Microsoft, Sicherheitslücken

Microsoft: 570 Sicherheitslücken am Patch-Day schließen Rekordzahl

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 04:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Microsoft schließt 570 Sicherheitslücken an einem Tag. Kritische SharePoint-Lücke wird aktiv ausgenutzt, Azure-Ausfall legt Dienste lahm.

Microsoft schließt Rekordzahl an Sicherheitslücken nach Cloud-Angriffswelle
Moderne Server-Racks mit blauer Beleuchtung, die Cloud-Infrastruktur und Cybersicherheitsüberwachung darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Softwarekonzern und US-Behörden verstärken den Schutz der Cloud-Infrastruktur nach einem beispiellosen Ansturm auf Unternehmensdienste.

Am 14. Juli 2026 schloss Microsoft bei seinem monatlichen Patch-Day insgesamt 570 Sicherheitslücken. Diese Rekordzahl ist auch auf den Einsatz neuer KI-gestützter Scan-Tools namens MDASH zurückzuführen. Besonders betroffen: die hauseigenen Cloud-Dienste und lokale SharePoint-Installationen.

Kritische Lücke in SharePoint wird aktiv ausgenutzt

Sicherheitsforscher und Bundesbehörden haben eine Angriffswelle auf lokale SharePoint-Umgebungen identifiziert. Im Zentrum steht die kritische Schwachstelle CVE-2026-50522 mit einem CVSS-Wert von 9,8 – der höchsten Risikostufe. Am 20. Juli wurde ein öffentlicher Proof-of-Concept veröffentlicht, noch am selben Tag begann die aktive Ausnutzung.

Obwohl Microsoft bereits am 14. Juli einen Patch bereitstellte, stufte die US-Cybersicherheitsbehörde CISA die Lücke am 22. Juli in ihren Katalog bekannter Sicherheitslücken ein. Die Behörde warnt vor Angreifern, die Maschinenschlüssel stehlen, um dauerhaften Zugriff zu erhalten.

Auch die SharePoint Subscription Edition sowie die Versionen 2016 und 2019 sind betroffen. Eine weitere Zero-Day-Lücke (CVE-2026-58644) zwang die Behörden zu einer Patchnachfrist bis zum 19. Juli. Experten betonen: Selbst nach dem Einspielen des Updates müssen Administratoren die Maschinenschlüssel austauschen und den Internetzugriff einschränken, um Hintertüren zuverlässig zu schließen.

Bereits im April 2026 wurde eine weitere SharePoint-Lücke (CVE-2026-32201) als Zero-Day ausgenutzt. Schätzungen zufolge sind noch immer über 1.300 SharePoint-Server anfällig für diese Art von Identitätsdiebstahl und Authentifizierungsumgehung.

Azure Automation: Fehlkonfiguration mit Folgen

Microsoft schloss zudem eine kritische Lücke in Azure Automation (CVE-2025-29827, CVSS 9,9). Der Forscher Shay Shavit entdeckte, dass eine standardmäßig öffentliche Konfiguration in Kombination mit Code-Fehlern eine mandantenübergreifende Identitätsübernahme ermöglichte.

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Konkrete Angriffe auf diese Lücke sind bislang nicht bekannt. Microsoft hat die Standardeinstellungen auf „nicht öffentlich" geändert und empfiehlt Unternehmen, ihre Automation-Kontobereiche zu überprüfen.

Azure-Ausfall legt 27 Dienste lahm

Neben den Sicherheitslücken sorgte auch ein Betriebsausfall für Aufsehen. Am 23. Juli fiel die Azure-Region West US für rund fünf Stunden aus – zwischen 14:44 und 19:41 UTC. 27 Dienste waren betroffen. Ursache war ein Routing-Fehler bei routinemäßigen Glasfaser-Wartungsarbeiten. Ein Fehler bei der Anfragekonvertierung führte dazu, dass das System mehr Routen entfernte als beabsichtigt.

Kriminelle kapern Hotel-WLAN für Phishing-Angriffe

Seit Juni 2026 läuft eine großangelegte Kampagne zum Diebstahl von Zugangsdaten. Angreifer kompromittieren Hotel-WLAN-Netzwerke und leiten Nutzer über DNS-Poisoning auf gefälschte Microsoft-Loginseiten um – etwa auf Adressen wie m365-owa.com oder ms365-live.com.

Hinter der Kampagne steckt die Gruppe APT28 (auch bekannt als FrostArmada). Betroffen sind Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Recht, Gesundheitswesen, Energie und Einzelhandel in den USA, Indien und Saudi-Arabien. Die Angreifer nutzen den Device-Code-Sign-In-Flow, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen. Sicherheitsexperten empfehlen den Einsatz von Full-Tunnel-VPNs und strikter DNS-Verschlüsselung.

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Systematischer Druck auf die Cloud-Sicherheit

Die Cloud-Landschaft bleibt anfällig für Fehlkonfigurationen und ungepatchte Systeme. Eine Analyse des Sicherheitsunternehmens Wiz zeigt, dass Angreifer zunehmend schwache Konfigurationen ausnutzen – etwa bei PostgreSQL oder über Persistenzmechanismen wie Cron-Jobs in Redis und Jenkins.

Mit über 1.300 geschlossenen Sicherheitslücken allein im Jahr 2026 raten Experten Unternehmen, das hohe Patch-Aufkommen als festen Betriebskostenfaktor einzuplanen. Microsoft selbst bewirbt verschiedene Bereitstellungsoptionen wie Hotpatching über Azure Arc und den Known Issue Rollback (KIR)-Mechanismus, um den Aufwand zu bewältigen.

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