Menopause, Brain

Menopause und Brain Fog: 60-Sekunden-Übungen trainieren den gezielten Wortabruf

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gezielte Sprachaufgaben können verlangsamten Wortabruf ansprechen; Studien zu Brettspielen zeigen mögliche Vorteile, belegen aber keine Ursache.
Ein minimalistischer, sonnendurchfluteter Arbeitsplatz mit einem leeren Notizblock und einem FĂŒllfederhalter in einer ruhigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Wenn sich im Zuge der Perimenopause oder Menopause Phasen geistiger TrĂ€gheit bemerkbar machen, liegt dies hĂ€ufig an hormonellen Umstellungen. Dr. Rhonda Voskuhl, Neurologieprofessorin an der University of California in Los Angeles und MitgrĂŒnderin von Cleopatra RX, erlĂ€uterte auf dem Livelong Women's Health Summit im September in New York die Mechanismen hinter dem PhĂ€nomen des hormonellen Brain Fog.

Ein sinkender Östrogenspiegel beeintrĂ€chtige weder die allgemeine Intelligenz noch das logische Denkvermögen. Stattdessen litten vor allem die Verarbeitungsgeschwindigkeit und das verbale GedĂ€chtnis, insbesondere der gezielte Abruf von Wörtern und Namen. Das Wissen bleibe zwar gespeichert, doch verlangsame sich der Zugriff des Gehirns auf die Informationen.

Gezielte SprachĂŒbungen statt generischer LogikrĂ€tsel

Kognitive Übungen erzielen laut Voskuhl nur dann einen Nutzen, wenn sie exakt die verlangsamte Funktion ansprechen. Weit verbreitete BeschĂ€ftigungen wie Sudoku oder Rechenaufgaben trainieren primĂ€r mathematische und logische FĂ€higkeiten, unterstĂŒtzen den Wortabruf im Alltag jedoch kaum.

Zwar liege keine globale SchÀdigung des Gehirns vor, doch weisen MRT- und Forschungsuntersuchungen auf Atrophien sowie funktionelle Verbindungsprobleme speziell im Hippocampus hin.

Anstelle standardisierter RĂ€tsel-Apps rĂ€t die Medizinerin dazu, eigene SchwĂ€chen im Alltag zu beobachten und gezielte Aufgaben zu wĂ€hlen. Sie empfiehlt strukturierte 60-Sekunden-Übungen: Innerhalb einer Minute sollen Betroffene möglichst viele Begriffe einer vorgegebenen Kategorie wie Lebensmittel oder Tiere aufzĂ€hlen.

Ebenso wirksam seien das rasche Lesen eines kurzen Textes mit sofortiger mĂŒndlicher Zusammenfassung in zwei bis drei SĂ€tzen sowie das pausenlose Benennen von Objekten oder Personen anhand von Bild- oder Karteikarten.

Anzeige

Wer sich mit der nachlassenden Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber 11 praktische Übungen fĂŒr den Alltag. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Konzentration und Ihr GedĂ€chtnis nachhaltig stĂ€rken und geistig fit bleiben. 11 AlltagsĂŒbungen fĂŒr geistige Fitness jetzt kostenlos entdecken

Wissenschaftliche Befunde zu Denk- und Brettspielen

Die wissenschaftliche Gesamtlage zu Gehirntrainingsprogrammen fĂ€llt differenziert aus. Bislang fehlen belastbare Nachweise dafĂŒr, dass entsprechende Spiele einen Brain Fog nachhaltig beseitigen können.

HĂ€ufig beschrĂ€nken sich beobachtete Leistungsverbesserungen auf Aufgaben, die dem jeweiligen Spiel sehr Ă€hnlich sind, ohne die allgemeine geistige Klarheit spĂŒrbar zu erhöhen. RĂ€tsel wie Kreuzwortaufgaben oder Sudoku fordern zwar spezifische Wissensbereiche und das Denkvermögen, insbesondere bei steigendem Schwierigkeitsgrad, decken aber nicht alle kognitiven Bereiche ab.

