Microsoft-Sammelklage: Investoren werfen Copilot-Betrug vor
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 15:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Investoren werfen dem Konzern vor, den Erfolg seiner KI-Produkte schönzureden. Eine Sammelklage rollt nun den Fall auf.
Der Streit um die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Microsofts Künstlicher Intelligenz eskaliert. Eine Gruppe von Aktionären hat eine Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs eingereicht – mit potenziell milliardenschweren Folgen für den Tech-Riesen aus Redmond. Im Zentrum stehen die Flaggschiff-Produkte Copilot und Azure.
Der Auslöser: Ein Kurseinbruch mit Ansage?
Am 28. Januar 2026 platzte die Blase. Microsofts Aktie stürzte um zehn Prozent ab – von 481,63 auf 433,50 Dollar. Der Auslöser: Die Quartalszahlen für das zweite Geschäftsquartal 2026 enttäuschten die Erwartungen massiv. Statt der prognostizierten Millionen zahlender Copilot-Kunden meldete der Konzern gerade einmal 15 Millionen Premium-Abonnenten. Analysten sprachen von einer „eklatanten Fehleinschätzung des Marktes".
Die Klage, eingereicht beim US-Bezirksgericht für den Westbezirk Washingtons, wirft Microsoft vor, Anleger zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 28. Januar 2026 systematisch getäuscht zu haben. Die Anwaltskanzleien Bleichmar Fonti & Auld LLP und Pomerantz LLP vertreten die Klägerseite.
Zweifelhafte Kennzahlen und ein kritischer Bericht
Die Bilanzen des Konzerns lesen sich auf den ersten Blick solide: 81,3 Milliarden Dollar Gesamtumsatz, davon 51,5 Milliarden aus dem Cloud-Geschäft. Doch die Kehrseite der Medaille: Die Investitionen in KI-Infrastruktur explodierten auf 37,5 Milliarden Dollar – ein Batzen, der die Gewinne schmälerte.
Ein Bericht des Wall Street Journal vom 3. Februar 2026 heizte die Diskussion zusätzlich an. Die Zeitung deckte Funktionsprobleme des KI-Assistenten auf, die bei Investoren für Unruhe sorgten. Die Kläger behaupten, Microsoft habe die tatsächliche Konversionsrate von kostenlosen zu bezahlten Abonnements und die Funktionalität von Copilot bewusst falsch dargestellt.
Betroffene Aktionäre haben bis zum 11. August 2026 Zeit, sich als Hauptkläger zu melden. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen Nr. 26-cv-02071.
Strategiewechsel: Microsoft setzt auf eigene KI-Modelle
Doch der Konzern reagiert. Am 7. Juli 2026 leitete Microsoft einen technologischen Kurswechsel ein. Bestimmte Copilot-Anfragen in Excel und Outlook werden nun nicht mehr an die teuren Modelle von OpenAI weitergeleitet, sondern an die hauseigenen MAI-KI-Modelle.
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Das Ziel: Kosten senken. Die Umstellung betrifft einfache, aber häufige Aufgaben und soll die Kosten pro Anfrage um bis zu 60 Prozent drücken. Für den Nutzer ändert sich nichts – die Anpassung erfolgt serverseitig. Für die Aktionäre ist dieser Schritt jedoch ein Eingeständnis: Die ursprüngliche Kostenstruktur war offenbar nicht nachhaltig.
Ermittlungen zu FĂĽhrungspflichten und SicherheitslĂĽcken
Die juristischen Probleme von Microsoft gehen noch weiter. Die Kanzlei Kahn Swick & Foti, LLC hat eine Untersuchung eingeleitet, ob Vorstandsmitglieder und Führungskräfte ihre Treuepflichten verletzt haben. Der Vorwurf: Microsoft habe kritische Rechenkapazitäten – sowohl CPU als auch GPU – von Azure abgezogen, um Copilot zu unterstützen. Das habe das Cloud-Wachstum ausgebremst.
Rechtsexperten prüfen nun, ob die öffentlichen Aussagen des Managements zur KI-Kapazität und Ressourcenallokation mit der tatsächlichen Lage im Cloud-Geschäft übereinstimmten.
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Und auch die Sicherheit von Copilot sorgte für Schlagzeilen. Eine kritische Schwachstelle mit der Kennung CVE-2026-42824 in Microsoft 365 Copilot Enterprise Search hätte Angreifern ermöglichen können, Daten durch einen komplexen dreistufigen Injektionsangriff zu stehlen. Microsoft hat das Problem inzwischen behoben – der Vorfall zeigt jedoch, wie anfällig die KI-Plattform noch ist.
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