Microsoft dreht Kurs: Konkurriert jetzt gegen OpenAI und Anthropic
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 12:45 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Microsoft weist sein Vertriebsteam an, kĂĽnftig direkt gegen die eigenen Partner OpenAI und Anthropic zu konkurrieren. Statt auf fremde Spitzenmodelle zu setzen, forciert der Konzern nun eigene Technologien.
Vertrieb auf Konfrontationskurs geschaltet
In einer internen Besprechung am 14. Juli 2026 skizzierten Microsoft-Führungskräfte die Strategie für das Geschäftsjahr 2027. Im Zentrum steht die hauseigene „MAI“-Modellreihe, die als überlegene Alternative zu den Produkten von OpenAI, Anthropic und Google positioniert wird. Die Vertriebsmitarbeiter werden darauf geschult, gezielt auf Schwächen der Konkurrenz hinzuweisen.
Jacob Andreou, ein für den Copilot-Dienst zuständiger Manager, stellte Microsofts Plattform etwa über Anthropics Claude-Modell. Er bezeichnete das Konkurrenzprodukt als langsamer und ungenauer. Zudem fehlten Claude integrierte Sicherheitsfunktionen – ein entscheidender Vorteil für Microsoft. Konzern-Vizepräsident Jay Parikh untermauerte diese Linie: Während andere Unternehmen nur einzelne KI-Komponenten verkauften, biete Microsoft ein komplettes, durchgängiges System.
Der Konzern handelt bereits. In Kernanwendungen wie Word, Excel und Outlook ersetzt Microsoft nach und nach die Modelle von OpenAI und Anthropic durch eigene Versionen. KI-Chef Mustafa Suleyman machte deutlich, dass das Ziel darin bestehe, die hohen Kosten fĂĽr die Nutzung von Anthropics Technologie zu senken und langfristig ganz zu eliminieren.
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Warnung vor Datenverlust und Know-how-Abfluss
CEO Satya Nadella treibt den Strategiewechsel persönlich voran. In einem am 12. Juli veröffentlichten Essay und einem Blogbeitrag vom 16. Juli 2026 warnte er vor den Risiken der aktuellen KI-Partnerschaften. Unternehmen zahlten doppelt: einmal für die Nutzung von KI-Diensten und ein zweites Mal, indem sie ihr eigenes Wissen preisgäben.
KI-Modelle, so Nadella, destillierten im Grunde das institutionelle Know-how aus Nutzerinteraktionen, Eingaben und Korrekturen. Sein Gegenmittel: „souveräne KI“. Organisationen müssten Eigentümer ihrer Daten, Modelle und Infrastruktur bleiben. Diese Sicht teilt auch Palantir-CEO Alex Karp, der ebenfalls kritisiert, dass KI-Labore proprietäre Daten ihrer Kunden abschöpften und gleichzeitig hohe Preise verlangten.
Nadella griff zudem die operativen Einschränkungen der Konkurrenz an. Am 15. Juli 2026 bezeichnete er Anthropics Begrenzungen bestimmter Modellanfragen als unlogisch und redaktionell gesteuert. Er stellte die Frage in den Raum, ob eine Handvoll Unternehmen die Kontrolle über „Token-Kapital“ haben sollte – und warnte vor den Risiken wirtschaftlicher Konzentration im KI-Sektor.
AbkĂĽhlende Partnerschaft und milliardenschwerer Druck
Das angespannte Verhältnis zu OpenAI ist kein Geheimnis mehr. Im April 2026 lockerten beide Seiten ihre Exklusivpartnerschaft: Die Exklusivität fiel, und OpenAI verlor seinen Anteil an bestimmten Erlösen. Zwar hält Microsoft weiterhin 49 Prozent der Gewinnbeteiligung an OpenAI und rund 27 Prozent an dessen gewinnorientiertem Arm – doch die Positionierung als Wettbewerber ist unübersehbar.
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Der Schritt erfolgt unter enormem finanziellen Druck. Microsofts Investitionsausgaben sollen in diesem Geschäftsjahr auf rund 190 Milliarden Euro steigen. Zwar erreicht das KI-Geschäft eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden Euro – ein Plus von 123 Prozent im Jahresvergleich – und der Copilot-Dienst hat die Marke von 20 Millionen bezahlten Nutzern geknackt. Dennoch sind die Microsoft-Aktien 2026 um rund 20 Prozent gefallen.
Um kostenbewusste Kunden zu locken, setzt Microsoft auf die Effizienz seiner kleineren, hauseigenen Modelle. Nadella verwies auf den Konsumgüterkonzern Unilever, der durch den Wechsel auf eine günstigere Microsoft-KI-Plattform angeblich 300 Millionen Euro eingespart habe. Ein weiteres Verkaufsargument: die Sicherheitskompetenz. Im Juli 2026 entdeckte und schloss Microsoft mithilfe von KI rekordverdächtige 570 Sicherheitslücken – darunter zwei aktiv ausgenutzte Zero-Day-Schwachstellen.
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