Menopause, Arbeitsplatz

Menopause am Arbeitsplatz: 20% der Frauen reduzieren ihre Zeit

27.05.2026 - 22:51:07 | boerse-global.de

Über 20 Prozent der betroffenen Frauen kürzen ihre Arbeitszeit. Experten fordern flexible Modelle und mehr Sensibilisierung in Unternehmen.

Menopause am Arbeitsplatz: 20% der Frauen reduzieren ihre Zeit - Foto: über boerse-global.de
Menopause am Arbeitsplatz: 20% der Frauen reduzieren ihre Zeit - Foto: über boerse-global.de

Mai rückt ein lange ignoriertes Thema in den Fokus: Die Menopause wird zum betrieblichen Risiko. Über 20 Prozent der betroffenen Frauen haben ihre Arbeitszeit bereits reduziert.

Hormonelle Umbruchphasen beeinflussen das psychische Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit massiv. Arbeitnehmervertreter und Mediziner fordern deshalb strukturelle Anpassungen in der Arbeitswelt.

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Psychische Erkrankungen fast verdoppelt

Die globale Belastung wächst rasant. Laut einer aktuellen Veröffentlichung in The Lancet haben sich psychische Erkrankungen seit 1990 weltweit fast verdoppelt. Rund 1,2 Milliarden Menschen sind betroffen.

Besonders alarmierend: Die Zahlen nach der Pandemie. Angststörungen legten um 47 Prozent zu, Depressionen um 24 Prozent. Die Versorgung bleibt prekär – nur etwa jeder elfte Mensch mit schwerer Depression erhält eine angemessene Therapie.

Der Frauengesundheitsreport 2026 zeichnet ein düsteres Bild für Österreich. 68 Prozent der befragten Frauen funktionieren trotz massiver Erschöpfung weiter. Zwei Drittel betrachten ständige Müdigkeit bereits als normal.

Besonders betroffen: die Altersgruppe zwischen 30 und 44 Jahren. In dieser Phase fallen Karrieremaximum, familiäre Verpflichtungen und der Beginn der Prämenopause zusammen.

Die Hormonfalle: Was im Körper passiert

Die Wechseljahre sind weit mehr als Hitzewallungen. Auf dem 1. Nationalen Gynäkologie-Kongress in der Türkei diskutierten Experten über vasomotorische Symptome (VMS). Prof. Dr. Santiago Palacios erklärte den Zusammenhang zwischen hormonellen Schwankungen und Beschwerden wie Nachtschweiß oder Schlafstörungen.

In der Türkei sind etwa sechs Millionen Frauen von VMS betroffen. Nur 1,5 Millionen erhalten eine Behandlung.

Die hormonellen Veränderungen beeinflussen direkt die Cortisol-Regulation. Das erschwert die Stressverarbeitung und erhöht die Anfälligkeit für Angstzustände. Im Fokus der Forschung steht zudem das Östrobolom – eine Gruppe von Darmbakterien, die am Östrogenstoffwechsel beteiligt sind. Ein Ungleichgewicht kann Stimmung und Emotionen negativ beeinflussen.

Die belgische Autorin Cäät veröffentlichte ein Comic-Buch mit dem Titel „Bienvenue en zone de turbulence“. Ihr Ziel: Symptome wie Stimmungsschwankungen und Konzentrationsprobleme sichtbar machen und verhindern, dass sie fälschlich als klinische Depression diagnostiziert werden.

Betriebe in der Pflicht

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Laut der „Meno Support Studie“ haben über 20 Prozent der betroffenen Frauen ihre Arbeitszeit reduziert. In Zeiten des Fachkräftemangels ein Problem für Unternehmen.

Die ÖGB-Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger fordert konkrete Maßnahmen: flexiblere Arbeitsbedingungen und eine verbesserte arbeitsmedizinische Betreuung. Nötig sei eine stärkere Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Frauen in dieser Lebensphase.

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Ein weiteres Thema mit hohem Leidensdruck: Endometriose. Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) macht darauf aufmerksam, dass jährlich allein in Deutschland über 40.000 Frauen neu erkranken. Insgesamt sind mehr als zwei Millionen Frauen betroffen. Osteopathie wird zunehmend als ergänzende Behandlungsoption genutzt.

Mehr als nur Hormone

Die Ursachen für psychische Belastungen bei Frauen sind selten eindimensional. Neben hormonellen Veränderungen spielt der „Mental Load“ eine entscheidende Rolle – die unsichtbare Last der Organisation von Haushalt und Familie. Auch Libidoverlust entsteht durch eine Kombination aus hormonellem Umschwung, Erschöpfung, Medikamentenwirkungen und Beziehungsdynamiken.

Ein unterschätztes Risiko: Einsamkeit. Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), thematisierte beim Austrian Health Forum in Schladming den Teufelskreis aus chronischer Einsamkeit und Erkrankungen wie Depression oder Sucht.

Präventive Ansätze gewinnen an Bedeutung. Eine forsa-Umfrage vom März 2025 unter 1.002 Frauen zeigte: 76 Prozent sehen Potenzial im sogenannten „Cycle Syncing“ – dem zyklusgerechten Training und der entsprechenden Ernährung. 60 Prozent dokumentieren ihren Zyklus bereits regelmäßig.

Neue Angebote für betroffene Frauen

Die steigende Aufmerksamkeit führt zu wachsenden Informations- und Unterstützungsformaten. In Wiesbaden ist für den 29. Mai ein Dialogtag im Rathaus geplant, der Themen von Krebsvorsorge bis Endometriose abdeckt.

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse bietet im Juni kostenlose Online-Seminare zum zyklusgerechten Training an. Am 31. Mai gibt es Aktionstage am BVB-Stadion Rote Erde.

Spezialisierte Selbsthilfegruppen entstehen, etwa für Frauen mit Depressionen und Hochsensibilität im Kreis Lörrach. Digitale Formate wie „Selbstbewusstsein 2.0“ am 9. Juni ergänzen das Angebot.

Die Integration dieser Erkenntnisse in den betrieblichen Alltag wird zur zentralen Aufgabe des Personalmanagements. Die Forderung nach einer Arbeitswelt, die hormonelle Lebensphasen als physiologische Realität begreift, gewinnt durch die aktuelle Studienlage massiv an Validität.

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