Meta-Skandal: Überwachungstool MCI erfasst Mausbewegungen unverschlüsselt
31.05.2026 - 10:18:18 | boerse-global.de
Datenschützer und EU-Behörden untersuchen, ob das System gegen europäisches Recht verstößt.
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Datensammeln auf Knopfdruck
Seit Mai 2026 läuft bei Meta ein umstrittenes Programm namens MCI. Es zeichnet auf, wie US-Mitarbeiter ihre Computer nutzen: Mausbewegungen, Klicks und Navigation auf über 200 verschiedenen Anwendungen und Webseiten. Das Unternehmen will damit KI-Agenten trainieren, die selbstständig digitale Aufgaben erledigen können.
Die Software erfasst eine beeindruckende Menge an Daten: Code-Änderungen, besuchte URLs, Schlaf- und Aufwachzyklen der Rechner. Besonders brisant: Laut internen Analysen von Mitarbeitern greift das Tool auf die Zwischenablage zu – und speichert die Inhalte unverschlüsselt. Kein Wunder also, dass manche Angestellte ihren Arbeitgeber als „Extraktionsfabrik für Mitarbeiterdaten" bezeichnen.
EU-Recht in Gefahr?
Das eigentliche Problem liegt jedoch im grenzüberschreitenden Datenfluss. Denn MCI erfasst auch Kommunikation, die von EU-Kollegen an US-Mitarbeiter geht – E-Mails und Chatnachrichten inklusive. Genau hier liegt der Haken.
Die Datenschutzorganisation NOYB hat bereits Alarm geschlagen. „Die Nutzung von EU-Mitarbeiterdaten für KI-Training dürfte gegen den Grundsatz der Zweckbindung verstoßen", erklärt Rechtsanwältin Kleanthi Sardeli. Schließlich wurden diese Daten ursprünglich nicht zu diesem Zweck erhoben.
Meta selbst hat der irischen Datenschutzkommission (DPC) mitgeteilt, dass EU-Daten nicht im Fokus des Tools stünden. Doch Johnny Ryan vom Irish Council for Civil Liberties (ICCL) fordert eine formelle Untersuchung. Die Frage ist: Hält Metas Argument vor Gericht stand?
Besonders bei der Einführung neuer Software-Tools ist eine lückenlose Dokumentation aller Verarbeitungstätigkeiten gesetzlich vorgeschrieben, um Bußgelder von bis zu 2 % des Jahresumsatzes zu vermeiden. Mit dieser kostenlosen Excel-Vorlage und der passenden Anleitung erstellen Sie Ihr rechtssicheres Verzeichnis gemäß Art. 30 DSGVO zeitsparend und professionell. Kostenlose Muster-Vorlage für das Verarbeitungsverzeichnis herunterladen
Widerstand in den eigenen Reihen
Die Belegschaft reagiert alles andere als begeistert. Mitarbeiter verteilten Flugblätter gegen das Programm und äußerten die Sorge, dass die Systeme, die sie trainieren, irgendwann ihre eigenen Jobs automatisieren könnten.
Doch die Probleme gehen über Datenschutzbedenken hinaus. Das Tool frisst offenbar enorme Ressourcen: Einige Angestellte berichten, dass MCI ihr gesamtes monatliches Datenvolumen zu Hause innerhalb weniger Tage aufbrauchte. Zudem wurde ein interner Beitrag, der die technische Reichweite des Tools detailliert beschrieb, kurz nach Veröffentlichung gelöscht.
Marktlage bleibt stabil
Trotz der Turbulenzen zeigt sich die Börse unbeeindruckt. Meta-Aktien notierten Ende Mai bei rund 632,51 US-Dollar – die Marktkapitalisierung liegt weiterhin bei über 1,6 Billionen Dollar. Ob der Datenschutz-Streit langfristig Spuren hinterlässt, bleibt abzuwarten.
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