Menopause und Demenz: 16 Blutmoleküle könnten das Alzheimer-Risiko anzeigen
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 13:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zeitpunkt der Menopause rückt zunehmend in den Fokus der neurologischen und altersmedizinischen Forschung. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Medienberichte beleuchten, inwiefern der Übergang in die hormonelle Ruhephase und insbesondere das Alter bei der letzten Regelblutung als Indikatoren für das spätere Risiko einer Demenzerkrankung fungieren können. Dabei zeichnen sich komplexe Zusammenhänge zwischen Hormonschwankungen, strukturellen Hirnveränderungen und kognitivem Abbau ab.
Früherer Eintritt und kognitiver Abbau
In Deutschland tritt die letzte reguläre Menstruation im Mittel im Alter von etwa 50 bis 52 Jahren auf. In vielen westlichen Kohorten liegt der Durchschnitt bei rund 51 Jahren, wobei das Zeitfenster meist zwischen 45 und 55 Jahren variiert. Definiert ist die Menopause klinisch als der Zustand zwölf Monate nach der letzten Menstruationsblutung.
Eine in der Fachzeitschrift JAMA Network Open erschienene Untersuchung verknüpft ein früheres Einsetzen der Menopause mit einem beschleunigten geistigen Abbau sowie einem früheren Auftreten der Alzheimer-Krankheit.
Die Untersuchung stützt sich auf die Daten von 2603 Frauen, die zu Beginn der Erhebung durchschnittlich 78 Jahre alt waren. Die Beobachtungsdauer betrug meist etwa 7 Jahre und reichte in Teilen bis zu 18 Jahre; bei 778 Teilnehmerinnen wurden zudem Magnetresonanztomografien (MRT) durchgeführt.
Den Ergebnissen zufolge verringerte sich besonders das episodische Gedächtnis bei einer früheren Menopause schneller. Eine um 10 Jahre vorgezogene Menopause entsprach demnach 1,8 Jahren weniger ohne Alzheimer-Erkrankung.
Modellrechnungen legen zudem nahe, dass ein um fünf Jahre früherer Eintritt nach zehn Jahren mit rund 15 Prozent mehr Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz einhergehen könnte. Eine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung lässt sich aus diesen statistischen Modellen jedoch nicht ableiten.
Hormonelle Einflüsse auf die Hirnstruktur
Der Verlust des Hormons Östrogen während der Wechseljahre gilt als möglicher Mechanismus, der das Gehirn anfälliger für Alzheimer-Prozesse machen könnte. Bereits eine Bildgebungsstudie aus dem Jahr 2018, die 15 prämenopausale, 14 perimenopausale und 12 postmenopausale Frauen mit einer Kontrollgruppe aus 18 Männern verglich, wies auf metabolische Unterschiede hin.
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Peri- und postmenopausale Frauen nutzten Glukose im Gehirn demnach weniger effizient und zeigten stärkere Leistungseinbußen in östrogenabhängigen Gedächtnistests. Postmenopausale Frauen wiesen zudem einen schnelleren Schwund des Hippocampus sowie mehr Amyloid-Ablagerungen auf als die männlichen Kontrollpersonen.
Eine Nachfolgeuntersuchung aus dem Jahr 2021 zeigte allerdings, dass diese Prozesse nicht zwingend linear fortschreiten: Nach der Menopause stabilisierten sich einige der Veränderungen teilweise wieder, und bestimmte Hirnareale gewannen an Volumen zurück.
Hinsichtlich therapeutischer Ansätze ergab eine Beobachtungsstudie, dass eine reine Östrogentherapie mit um 39 Prozent geringeren Chancen auf eine klinische Demenzdiagnose und um 35 Prozent geringeren Chancen auf stärkere Alzheimer-Pathologien bei Autopsien verbunden war.
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Ein Nachweis für eine tatsächliche Prävention liegt damit jedoch nicht vor. Fachleute betonen daher, dass eine Hormontherapie nicht allein zur Demenzprävention empfohlen wird. Eine reine Östrogenbehandlung kommt zudem aufgrund des Risikos für ein Endometriumkarzinom ausschließlich nach einer Hysterektomie infrage.
Biomarker im Blut als Früherkennungsansatz
Ergänzend zu bildgebenden Verfahren untersuchte eine am 22. September 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie der Universität Kalifornien San Francisco biologische Marker im Blut.
Die Forscher analysierten 80 Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren, die anhand des Klassifikationssystems STRAW+10 eingestuft wurden. Dabei identifizierten sie 16 Blutmoleküle während der Menopause, die mit Prozessen der Hirnalterung und einem erhöhten Demenzrisiko verknüpft sind.
Diese 16 Moleküle korrelierten den Angaben zufolge stärker mit den Hormonwerten als mit dem Lebensalter der Probandinnen. In einer weiteren Gruppe von 12.000 Frauen im Alter von 60 bis 70 Jahren waren die höchsten Konzentrationen dieser 16 Moleküle mit schlechteren Gedächtnisleistungen und einem um 15 Prozent höheren Alzheimer-Risiko im späteren Alter verbunden. Langfristiges Ziel dieser Forschungslinie ist die Entwicklung eines verlässlichen Bluttests zur frühzeitigen Risikobestimmung.
Definitionsprobleme in den Übergangsphasen
Die Erforschung der Wechseljahre wird durch methodische und terminologische Unschärfen erschwert. Die Perimenopause kann zwischen vier und acht Jahren andauern, wobei die Hormonspiegel stark schwanken und der Östrogenspiegel zeitweise sogar erhöht sein kann. Laut dem Centre for Menstrual Cycle and Ovulation Research (CeMCOR) der University of British Columbia kann die Perimenopause bereits bei noch regelmäßigen Zyklen einsetzen.
Der Begriff der Prämenopause ist international nicht eindeutig als erste Phase der Wechseljahre definiert. Die Weltgesundheitsorganisation wies bereits auf die uneinheitliche Verwendung des Begriffs hin, was eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 bestätigte.
Auch das weit verbreitete STRAW+10-Modell unterscheidet lediglich zwischen der reproduktiven Phase, dem menopausalen Übergang und der postmenopausalen Zeit; ein eigenständiges Stadium namens Prämenopause ist darin nicht vorgesehen.
