Microsoft, Niederlanden

Microsoft 365 in den Niederlanden: Behörden stoppen Cloud-Migration nach 5.000 Umstellungen

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

NiederlÀndische Behörden stoppen die Cloud-Migration, wÀhrend Verwaltungen in Deutschland und weiteren LÀndern souverÀne Alternativen ausbauen.

Microsoft 365: Europas Behörden setzen verstÀrkt auf Open Source
Modernes, minimalistisches BĂŒrogebĂ€ude mit klaren architektonischen Linien und natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Öffentliche Verwaltungen in Europa distanzieren sich zunehmend von Microsoft 365. Um die Hoheit ĂŒber sensible Daten und den Schutz der PrivatsphĂ€re zu gewĂ€hrleisten, setzen Behörden verstĂ€rkt auf souverĂ€ne, lokal gehostete Lösungen sowie offene Plattformen. Dieser Trend zeigt sich in lĂ€nderĂŒbergreifenden Projekten sowie konkreten Beschaffungs- und Migrationsstopps.

Niederlande frieren Cloud-Projekte ein

Die niederlĂ€ndischen Steuer-, Zoll- und Sozialbehörden haben die Migration zu Microsoft 365 in die Cloud gestoppt. Rund 5.000 BeschĂ€ftigte waren bereits umgestellt, bevor das Vorhaben eingefroren wurde. Ein wesentlicher Auslöser fĂŒr den Schritt war US-Druck, der den Nachrichtenzugang des AnklĂ€gers des Internationalen Strafgerichtshofs sperrte.

Eine anschließende PrĂŒfung bemĂ€ngelte die VerschlĂŒsselung sowie das Metadatenmanagement. Zudem hatte der staatliche IT-Beratungsrat im Juni empfohlen, die EinfĂŒhrung zu ĂŒberdenken, woraufhin die Regierung die Migration aussetzte.

Kritisiert wurden unter anderem Informationssicherheit, Datenverarbeitung, mangelnde WechselfĂ€higkeit sowie das Fehlen einer DoppelschlĂŒssel- und standardmĂ€ĂŸigen Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung fĂŒr Anrufe ĂŒber Microsoft Teams.

Die niederlĂ€ndischen Behörden planen nun, E-Mail- und Kalenderdienste ab 2027 auf eigener Infrastruktur zu betreiben. EuropĂ€ische Open-Source-Lösungen sollen ab Ende 2027 bis 2028 folgen. Als Optionen werden Systeme wie NixOS, La Suite, MijnBureau sowie openDesk geprĂŒft. Zudem dient das Projekt DAWO als souverĂ€nes virtuelles BĂŒro; acht Kommunen testen bereits einen Piloten auf Basis von Nextcloud, Collabora, Element und NixOS.

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Ausbau von openDesk und Kommunikationswerkzeugen in Deutschland

In Deutschland treibt das 2022 gegrĂŒndete Zentrum fĂŒr Digitale SouverĂ€nitĂ€t (ZenDiS), das dem Bund gehört und dem Bundesministerium fĂŒr Digitales und Staatsmodernisierung zugeordnet ist, den Arbeitsplatz openDesk voran.

Die im Oktober 2024 eingefĂŒhrte Plattform stattet laut ZenDiS bereits rund 100.000 VerwaltungsarbeitsplĂ€tze aus. openDesk umfasst Komponenten wie Nextcloud, Collabora Online, Element, OpenProject, XWiki, Open-Xchange, Jitsi und Univention Nubus.

Mitte Oktober 2026 kĂŒndigten ZenDiS und govdigital an, openDesk als Software-as-a-Service auf dem Marktplatz Deutschland Digital bereitzustellen. Pilotpakete sind fĂŒr Landesverwaltungen und Kommunen ohne vorherige Ausschreibung verfĂŒgbar, das regulĂ€re Produktivangebot ist fĂŒr Januar 2027 vorgesehen.

Als erster genehmigter Dienstleister im Partnerprogramm wurde STACKIT von Schwarz Digits zugelassen, wofĂŒr ein BSI-C5-Testat vorausgesetzt wird. Zudem grĂŒndeten beteiligte Softwareanbieter wie Collabora Productivity, Element, Nordeck, Open-Xchange, Univention und XWiki die Open Productivity Software GmbH in Berlin, um die Suite auch außerhalb der Verwaltung zu vermarkten.

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Die Abkehr von teurer Lizenz-Software ist lĂ€ngst kein Trend mehr, der nur Behörden betrifft. Das kostenlose LibreOffice Startpaket zeigt Ihnen Schritt fĂŒr Schritt, wie Sie eine vollwertige Office-Alternative ohne einen Cent zu zahlen nutzen können. Gratis LibreOffice Startpaket herunterladen

Parallel gewinnen eigenstĂ€ndige Kommunikationswerkzeuge an Bedeutung. Die deutsche Open-Source-Software OpenTalk, die ursprĂŒnglich wĂ€hrend der Pandemie fĂŒr die Verwaltung einer Großstadt konzipiert wurde, bietet behördengerechte Funktionen wie revisionssichere Abstimmungen und vertrauliche BesprechungsrĂ€ume.

Fortschritte in Schleswig-Holstein, Frankreich und der Schweiz

Auch andere Regionen verzeichnen weitreichende Umstellungen. In Schleswig-Holstein wurden rund 62.000 BeschĂ€ftigte öffentlicher Einrichtungen auf Open-Source-Lösungen migriert. Bei einmaligen Umstellungskosten von 9 Millionen Euro spart das Land mehr als 15 Millionen Euro bei laufenden Softwarelizenzen ein. Ende 2025 waren dort bereits rund 80 Prozent von 30.000 ArbeitsplĂ€tzen umgerĂŒstet.

In Frankreich nutzt die Gendarmerie bereits seit 2008 das Linux-System GendBuntu, das 2024 rund 103.164 ArbeitsplĂ€tze und damit etwa 97 Prozent des Bestands umfasste. Dies fĂŒhrt zu einer jĂ€hrlichen Lizenzersparnis von rund 2 Millionen Euro sowie um etwa 40 Prozent reduzierten Gesamtbetriebskosten. Als offizieller Messenger des französischen Staates fungiert die Matrix-basierte Anwendung Tchap.

Die Schweizer Bundesregierung bereitet derweil den Transfer von rund 3.000 ihrer insgesamt 54.000 ArbeitsplĂ€tze zu openDesk vor. Das Projekt verfĂŒgt ĂŒber ein Budget von 9 Millionen Schweizer Franken, die Testphase lĂ€uft bis Ende 2027. Eine frĂŒhere Erprobung mit 172 Bundesangestellten bewertete die Dokumentenbearbeitung, E-Mail-Dienste und Speicherfunktionen positiv, zeigte jedoch technische Grenzen bei großen Videokonferenzen auf.

Flankiert werden die nationalen Initiativen von der EuropĂ€ischen Kommission, die eine Open-Source-Strategie vorstellte, um die AbhĂ€ngigkeit von externen proprietĂ€ren Anbietern zu verringern. Laut einer Untersuchung der Linux Foundation Europe halten 94 Prozent der Organisationen in der EuropĂ€ischen Union digitale SouverĂ€nitĂ€t fĂŒr wichtig, 61 Prozent stufen sie als sehr wichtig ein.

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