Mercedes-Protest, Beschäftigte

Mercedes-Protest: 33.000 Beschäftigte gegen Arbeitszeit-Erhöhung

04.07.2026 - 03:10:19 | boerse-global.de

Massive Arbeitsniederlegungen bei Mercedes: Die Belegschaft wehrt sich gegen Sparpläne mit 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich.

Mercedes-Streik: Tausende protestieren gegen längere Arbeitszeit
Mercedes-Protest - Arbeiter protestieren vor einer großen Automobilfabrik, halten Schilder und zeigen ihren Unmut über Arbeitsbedingungen. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Massenprotest an allen großen Standorten

Die Proteste erfassten das gesamte Bundesgebiet. Schwerpunkte waren Sindelfingen, Untertürkheim, Rastatt, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim. In Sindelfingen sprach die IG Metall von 20.000 Teilnehmern, der Werkschutz zählte 10.000.

Bundesweit klaffen die Zahlen weit auseinander: Die Gewerkschaft spricht von über 33.000 Demonstranten, Mercedes von maximal 16.000.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner forderte in Düsseldorf mehr Investitionen statt einseitiger Sparmaßnahmen. Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratschef bei Mercedes, kritisierte das Management scharf: Es versuche, soziale Errungenschaften zurückzudrehen. Die Belegschaft sei mit den Plänen nicht einverstanden.

Worum der Streit wirklich geht

Der Vorstand will die Kosten mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen senken. Der größte Knackpunkt: die Arbeitszeit. Das Management will die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen – ohne Lohnausgleich. Vorständin Britta Seeger begründet das mit den nötigen niedrigeren Kosten pro Arbeitsstunde.

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Auch bei den Sonderzahlungen gibt es Zündstoff. Eine für Juli geplante Zahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts soll auf 2027 verschoben werden. Betroffen sind rund 90.000 der 108.000 deutschen Mitarbeiter.

Dazu kommt die geplante Abschaffung des mobilen Arbeitens durch Konzernchef Ola Källenius. Die Belegschaft wertet das als Angriff auf moderne Arbeitsbedingungen.

Warum Mercedes sparen muss

Der Sparkurs hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro ein. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um 30 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Gewinn insgesamt fiel um 17,2 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro.

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Die Umsatzrendite lag bei mageren 5,7 Prozent. Operative Probleme kamen hinzu: Beim Elektro-SUV GLC in Bremen gab es Produktionsverzögerungen wegen fehlender Batterien aus China. Zudem überlegt der Konzern, die Produktion der kleinen G-Klasse nach Ungarn statt nach Rastatt zu vergeben.

Die ganze Branche steht unter Druck

Die IG Metall sieht die Proteste erst als Auftakt. Ein politisch aktiver Sommer und Herbst in der Autoindustrie steht bevor. Bei Volkswagen zeichnet sich noch Schlimmeres ab: Medienberichten zufolge plant VW den Abbau von bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von bis zu vier Werken. Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm stehen zur Diskussion. VW-Chef Oliver Blume bekommt dafür allerdings Gegenwind aus dem Aufsichtsrat.

Betriebsräte von Audi und BMW solidarisierten sich bereits mit den Mercedes-Kollegen. Laut der Unternehmensberatung EY verloren allein 2025 fast 50.000 Menschen in der deutschen Autoindustrie ihren Job.

Für den 9. Juli sind weitere Aktionen geplant – ein Autokorso in Stuttgart soll den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

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