Meta Muse Charm: Facebook-Konzern bringt kleines KI-GerÀt vor OpenAI auf den Markt
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 04:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMeta will mit Muse Charm ein KI-GerĂ€t in SchlĂŒsselanhĂ€ngergröĂe bis Jahresende auf den Markt bringen und damit vor OpenAI einen neuen Hardware-Wettbewerb um persönliche kĂŒnstliche Intelligenz eröffnen.
Display, Kameras und 5G
Konzernchef Mark Zuckerberg kĂŒndigte das GerĂ€t auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect an. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Muse Charm ein kleines Display, ein Mikrofon, zwei Kameras und eine Internetverbindung ĂŒber 5G bekommen; fertig entwickelt sei es noch nicht.
Meta machte zunÀchst keine Angaben dazu, in welchen LÀndern das GerÀt erscheinen soll. Der Konzern bringt damit eine speziell auf KI ausgerichtete Hardware zusÀtzlich zum Smartphone in Stellung.
Meta kommt OpenAI zuvor
Auch OpenAI arbeitet an einem GerĂ€t fĂŒr die KI-Ăra und holte dafĂŒr den frĂŒheren Apple-Chefdesigner Jony Ive an Bord. Das Vorhaben geriet zuletzt unter Druck, nachdem Apple OpenAI in einer Klage vorgeworfen hatte, GeschĂ€ftsgeheimnisse von abgeworbenen BeschĂ€ftigten zu verwenden.
Branchenanalyst Avi Greengart sagte, Meta habe sich an Rivalen wie OpenAI vorbeigeschlichen. Auf absehbare Zeit werde kein GerĂ€t das Smartphone ersetzen, es könne dieses aber ergĂ€nzen. Zugleich belasteten Meta die Datenschutzbedenken gegen Kameras in KI-Brillen, wĂ€hrend die Plattformen Instagram, Facebook und WhatsApp eine groĂe Nutzerbasis böten.
Neue VR-Brille fĂŒr 1.299 Dollar
Meta stellte auĂerdem eine neue, besonders kompakte VR-Brille vor. Das im FrĂŒhjahr erwartete Modell soll 100 Gramm wiegen und damit deutlich leichter sein als viele KonkurrenzgerĂ€te. Es soll Spiele, Fernsehinhalte, 3D-SportĂŒbertragungen und die Nutzung als PC-Monitor ermöglichen.
In den USA soll die Brille 1.299 Dollar kosten. Damit liegt sie deutlich unter Apples Vision Pro, die ab 3.699 Dollar angeboten wird; bei einer VorfĂŒhrung wirkte die BildqualitĂ€t der Meta-Brille allerdings etwas schlechter.
Display-Brille kommt nach Deutschland
Meta bringt zudem seine KI-Brille mit einem kleinen Display in einem Brillenglas nach Deutschland. Das GerĂ€t soll vom 13. Oktober an fĂŒr 899 Euro erhĂ€ltlich sein, knapp ein Jahr nach dem US-Start.
Die Kameras der Brillen sollen nicht nur Fotos und Videos aufnehmen, sondern der KI Informationen ĂŒber die Umgebung des Nutzers liefern. Eine LED-Anzeige signalisiert eine aktive Kamera. Wegen FĂ€llen, in denen Nutzer das Licht verdeckten oder entfernten und Aufnahmen von BelĂ€stigungen veröffentlichten, steht die Technik in der Kritik.
Meta kĂŒndigt SchutzmaĂnahmen an
Der zustÀndige Meta-Manager Alex Himel sagte, alle Brillen mit manipulierter LED-Anzeige seien abgeschaltet worden. Meta suche zudem auf Instagram und Facebook nach Videos mit BelÀstigungen, lösche solche Inhalte und sperre die verantwortlichen Konten.
Zuckerberg kĂŒndigte an, bestimmte Interaktionen mit den Brillen kĂŒnftig vollstĂ€ndig zu verschlĂŒsseln. Dann solle auch Meta keinen Zugriff auf die Daten haben.
Keine allgemeine Gesichtserkennung
Himel erklĂ€rte, Meta habe kein Interesse an einer Datenbank zur Identifizierung fremder Personen. Denkbar seien zwar Anwendungen fĂŒr Sehbehinderte oder zum Erinnern an Namen, solche Ideen wĂŒrden derzeit aber nicht intensiv verfolgt.
Vom Smartphone zur persönlichen KI-Schnittstelle
Mit Muse Charm verschiebt sich der Wettbewerb um kĂŒnstliche Intelligenz von der Software auf zusĂ€tzliche Hardware. Ein GerĂ€t mit Display, Kameras, Mikrofon, Internetzugang und einem KI-Assistenten könnte Informationen unmittelbarer verfĂŒgbar machen, bleibt aber auf leistungsfĂ€hige Cloud-Dienste und eine stabile Mobilfunkverbindung angewiesen. Das Smartphone wird dadurch zunĂ€chst eher ergĂ€nzt als ersetzt.
FĂŒr Meta ist der Schritt strategisch bedeutsam, weil der Konzern damit eine eigene Zugangsschicht zu seinen Diensten etablieren könnte. Der SchlĂŒsselanhĂ€nger wĂ€re kleiner und unauffĂ€lliger als ein Smartphone, zugleich aber stĂ€rker in den Alltag eingebunden. Entscheidend dĂŒrfte sein, ob Nutzer einen praktischen Mehrwert erkennen und ob Akkulaufzeit, Bedienung und Kosten ĂŒberzeugen.
Datenschutz wird zur MarkthĂŒrde
Die Kamerafunktionen verschĂ€rfen die zentrale gesellschaftliche Frage: Auch Personen, die selbst kein solches GerĂ€t besitzen, können aufgenommen und von einer KI analysiert werden. In Paris leitete die Justiz nach mehreren Anzeigen wegen heimlicher Aufnahmen mit Smart Glasses Ermittlungen ein; nach französischem Recht drohen dafĂŒr bis zu zwei Jahre Haft und 45.000 Euro Geldstrafe. Der Vorgang zeigt, dass die Akzeptanz solcher GerĂ€te nicht allein von technischer LeistungsfĂ€higkeit abhĂ€ngen wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: âParis: Justiz ermittelt nach heimlichen Aufnahmen mit Smart Glassesâ (23.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass die Pariser Staatsanwaltschaft nach mehreren Anzeigen wegen Verletzungen der PrivatsphÀre ermittle. Anders als die dpa-Meldung zur Produktstrategie von Meta setze der Artikel den Schwerpunkt auf den möglichen Missbrauch von Kamerabrillen und nenne auch geplante EinschrÀnkungen in Hamburger BÀdern und im öffentlichen Nahverkehr.
Beide Darstellungen machten damit deutlich, dass die Verbreitung tragbarer KI-GerĂ€te neben technischen und wirtschaftlichen Fragen auch konkrete Regeln fĂŒr Aufnahmen im öffentlichen Raum erfordere. Offen bleibe, wie solche Vorgaben mit den neuen Meta-GerĂ€ten praktisch durchgesetzt werden sollten.
