Microsoft 365 Copilot: Live-Zugriff auf Finanzdaten ab sofort
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 20:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Microsoft baut seine KI-Assistenten weiter aus – und macht nun ernst mit der Integration von Finanzdaten.
Der Softwarekonzern hat eine neue Schnittstelle zu Xero, einem der führenden Anbieter von Buchhaltungssoftware, geschaffen. Seit dem 5. Juli können Nutzer von Microsoft 365 Copilot live auf ihre Finanzdaten zugreifen – direkt aus Excel, Word und PowerPoint heraus. Möglich macht das der KI-Agent JAX, der als Vermittler zwischen den Systemen fungiert.
Finanzdaten per Sprachbefehl
Die Neuerung klingt simpel, ist aber ein echter Gamechanger für Unternehmen. Statt mühsam Reports zu exportieren, fragen Anwender einfach per natürlicher Sprache ab: Wie steht es um die Liquidität? Wie hoch sind die Außenstände? Die KI liefert die Antworten in Echtzeit – und verlinkt direkt zurück zur Xero-Plattform, falls Buchungen nötig werden.
Zunächst läuft die Integration rein lesend. Wer Änderungen vornehmen will, muss weiterhin in der Buchhaltungssoftware arbeiten. Voraussetzung sind ein Xero-Abo und eine kostenpflichtige Microsoft-365-Lizenz. Die JAX-Funktion selbst ist vorerst kostenlos. Wichtig für Datenschützer: Die abgerufenen Finanzdaten fließen nicht in das Training der KI-Modelle ein.
Excel im Browser holt auf
Parallel zur Xero-Integration veröffentlichte Microsoft neue Zahlen zur Nutzung von Excel im Web. Demnach haben sich die Sitzungen auf der Browser-Plattform in den letzten sechs Jahren verzehnfacht. Brian Jones vom Excel-Produktteam führt das auf eine strategische Neuausrichtung zurück, die bereits 2018 begann.
Lange Zeit galt die Desktop-Version als unangefochtene Heimat für Power-User mit komplexen Makros und riesigen Datensätzen. Doch die Schere schließt sich. Die Web-Version beherrscht inzwischen Pivot-Tabellen, Diagramme und Echtzeit-Kollaboration. Als Ersatz für klassische VBA-Makros setzt Microsoft auf KI-Tools und Office Scripts – eine moderne Alternative für Automatisierung.
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Die Roadmap für Excel sieht zudem spezielle Finanz-Features vor: Copilot-Skills für Finanzmodellierung sowie Schnittstellen zu Datenanbietern wie FactSet, Morningstar und PitchBook. Ein neuer „Plan with Copilot"-Modus ist ebenfalls in Entwicklung. Zusammen mit dem Financial Modeling Institute arbeitet Microsoft an Benchmarks, um die KI-Leistung im Finanzsektor messbar zu machen.
Automatisierte Workflows und die Zukunft der KI
Noch in diesem Jahr will Microsoft geplante Prompt-Ausführungen in Microsoft 365 Copilot einführen. Die Idee: Analysten lassen tägliche Inventurberichte oder wöchentliche Risikoanalysen automatisch erstellen. IT-Administratoren sollten dabei jedoch strenge Governance-Regeln beachten – sonst drohen Berichts-Spam oder Datenlecks.
Noch größer ist der Plan für den August 2026: Unter dem Codenamen „Copilot Fusion" sollen die verschiedenen KI-Versionen für Privat- und Geschäftskunden zu einer einzigen App verschmelzen. Executive Vice President Jacob Andreou stellte intern klar: Die KI müsse ihren Nutzen immer wieder neu beweisen. Im Zuge des Umbaus sollen wenig genutzte Funktionen verschwinden. Neu eingeführt wird ein Premium-Tarif namens „AutoPilot" für Hintergrund-Agenten.
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Arbeitsplätze im Wandel
Die rasche Verbreitung der KI-Tools zeigt bereits jetzt Wirkung auf dem Arbeitsmarkt. Eine Analyse der Nachrichtenagentur AP vom 3. Juli bestätigt: Assistenten-Tools wie Copilot ersetzen zunehmend administrative Tätigkeiten – Terminplanung, E-Mail-Entwürfe, Dateneingabe. Der Beruf der Sekretärin, der zu 95 Prozent von Frauen ausgeübt wird, wandelt sich von ausführenden Tätigkeiten hin zu Kontroll- und Überwachungsaufgaben.
Dennoch investieren große Organisationen weiter massiv in KI. Die Anwaltskanzlei Faegre Drinker rollte im Juni 2026 Microsoft Copilot und Harvey AI für die gesamte Belegschaft aus – nach einem achtmonatigen Pilotprojekt. Die Anwälte berichten von Einsparungen zwischen sechs und acht Stunden pro Woche bei Routineaufgaben.
Die Nutzerzahlen steigen, aber das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Waren es im Januar 2026 noch 15 Millionen zahlende Copilot-Nutzer, stieg die Zahl bis April auf 20 Millionen. Das entspricht etwa 3,3 bis 4,5 Prozent der insgesamt 450 Millionen Microsoft-365-Nutzer. Genug Luft nach oben – und genug Anreiz für Microsoft, weiter an der KI-Schraube zu drehen.
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