Langzeitbeobachtungen verweisen dennoch auf Vorteile geistiger AktivitĂ€t im Alter. In der 2013 im Fachjournal BMJ Open veröffentlichten PAQUID-Studie unter Leitung von Prof. Jean-François Dartigues wurden 3.675 demenzfreie Senioren ab 65 Jahren in SĂŒdwestfrankreich ĂŒber 20 Jahre hinweg begleitet.

RegelmĂ€ĂŸige Brettspieler wiesen in einer ersten unbereinigten Auswertung ein um 15 Prozent niedrigeres Demenzrisiko auf (Hazard Ratio 0,85; 95%-Konfidenzintervall 0,74–0,99), wenngleich sich der Zusammenhang nach statistischer Kontrolle von depressiven Symptomen und kognitiven Ausgangswerten abschwĂ€chte.

Anzeige

WĂ€hrend KreuzwortrĂ€tsel oft nur einen kleinen Teil der Gehirnleistung fordern, zeigen Experten hier auf, welche Methoden tatsĂ€chlich gegen geistigen Abbau wirken. Sichern Sie sich den kostenlosen Guide mit den 7 Geheimnissen mentaler Fitness fĂŒr das Alter. Kostenlosen Ratgeber zur Demenzvorbeugung herunterladen

Ähnliche Effekte zeigte die Lothian Birth Cohort 1936 der UniversitĂ€t Edinburgh: Die Forscher Dr. Drew Altschul und Prof. Ian Deary analysierten Daten von 1.091 Personen, die bereits 1947 im Alter von elf Jahren am Scottish Mental Survey teilgenommen hatten.

Bei Untersuchungen im Alter von 70, 73, 76 und 79 Jahren mittels 14 kognitiver Tests verzeichneten regelmĂ€ĂŸige Spieler von Brettspielen einen geringeren RĂŒckgang bei GedĂ€chtnisleistung und Verarbeitungsgeschwindigkeit – selbst nach Bereinigung um Kindheits-IQ, Bildung, soziale Schicht und Geschlecht.

Da es sich um Beobachtungsstudien handelt, lĂ€sst sich jedoch keine KausalitĂ€t ableiten. Eine großangelegte randomisierte kontrollierte Studie mit 4.009 britischen GrundschĂŒlern fand zudem keine Belege dafĂŒr, dass beispielsweise Schach den allgemeinen IQ steigert.

Strukturelle Effekte und kognitive Reserve

Differenzierte EinflĂŒsse zeigen sich auch bei digitalen Spielen. Dr. Gregory West, Psychologieprofessor an der UniversitĂ€t Montreal, wies 2018 nach, dass dreidimensionale Plattformspiele wie Super Mario 64 bei Teilnehmenden aller Altersgruppen zu einer Volumenzunahme der grauen Substanz im Hippocampus fĂŒhrten. Ein geringeres Volumen in diesem Areal steht mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko in Verbindung.

First-Person-Shooter wie Call of Duty verringerten den Anteil der grauen Substanz in den Untersuchungen hingegen, wobei dieser Effekt in einer Teilstudie auch bei der Kontrollgruppe ohne Videospiele auftrat. FĂŒr Ă€ltere Erwachsene biete das gemeinsame Online-Spielen mit Sprachkommunikation laut West zudem eine relevante soziale Komponente.

GrundsĂ€tzlich stĂŒtzen diese Beobachtungen das Konzept der kognitiven Reserve, das von Prof. Yaakov Stern an der Columbia University formuliert wurde. Demnach fĂŒhrt eine lebenslange komplexe geistige Beanspruchung zu dichteren neuronalen Netzen, wodurch das Gehirn neurodegenerative Prozesse wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Schlerose oder Folgen von SchlaganfĂ€llen ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume kompensieren kann.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70416153 |