Melatonin-Langzeitnutzung, Herzschwäche-Risiko

Melatonin-Langzeitnutzung: 89% höheres Herzschwäche-Risiko

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 07:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsdaten verknüpfen Schlafprobleme im Alter mit Herzschwäche, Suizidrisiken und kognitiven Veränderungen; neue Behandlungen werden geprüft.

Schlaf im Alter: Studien zeigen Risiken und neue Therapieansätze
Ein ruhiges, in sanftes Morgenlicht getauchtes Schlafzimmer mit einem unbenutzten, ordentlich gemachten Bett. Illustration mit AI erstellt.

Schlafstörungen im Alter sind weit mehr als ein lästiges Randproblem. Aktuelle Untersuchungen und Fachbeiträge legen nahe, dass gestörter Schlaf eng mit chronischen Erkrankungen, psychischer Gesundheit und sogar dem Risiko für neurodegenerative Prozesse verknüpft ist. Mediziner mahnen zugleich zu einem differenzierten Blick auf Warnsignale bei älteren Menschen.

Wenn Körper und Gehirn im Wachmodus bleiben

Ein Beitrag der Autorin Eva C. Schmid, veröffentlicht über thieme-connect.de, beschreibt, warum bei Einschlafstörungen Körper und Gehirn im „Wachmodus" verharren und welche Folgen chronische Einschlafprobleme nach sich ziehen können. Der Beitrag ordnet zugleich ein, welche Ansätze helfen können, den Kreislauf aus Anspannung und Schlaflosigkeit zu durchbrechen.

Todeswünsche bei Senioren ernst nehmen

Anlässlich des Welttags der Suizidprävention warnte die Arbeitsgruppe Suizidforschung der Universitätsmedizin Frankfurt unter Leitung von Ute Lewitzka gemeinsam mit Klinikdirektor Andreas Reif davor, Todeswünsche im höheren Lebensalter vorschnell als normale Alterserscheinung abzutun. Stattdessen müsse gezielt nachgefragt, abgeklärt und Betroffenen weitergeholfen werden.

Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: 2024 starben in Deutschland 10.372 Menschen durch Suizid, davon 5.953 im Alter ab 60 Jahren. Von 4.952 Suiziden ab 65 Jahren entfielen 3.341 auf Männer. Schlafprobleme gelten dabei als ein Faktor unter mehreren, der bei der Einschätzung psychischer Belastung im Alter mitbedacht werden sollte.

Melatonin-Langzeiteinnahme unter Beobachtung

Eine Auswertung von Gesundheitsdaten aus 130.828 Erwachsenen mit Schlaflosigkeit, im Schnitt 56 Jahre alt, über einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren, wirft Fragen zur Langzeiteinnahme von Melatonin auf.

Bei Personen, die das Hormon mindestens zwölf Monate einnahmen, trat in 4,6 Prozent der Fälle eine Herzschwäche auf, gegenüber 2,7 Prozent bei Nichtnutzern – ein relativer Anstieg von rund 89 bis 90 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozentpunkte in absoluten Zahlen.

Auch Krankenhausaufenthalte (19,0 Prozent gegenüber 6,6 Prozent) und Sterblichkeit (7,8 Prozent gegenüber 4,3 Prozent) fielen bei Langzeitnutzern höher aus. Die Daten stammen aus einem vorläufigen Kongressabstract der American Heart Association vom November 2025 und belegen laut den Autoren keine Kausalität, sondern lediglich einen Zusammenhang.

Schlafapnoe, Fatigue und Nährstoffmängel

Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen von obstruktiver Schlafapnoe betroffen. Etwa 30 Prozent der Erwachsenen berichten zudem über Phasen milder bis moderater Erschöpfung (Fatigue).

Ein Eisenmangel betrifft europaweit schätzungsweise 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung. Zur Abklärung solcher Beschwerden werden Laborwerte wie TSH, Ferritin, Vitamin B12, Vitamin D3 und CRP herangezogen.

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Schlafmuster als möglicher Hinweis auf Alzheimer-Risiko

Eine im Fachmagazin „Sleep" veröffentlichte Studie der Universität Lüttich, die 453 jüngere Erwachsene und 87 ältere Teilnehmer untersuchte, fand einen Zusammenhang zwischen häufigen kurzen Aufwachreaktionen ohne erhöhten Muskeltonus und einem höheren genetischen Alzheimer-Risiko bei älteren Probanden – begleitet von stärkeren kognitiven Einbußen über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren.

Bei jüngeren Teilnehmern zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Gilles Vandewalle von der Universität Lüttich sieht darin einen möglichen Ansatzpunkt: Schlafmuster könnten künftig als Marker zur Alzheimer-Früherkennung dienen.

Nahrungsergänzungsmittel und Schilddrüse

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnte vor bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln bei Restbeschwerden im Zusammenhang mit Schlaf und Stoffwechsel. Silychristin aus Mariendistelextrakten könne den Schilddrüsenhormon-Transporter MCT8 hemmen und Beschwerden verstärken.

