Meta-Strafe, Polen

Meta-Strafe: Polen fordert 250 Millionen Euro wegen Betrugsanzeigen

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 15:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Polen verlangt von der EU eine Strafe für Meta wegen unzureichender Betrugsbekämpfung; die Kommission prüft das Schreiben und die Belege.

Polen fordert 250-Millionen-Euro-Strafe gegen Meta wegen Scam-Anzeigen
Moderne Serverräume in einem Rechenzentrum mit blau beleuchteten Server-Racks in einer sterilen, professionellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die polnische Regierung hat die Europäische Kommission offiziell dazu aufgefordert, eine hohe Geldstrafe gegen den US-Technologiekonzern Meta Platforms zu verhängen. Der polnische Minister für Digitales, Krzysztof Gawkowski, verlangt eine Sanktion in Höhe von 250 Millionen Euro (rund 291,3 Millionen US-Dollar).

Hintergrund sind Vorwürfe über systematische Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) im Zusammenhang mit betrügerischen Werbeanzeigen auf den Plattformen des Unternehmens.

Das entsprechende formelle Ersuchen des Ministeriums wurde bereits Ende August eingereicht. Die polnische Seite wirft Meta vor, nicht konsequent genug gegen Scam-Anzeigen vorzugehen, die Nutzer finanziell schädigen und teilweise unter Verwendung von Deepfakes prominenter Persönlichkeiten verbreitet werden.

Massive Differenzen bei der Erkennung von Betrug

Untersuchungen der Organisation CERT Polska untermauern die Vorwürfe. In einem konkreten Prüfzeitraum meldete die Stelle insgesamt 122 betrügerische Anzeigen an die Plattform. Den Angaben zufolge entfernte Meta lediglich 10 dieser Werbemittel, während 106 Anzeigen – was einem Anteil von 86,8 Prozent entspricht – weiterhin online blieben. In sechs Fällen sei auf die Meldungen überhaupt keine Reaktion erfolgt.

Minister Gawkowski kritisiert die derzeitigen Standards des Konzerns deutlich. Während Meta intern eine Erkennungsquote von über 70 Prozent für betrügerische Inhalte angibt, fordert das polnische Digitalministerium eine Wirksamkeit von 95 bis 97 Prozent bei der Identifizierung von Fake-Anzeigen. Die aktuelle Praxis gefährde die Sicherheit der Verbraucher erheblich.

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Hohe Einnahmen durch illegale Inhalte

Der polnische Unternehmer Rafa? Brzoska, der selbst Ziel von Deepfake-Kampagnen wurde, schätzt das wirtschaftliche Ausmaß der Problematik als gravierend ein. Seinen Berechnungen zufolge verdient Meta in Polen täglich über 20 Millionen Zloty durch Werbeanzeigen mit betrügerischem Hintergrund.

Gemeinsam mit Bielik AI hat er das Analyse-Tool „ScamWatch“ gestartet, um den Betrug proaktiver zu bekämpfen. Brzoska plädiert dafür, dass Strafen gegen den Konzern in jedem EU-Mitgliedstaat einzeln verhängt werden sollten, um den Druck zu erhöhen.

Meta Platforms verwies darauf, zwischen Juli 2025 und Juni 2026 insgesamt 137.000 Anzeigen aus Polen gelöscht zu haben. Dennoch steht das Geschäftsmodell in der Kritik: Ein früherer Bericht von Reuters schätzte im Jahr 2025, dass etwa 10 Prozent des gesamten Umsatzes von Meta aus dem Jahr 2024 auf Werbeeinnahmen aus zweifelhaften oder betrügerischen Quellen basieren könnten.

Prüfung durch die EU-Kommission

Die EU-Kommission bestätigte den Eingang des polnischen Schreibens und erklärte, die Beweise prüfen zu wollen. Sprecher Thomas Regnier wies jedoch darauf hin, dass die Durchsetzung des DSA in Polen erschwert werde, da das Land bisher noch keinen nationalen Koordinator für digitale Dienste benannt habe. Dies verzögere die formellen Prozesse zur Sanktionierung.

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Bereits im Juli 2026 hatte die Kommission Meta vorläufig wegen Verstößen gegen den DSA beanstandet. Der Rechtsrahmen erlaubt Geldbußen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Meta erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 200,97 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 60,46 Milliarden US-Dollar. Der Marktwert des Konzerns wird derzeit auf 1,45 Billionen US-Dollar taxiert.

Internationaler Druck auf Meta wächst

Nicht nur in Polen, sondern europaweit formiert sich Widerstand. Die Europäische Verbraucherorganisation (BEUC) hat ebenfalls Beschwerden gegen Meta sowie Google und TikTok eingereicht. In Deutschland forderte die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, dass Plattformen grundlegend sicher gestaltet werden müssten.

Auch in den USA sieht sich Meta mit juristischen Konsequenzen konfrontiert. Ein Vergleich mit 29 US-Bundesstaaten sieht Zahlungen von bis zu 17 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren vor. In diesem Zusammenhang wurden weitreichende Änderungen zugesagt, darunter strengere Zeitlimits für Jugendliche und ein Verbot von Benachrichtigungen während der Schulzeit sowie in der Nacht.

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