Microsoft-Patchday, Schwachstellen

Microsoft-Patchday: 1.408 Schwachstellen und eine aktiv angegriffene SharePoint-Lücke

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Oktober-Update behebt 1.408 Schwachstellen; zugleich werden Windows-Shell-Lücken angegriffen und ein Remote-Desktop-Problem gemeldet.
Ein minimalistischer, moderner Flur mit poliertem Betonboden und sanftem, natürlichem Lichteinfall durch Glasfronten. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen des Sicherheits-Patchdays am 13. Oktober 2026 hat Microsoft ein Rekord-Patchset für 1.408 Schwachstellen bereitgestellt. Bei der Aktualisierung handelt es sich um das bislang umfangreichste Update-Paket des Softwarekonzerns. Unter den behobenen Fehlern befindet sich auch eine Sicherheitslücke in SharePoint, die der Konzern zunächst als nicht ausgenutzt eingestuft hatte, die inzwischen jedoch aktiv für Angriffe verwendet wird.

Die Zählungen in der Sicherheitsbranche weichen geringfügig voneinander ab. Während BleepingComputer von 1.411 Lücken berichtet, zählt SecurityWeek 1.413 Schwachstellen. Tenable verzeichnet abweichend 1.407 CVE-Einträge und 69 kritische Lücken.

Laut dem spanischen Sicherheitszentrum INCIBE-CERT umfasst das Bulletin 1.408 Schwachstellen, aufgeteilt in 78 kritische Fehler, 1.329 Einstufungen als hoch und einen Fall mit mittlerem Risiko. Insgesamt stuft Microsoft mindestens 78 Schwachstellen als kritisch ein, darunter 57 Lücken für Remotecodeausführung.

Ursache durch internen KI-Einsatz

Den sprunghaften Anstieg der gemeldeten Fehler führt Microsoft auf ein internes System namens MDASH zurück. Dieses KI-Werkzeug wird seit Mai 2026 für die automatisierte Fehlersuche im Code eingesetzt. Im September-Patchday 2026 waren zum Vergleich 963 CVEs geschlossen worden, im August desselben Jahres 751 Lücken. Laut Satnam Narang von Tenable hat die Zahl der erfassten Schwachstellen im Jahr 2026 damit die Marke von 4.000 überschritten.

Der Großteil der Lücken entfällt mit rund 1.102 Einträgen auf das Windows-Betriebssystem selbst. Zudem betreffen 134 Fehler Office-Komponenten, 61 Entwicklungswerkzeuge, 36 den SharePoint Server und 22 den SQL Server.

Nach Angriffsarten gegliedert entfallen 677 Fälle auf Rechteausweitungen, 317 auf Remotecodeausführung, 254 auf die Offenlegung von Informationen, 73 auf Denial-of-Service-Angriffe, 40 auf Sicherheitsumgehungen sowie 28 auf Spoofing-Attacken.

Aktive Angriffe und Zero-Day-Lücken

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Schwachstelle CVE-2026-96951 in der Windows Shell, die mit einem CVSS-Wert von 8.8 als wichtig bewertet wird und aktiv ausgenutzt wird. Die Lücke erlaubt über eine Command Injection die Umgehung der Schutzfunktion Mark of the Web, wenn Nutzer eine manipulierte Datei oder einen Link öffnen. Betroffen sind Windows 10, Windows 11, Windows Server sowie Outlook.com.

Anzeige

Angesichts der massiven Zunahme von Sicherheitslücken wird ein stabiles System immer wichtiger. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen, wie Sie typische Windows-Fehler ohne IT-Techniker beheben und Ihr System stabil halten. Windows 11 Probleme jetzt selbst lösen

Entdeckt wurde der Fehler von Riku Bamba und Yuya Chudo von Fujitsu, der Entität yhw sowie Benoit Sevens, der das System Claude von Anthropic einsetzte. Die US-Behörde CISA nahm die Schwachstelle am 13. Oktober 2026 in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Sicherheitslücken auf und verpflichtete US-Bundesbehörden zu einem Patch bis zum 16. Oktober 2026.

Zwei weitere Zero-Day-Lücken wurden bereits vor Veröffentlichung der Patches öffentlich bekannt, zeigten nach Unternehmensangaben bislang jedoch keine aktiven Angriffe: CVE-2026-108398 im .NET Framework sowie CVE-2026-92707 in MessagePack-CSharp.

Zu den weiteren kritischen Korrekturen gehören CVE-2026-70242 im Outlook-Lesebereich mit einem CVSS-Wert von 9.8, CVE-2026-21413 in der Windows Raw Image Extension sowie Ausführungsrisiken in Active Directory (CVE-2026-70229) und Exchange Server (CVE-2026-70571).

Empfehlungen für Administratoren und bekannte Probleme

Um Administratoren bei der Einordnung der Datenmenge zu unterstützen, stellte Microsoft einen neuen Ansatz zur Priorisierung vor, auf den IT-Fachkreise bislang gemischt reagierten.

Readiness und Computerworld empfehlen die Priorität einer unverzüglichen Installation für Windows, Office, Exchange und Entwicklertools, während SQL Server nach dem regulären Zeitplan aktualisiert werden könne. Tyler Reguly von Fortra verwies auf 26 Microsoft-Lücken im US-Katalog bekannter Schwachstellen, die vorrangig abgesichert werden sollten.

Anzeige

Wer sich intensiv mit der Absicherung von Microsoft-Anwendungen beschäftigt, sollte auch die Effizienz seiner Arbeitsabläufe im Blick behalten. Entdecken Sie in diesem Gratis-Kurs professionelle Tipps für eine reibungslose Synchronisation und sichere Datenverwaltung. Kostenlosen Outlook-Spezialkurs sichern

Parallel zur Behebung von Sicherheitslücken bringen die Windows-11-Updates KB5127648 und KB5126653 für die Versionen 23H2, 24H2, 25H2 und 26H2 funktionale Anpassungen mit, darunter die freie Belegung der Copilot-Taste und Korrekturen für VPN-Verbindungsfehler aus dem Vormonat.

Seit dem 14. Oktober 2026 ist jedoch ein Fehler bekannt: Bei den Paketen KB5127648 und KB5127646 können Nutzer ohne Administratorrechte unter Umständen keine Remote-Desktop-Verbindungen zu Systemen mit Administrator-Schutz aufbauen.

Microsoft nennt als vorläufige Abhilfe die temporäre Deaktivierung des Administrator-Schutzes. Zudem endet am 10. November die Unterstützung für Windows 11 23H2 Enterprise, Education und IoT Enterprise.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70356875 |