanom: mRNA-Impfstoff halbiert Rückfallrisiko um 49 Prozent

02.06.2026 - 20:31:14 | boerse-global.de

Moderna und Merck senken mit mRNA-Impfstoff Rückfallrisiko bei Hautkrebs um 49 Prozent. Gentest kann Chemotherapie bei Brustkrebs ersetzen.

Melanom: mRNA-Impfstoff halbiert Rückfallrisiko um 49 Prozent - Bild: über boerse-global.de
Melanom: mRNA-Impfstoff halbiert Rückfallrisiko um 49 Prozent - Bild: über boerse-global.de

Die Onkologie erlebt einen Paradigmenwechsel: Weg von der reinen Behandlung akuter Erkrankungen, hin zur Verhinderung von Rückfällen und maßgeschneiderten Therapien. Gleich mehrere Studien, die auf dem diesjährigen ASCO-Kongress in Chicago vorgestellt wurden, zeigen beeindruckende Fortschritte.

mRNA-Impfstoff halbiert Rückfallrisiko bei Hautkrebs

Besonders vielversprechend sind die Langzeitdaten einer Phase-2b-Studie zu personalisierten mRNA-Impfstoffen gegen schwarzen Hautkrebs. Die Kombination des Impfstoffs Intismeran – entwickelt von Moderna und Merck – mit dem Immuntherapeutikum Pembrolizumab senkt das Rückfallrisiko bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom (Stadium 3 oder 4) um 49 Prozent.

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Die im „Journal of Clinical Oncology" veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Nach fünf Jahren blieben 70 Prozent der Geimpften krebsfrei – in der Kontrollgruppe waren es nur 49,1 Prozent. Besonders eindrucksvoll: Das Risiko für Fernmetastasen sank um 59 Prozent.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Niels Halama vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) weist darauf hin, dass die Studie nicht verblindet war und noch kein signifikanter Überlebensvorteil nachgewiesen werden konnte – in beiden Gruppen starben sieben Patienten. Eine Phase-3-Studie mit über 1.000 Teilnehmern läuft bereits, erste Ergebnisse werden frühestens im Herbst 2026 erwartet.

Die Kosten bleiben ein zentrales Thema: Zwischen 100.000 und 300.000 Euro pro Patient – das wirft Fragen nach der Finanzierbarkeit im deutschen Gesundheitssystem auf.

„Zombie-Zellen" als neues Angriffsziel

Eine weitere bahnbrechende Entdeckung betrifft sogenannte seneszente Zellen – überlebende Krebszellen, die nach der Erstbehandlung in einen Ruhezustand verfallen und später Rückfälle auslösen können. Forscher um Jesus Gil identifizierten das Enzym GPX4 als Achillesferse dieser „Zombie-Zellen".

Bei Tests mit über 10.000 Substanzen fanden die Wissenschaftler 38 Wirkstoffe, die GPX4 blockieren und damit einen speziellen Zelltod – Ferroptose – auslösen. In Tiermodellen mit Eierstock-, Prostata- und Hautkrebs führte die Kombination des Chemotherapeutikums Cisplatin mit einem GPX4-Hemmer zu deutlich längeren Überlebensraten.

Die nächste Phase zielt darauf ab, Patientengruppen zu identifizieren, die besonders von diesem Ansatz profitieren würden.

Gentest ersetzt Chemotherapie bei Brustkrebs

Die OPTIMA-Phase-III-Studie mit 4.429 Patientinnen zeigt, wie Präzisionsdiagnostik Überbehandlung verhindern kann. Bei hormonsensitivem, HER2-negativem Brustkrebs kamen die Forscher zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Patientinnen, die der Gentest Prosigna (eine 50-Gen-Analyse von Veracyte) als niedriges Risiko einstufte, hatten nahezu identische Behandlungsergebnisse – unabhängig davon, ob sie eine Chemotherapie erhielten oder nicht.

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Das krankheitsfreie Überleben nach fünf Jahren lag bei 93,7 Prozent ohne Chemotherapie gegenüber 94,9 Prozent mit Chemotherapie. Experten schätzen, dass dieser Test tausenden Patientinnen jährlich die belastende Chemotherapie ersparen könnte.

Neue Hoffnung für Bauchspeicheldrüsenkrebs

Ein Durchbruch gelang auch bei einer der aggressivsten Krebserkrankungen: Bauchspeicheldrüsenkrebs mit der RAS-G12-Mutation. Der RAS-ON-Inhibitor Daraxonrasib verdoppelte die Überlebenszeit auf 13,2 Monate – gegenüber 6,6 Monaten unter Standardchemotherapie. Die Ergebnisse wurden im „New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Zelltherapie: CRISPR entschärft CAR-T-Zellen

Forscher der Columbia University und des Universitätsklinikums Tübingen identifizierten das Protein NFIL3 als Haupttreiber der Erschöpfung von CAR-T-Zellen. Durch gezielte Deaktivierung mit der CRISPR/Cas9-Technologie blieben die Immunzellen länger aktiv – in Mausmodellen verbesserte sich die Tumorkontrolle deutlich.

Ein Team um Ulmer Forscher präsentierte zudem ein Peptid, das DNA-Brüche nach Chemotherapie oder Bestrahlung verhindern soll. Ziel ist es, die Entstehung von sekundären Leukämien zu vermeiden und Krebstherapien für Langzeitüberlebende sicherer zu machen.

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