Zudem seien höhere Cholinkonzentrationen mit veränderten Schilddrüsenwerten und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko assoziiert worden – auch hier ohne belegte Kausalität. Die Fachgesellschaft rät, Beschwerden trotz unauffälliger Laborwerte ärztlich abklären zu lassen und L-Thyroxin keinesfalls eigenständig abzusetzen oder zu dosieren.

Wochenendschlaf und Blutdruck

Eine auf dem ESC-Kongress in München vorgestellte Analyse von Dr. Nawon Lee (Korea University Seoul), die Daten von rund 40.000 Erwachsenen in Südkorea über sieben Jahre auswertete, brachte 87 Minuten zusätzlichen Wochenendschlaf mit einer rund 9 Prozent geringeren Häufigkeit von Bluthochdruck in Verbindung.

Ein bis zwei Stunden zusätzlicher Schlaf waren generell mit besseren Blutdruckwerten assoziiert, während mehr als vier Stunden zusätzlicher Schlaf mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck einherging. Auch hier betonen die Autoren, dass es sich um einen Zusammenhang und nicht um einen Kausalitätsnachweis handelt.

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Tiefschlaf und Stressresilienz im Tierversuch

Eine im Journal of Neuroscience veröffentlichte Studie an männlichen Mäusen fand Hinweise darauf, dass die tiefe NREM-Schlafphase mit höherer Stressresilienz korreliert.

Bei resilienten Tieren zeigten Nervenzellen im präfrontalen Cortex vor sozialem Stress eine stärkere Kopplung von langsamen Wellen und Ruhephasen, nach Stress eine flexiblere neuronale Neuordnung. Ob sich diese Befunde auf den Menschen übertragen lassen, ist laut den Studienautoren unklar.

Neue Medikamente gegen Narkolepsie

Für Patienten mit Narkolepsie Typ 1 liefern zwei im New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-III-Studien zum Wirkstoff Oveporexton, einem OX2R-Agonisten, positive Signale.

In den Studien First Light (168 Teilnehmer) und Radiant Light (105 Teilnehmer), die Probanden im Alter von 16 bis 70 Jahren über zwölf Wochen begleiteten, verlängerte sich die Schlaflatenz unter der zweimal täglichen 2-Milligramm-Dosis um 17,6 beziehungsweise 19,8 Minuten, während sie unter Placebo um 0,4 beziehungsweise 0,8 Minuten sank.

Kataplexien reduzierten sich um 79 beziehungsweise 88,8 Prozent. Allerdings traten Nebenwirkungen bei 86 bis 89 Prozent der Behandelten auf, gegenüber 43 bis 54 Prozent unter Placebo. Zulassungen in China, Japan, den USA und der EU stehen noch aus.

Digitale Gesundheitsanwendungen für Wechseljahre

Im Bereich der Wechseljahresbeschwerden, die häufig mit Schlafproblemen einhergehen, sind seit Januar 2026 digitale Anwendungen verordnungsfähig. Die »Vera-App« kann bei einem MRS-II-Score von mindestens 9 Punkten verschrieben werden; eine randomisierte Pilotstudie mit 224 Frauen (111 in der App-Gruppe, 113 in der Regelversorgung) zeigte eine Senkung des MRS-II-Werts sowie eine höhere Lebensqualität in der App-Gruppe.

Neu im DiGA-Verzeichnis des BfArM ist zudem »Frieda Menova« mit Fokus auf Hitzewallungen: In einer randomisierten Studie mit 100 Teilnehmerinnen zeigte sich nach zwölf Wochen bei 70 Prozent eine deutliche Reduktion der Beschwerden, gegenüber 30 Prozent in der Kontrollgruppe.

Muskelabbau, Hormone und Bewegung im Alter

Auch der altersbedingte Muskelabbau steht im Zusammenhang mit allgemeiner Gesundheit und Wohlbefinden im Alter. Ab dem 40. Lebensjahr verlieren Menschen laut medizinischen Ratgebern pro Dekade 3 bis 8 Prozent Muskelmasse (Sarkopenie), während der Grundumsatz um 5 bis 8 Prozent pro Dekade sinkt. Ab 50 Jahren beschleunigt sich der Muskelverlust auf 1 bis 2 Prozent jährlich.

Empfohlen werden ein Proteinbedarf von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich sowie zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche. Hormonell sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren um 60 bis 80 Prozent, der Testosteronspiegel bei Männern bereits ab dem 30. Lebensjahr um 1 bis 2 Prozent jährlich.

Versorgung für besonders vulnerable Gruppen

Für Menschen mit postakuten Infektionssyndromen wie Long COVID, die hausgebunden oder bettlägerig sind, fördert Baden-Württemberg gemeinsam mit der Universität Heidelberg das Modellprojekt SEVERE-PAIS mit rund 400.000 Euro.

Getestet werden telemedizinische, multiprofessionelle Betreuungsformen – darunter Videovisiten, Online-Psychotherapie und spezialisierte PAIS-Pflegekräfte – sowie aufsuchende Betreuung zu Hause. Das Projekt baut auf dem Vorgängerprojekt SEVEN-PCS auf und soll auch schwer erreichbaren Patientengruppen den Zugang zu Versorgung erleichtern.

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