Beschuss, EU-Kommission

Meta unter Beschuss: EU-Kommission wirft Instagram Suchtdesign vor

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 01:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Brüssel sieht in Instagram- und Facebook-Funktionen einen Verstoß gegen den Digital Services Act und droht mit Milliardenstrafen.

EU-Kommission rügt Meta: DSA-Verstoß durch süchtig machendes Design
Eine Nahaufnahme einer Hand, die auf einem Smartphone endlos scrollt, mit einem unscharfen Hintergrund aus digitalen Verbindungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die EU-Kommission wirft Meta vor, mit süchtig machenden Funktionen auf Instagram und Facebook gegen den Digital Services Act (DSA) zu verstoßen. Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung vom 10. Juli 2026 sind da – und sie sind vernichtend.

Unendliches Scrollen und Autoplay im Visier

Im Zentrum der Kritik stehen Design-Elemente, die Nutzer möglichst lange auf den Plattformen halten sollen. Die Kommission hat mehrere Funktionen als problematisch identifiziert:

  • Infinite Scroll: Der endlose Inhaltsfluss ohne natürliche Stopp-Punkte
  • Autoplay: Videos, die automatisch starten
  • Push-Benachrichtigungen: Ständige Unterbrechungen
  • Personalisierte Empfehlungsalgorithmen: Optimiert auf maximale Verweildauer

Laut den Ermittlern habe Meta es versäumt, die Risiken für die körperliche und geistige Gesundheit der Nutzer angemessen zu bewerten. Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen stellt klar: „Der Schutz der Gesundheit der Nutzer muss oberste Priorität haben."

Die Kommission fordert grundlegende Änderungen. Autoplay und unendliches Scrollen sollen standardmäßig deaktiviert werden. Zudem verlangt Brüssel wirksame Erinnerungen für Bildschirmzeit-Pausen und eine Abkehr von rein interaktionsgetriebenen Empfehlungen.

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Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

Besonders hart geht die EU mit den Risiken für Minderjährige ins Gericht. Die zweijährige Untersuchung sieht erhebliche Suchtgefahren durch personalisierte Feeds. Die bestehenden Elternkontrollen? Laut Kommission oft zu kompliziert oder leicht zu umgehen.

Zeitlimits und Stummschaltungen für Benachrichtigungen bei Teenager-Accounts seien nicht ausreichend gegen Deaktivierung gesichert.

Die EU führt übrigens seit Februar 2026 ein ähnliches Verfahren gegen TikTok. Dort untersuchen die Regulierungsbehörden sogenannte „Rabbit-Hole-Effekte" – Algorithmen, die Nutzer immer tiefer in potenziell schädliche Inhalte ziehen.

Milliardenrisiko für Meta

Für Meta wird es richtig teuer. Bei einem bestätigten DSA-Verstoß drohen Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei einem Jahresumsatz von rund 125 Milliarden Euro (2024) könnte das eine Strafe von über 8 Milliarden Euro bedeuten. Einige Schätzungen gehen sogar von bis zu 12 Milliarden Euro aus.

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Meta weist die Vorwürfe zurück und verweist auf bereits implementierte Schutzmaßnahmen für Jugendliche. Das Unternehmen kann nun auf die vorläufigen Ergebnisse reagieren.

Der Druck kommt nicht nur aus Europa. In den USA sieht sich Meta bereits Klagen von 29 Bundesstaaten und zahlreichen Schulbezirken gegenüber – ebenfalls wegen der psychischen Auswirkungen des Plattform-Designs.

Neue Regeln gegen Dark Patterns

EU-Justizkommissar Michael McGrath kündigte am 12. Juli 2026 an, bis zum Jahresende neue Regeln vorzuschlagen. Ziel: Verbraucher besser vor „Dark Patterns", Abo-Fallen und suchterzeugenden Designs zu schützen.

Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Die Verantwortung der Tech-Konzerne für die psychologische Architektur ihrer Dienste soll rechtlich verbindlich festgeschrieben werden.

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