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Mental Load: MĂŒtter tragen 71 Prozent der Familienorganisation

Veröffentlicht am: 08.07.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

MĂŒtter leisten 52 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit. Geplante Elterngeld-KĂŒrzungen könnten die finanzielle AbhĂ€ngigkeit weiter verstĂ€rken.

MĂŒtter tragen 71% der Familienorganisation: Hohe Belastung
Eine erschöpfte Mutter arbeitet am Laptop, wÀhrend sie ein Baby hÀlt. Spielzeug und Geschirr liegen verstreut herum. Illustration mit AI erstellt.

Die psychische Belastung durch Mental Load bleibt eine der grĂ¶ĂŸten HĂŒrden fĂŒr die Gleichberechtigung.

Ungleiche Verteilung mit Folgen

Die Zahlen sind eindeutig: Frauen leisten 52 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als MĂ€nner. Besonders die kognitive Last – das stĂ€ndige Planen, Organisieren und Vorhersehen von FamilienbedĂŒrfnissen – lastet auf den Schultern von MĂŒttern. Die Folge: Mehr als ein Viertel von ihnen weist eine hohe Stressbelastung auf, wie Erhebungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen.

Hinzu kommen physische Faktoren. Die Sukie-Studie zum Stillverhalten belegt: Zwar stillen 98 Prozent der MĂŒtter initial, doch nach vier Monaten sind es nur noch 30,5 Prozent, nach sechs Monaten gerade einmal 9 Prozent. FĂŒr zwei Drittel der Frauen mit Stillschwierigkeiten erwies sich das Abpumpen von Muttermilch als entlastend.

Arbeitszeiten zerfallen in StĂŒcke

Ein Policy Brief des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) vom Juli 2026 zeigt ein weiteres Problem: Rund 38 Prozent der BeschĂ€ftigten unterbrechen ihren Arbeitstag aus privaten GrĂŒnden und arbeiten abends weiter. Diese Fragmentierung fĂŒhrt nicht zu kĂŒrzeren Vertragszeiten – sondern zu Überstunden und dem Wunsch nach genereller Reduzierung der Wochenarbeitszeit.

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Die Bundesregierung plant unter Familienministerin Karin Prien tiefgreifende Änderungen beim Elterngeld. Die geplanten Eckpunkte:

  • VerkĂŒrzung der Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate
  • Drei verpflichtende Partnermonate pro Elternteil
  • Mindestbetrag steigt von 300 auf 330 Euro
  • Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro
  • Einkommensgrenze sinkt auf 175.000 Euro
  • Partnerschaftsbonus fĂ€llt weg

Das Ziel: jĂ€hrlich 500 Millionen Euro einsparen. Doch Kritiker schlagen Alarm. Der Deutsche Familienverband und der Deutsche Frauenrat warnen vor finanziellen Mehrbelastungen und BetreuungslĂŒcken – denn Kita-PlĂ€tze gibt es oft erst nach dem ersten Lebensjahr. Die BefĂŒrchtung: Die VerkĂŒrzung verstĂ€rkt die finanzielle AbhĂ€ngigkeit von MĂŒttern. Im Jahr 2025 bezogen diese durchschnittlich 14,9 Monate Elterngeld, VĂ€ter kamen nur auf 3,8 Monate.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Die Einstellungen verĂ€ndern sich – aber langsamer als die RealitĂ€t. Laut Bertelsmann-Stiftung wĂŒnschen sich 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der MĂ€nner ein egalitĂ€res Modell mit hĂ€lftiger Aufteilung der Elternzeit. Doch der VĂ€terreport 2023 zeigt: Nur jeder fĂŒnfte Vater ĂŒbernimmt tatsĂ€chlich die HĂ€lfte der Betreuungsarbeit. Der Anteil mĂ€nnlicher Elterngeldbezieher lag 2025 bei 25,9 Prozent.

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Fachautor Sebastian Tigges fordert deshalb eine stÀrkere Einbindung von VÀtern in alleinige Elternzeitphasen. Nur so lasse sich die Kompetenzverteilung im Haushalt nachhaltig verÀndern.

Parallel entstehen private Angebote: Anfang Juli 2026 startete eine neue Akademie des Magazins „Eltern" mit digitalen Kursen zu Mental Load und RĂŒckbildung – ein Zeichen, dass der Bedarf an UnterstĂŒtzung enorm ist.

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