Mental Load: Mütter tragen 71 Prozent der Kopfarbeit
Veröffentlicht: 28.06.2026 um 22:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Psychologen nennen die ständige Denkarbeit „Mental Load“ – und aktuelle Studien zeigen: Sie ist extrem ungleich verteilt.
Frauen erledigen 71 Prozent der Kopfarbeit
Eine 2025 in den „Archives of Women's Mental Health“ veröffentlichte Studie belegt die Schieflage: Mütter tragen rund 71 Prozent der mentalen Last, Väter nur etwa 45 Prozent. Das bedeutet: Frauen denken an Arzttermine, Geschenke für Kindergeburtstage und die nächste Klassenfahrt – Männer deutlich seltener.
Auch im Alltag zeigt sich das Muster. Eine Erhebung von USA TODAY und Peacock aus dem Dezember 2025 ergab: 64 Prozent der Frauen managen die Kindererziehung täglich, aber nur 43 Prozent der Männer. 43 Prozent der Frauen fühlen sich durch den Haushalt erschöpft. Schon 2013 empfanden 46 Prozent der Mütter ihren Partner als stressiger als die eigenen Kinder.
Wenn die Stimmung kippt
Die Psychologie-Professorin Eva Asselmann warnte im Juni 2026 vor den Gesundheitsrisiken des „Mental Overload“. Wer ständig den Überblick behalten muss, leide massiv. Hinzu kommt ein Effekt, den die Psychologin Karin Flenreiss-Frankl beschreibt: Rund 70 Prozent der Menschen erleben eine Stimmungsübertragung. Besonders negative Gefühle sind ansteckend – in angespannten Familien kann das schnell eskalieren.
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Kita und Schule als zusätzliche Hürden
Externe Faktoren verschärfen die Lage. In der Kölner Kita Genovevastraße etwa werden Kinder aus 18 Nationen betreut. Sprachbarrieren und unterschiedliche Herkunftshintergründe fordern Eltern und Personal gleichermaßen. Der Bildungsforscher Marcel Helbig zeigt: Schon bei Dreijährigen sind Leistungsunterschiede messbar. Der Druck auf Eltern, früh zu fördern, steigt.
Schulen mit hohem Sozialindex wie die Hauptschule Buchheim in Köln bekommen zwar Hilfe durch die Startchancen-Förderung. Doch der sonderpädagogische Förderbedarf bleibt hoch – an der Grundschule Langemaß hat jedes fünfte Kind einen solchen Bedarf.
Konkrete Hilfe für überlastete Eltern
Die Volkshochschule Erlangen setzt auf Aufklärung: Für das zweite Halbjahr 2026 und Anfang 2027 sind Vorträge geplant. Themen: „Family-Life-Balance“ (November 2026), Umgang mit neurodivergenten Kindern (Oktober 2026) und Mediensuchtprävention.
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Praktische Entlastung bieten Ferienprogramme. Die RPTU in Landau organisiert von Ende Juni bis Anfang Juli 2026 eine Sommerferienbetreuung für Kinder von Mitarbeitenden und Studierenden. Und in Essen gibt es seit 20 Jahren „Miniferien“: Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung können ab August 2026 wieder Wochenenden in Ferienwohnungen verbringen – ihren Eltern bleibt Zeit zur Erholung.
Die Botschaft der Experten ist klar: Mental Load lässt sich nicht allein mit individuellen Strategien lösen. Es braucht eine gerechtere Aufgabenverteilung zu Hause – und verlässliche Unterstützung von außen.
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