Microsoft 365: NiederlÀndische Steuerbehörden stoppen den Cloud-Wechsel
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die niederlĂ€ndische Steuer- und Zollverwaltung bricht ihren Wechsel in die Microsoft-365-Cloud ab. Wie aus einem Bericht vom 6. Oktober 2026 hervorgeht, hat der StaatssekretĂ€r im Finanzministerium, Eelco Eerenberg, das Parlament (Tweede Kamer) darĂŒber informiert, dass die Behörden Belastingdienst, Douane und Toeslagen stattdessen auf BĂŒroautomation auf eigenen beziehungsweise kontrollierten Servern sowie europĂ€ische Open-Source-Technologien setzen.
Sicherheitsbedenken stoppen Microsoft-365-EinfĂŒhrung
Dem Schritt ging ein zwischenzeitlicher Stopp des Rollouts voraus. Auslöser war eine negative Bewertung durch das Adviescollege ICT-Toetsing. Bis zu dieser Unterbrechung waren bereits rund 5.000 der insgesamt 47.500 BeschÀftigten auf Microsoft 365 umgestellt worden.
Das PrĂŒfgremium ĂŒbte deutliche Kritik an der Cloud-Nutzung: Die Vertraulichkeit des E-Mail-Verkehrs sei geringer, und sensible Daten lĂ€gen auf Servern in den USA.
Zudem bemĂ€ngelten die Experten fehlende VerschlĂŒsselung, Aggregationsrisiken bei Metadaten sowie erhebliche Defizite bei den Datensicherungen. Statt auf ein Paket eines einzelnen Anbieters zu vertrauen, empfahl das Beratungsgremium, fĂŒr einzelne FunktionalitĂ€ten getrennte Alternativen zu prĂŒfen.
Neue Infrastruktur in Apeldoorn und Open-Source-PlÀne
Als Reaktion auf die Sicherheits- und Datenschutzbedenken strukturiert die Finanzverwaltung ihre IT-Architektur um. Im Jahr 2027 sollen E-Mail und Kalenderfunktionen auf eine behördeneigene Infrastruktur in das Rechenzentrum in Apeldoorn ĂŒberfĂŒhrt werden. FĂŒr die Anwender bleiben diese Funktionen weiterhin ĂŒber Microsoft-Dienste wie Outlook erreichbar.
FĂŒr persönliche Datenspeicherung und digitale Zusammenarbeit plant die Behörde, spĂ€ter in den Jahren 2027 und 2028 europĂ€ische Open-Source-Lösungen einzufĂŒhren. Konkrete Produkte oder Lieferanten wurden bislang nicht benannt. Eine detaillierte Roadmap soll im ersten Quartal 2027 der Tweede Kamer vorgelegt werden.
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Herausforderungen bei KapazitÀten und ZeitplÀnen
Die Neuausrichtung trifft auf eine angespannte Ressourcensituation. Die interne KapazitÀt der Informationsverwaltung verteilt sich derzeit zu rund 55 Prozent auf notwendige Modernisierungen, zu 40 Prozent auf gesetzliche Vorgaben und externe Verpflichtungen sowie zu lediglich 5 Prozent auf strategische Erneuerungen.
Das Ziel des Ministeriums besteht darin, den Modernisierungsanteil auf maximal 20 Prozent zu senken und die strategische Erneuerung auf mindestens 20 Prozent zu steigern.
Gleichzeitig verschieben sich andere IT-GroĂprojekte: Die Inbetriebnahme der Modernisierung bei der MehrwertsteuerrĂŒckerstattung (VAT-refund) wurde auf April 2027 verlegt. Der Rollout der inlĂ€ndischen Umsatzsteuersysteme ist nun fĂŒr das dritte Quartal 2027 vorgesehen.
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Wachsender Fokus auf digitale SouverÀnitÀt
Die Entscheidung in den Niederlanden spiegelt ein wachsendes Unbehagen europĂ€ischer Institutionen gegenĂŒber US-amerikanischen Plattformen wider. Laut PwC Germany kontrollieren die Anbieter AWS, Microsoft Azure und Google Cloud zusammen rund 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Markts, wĂ€hrend europĂ€ische Anbieter lediglich auf rund 15 Prozent kommen.
Auch in der Wirtschaft wÀchst der Wunsch nach Alternativen: Laut dem Cloud Report 2026 des Branchenverbands Bitkom sind 85 Prozent der befragten deutschen Unternehmen der Ansicht, Deutschland sei zu abhÀngig von US-Cloud-Anbietern.
Zudem fordern 90 Prozent eine stÀrkere Nutzung europÀischer oder souverÀner Cloud-Lösungen durch staatliche Stellen, wÀhrend 59 Prozent Lock-in-Effekte als zentrale Wechselbarriere beschreiben. Vor diesem Hintergrund will auch die EuropÀische Kommission ihre Open-Source-Strategie vorantreiben, um AbhÀngigkeiten im öffentlichen Sektor abzubauen.
