Microsoft schließt 570 Lücken: Rekord-Sicherheitsupdate am 14. Juli
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 06:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern bringt Copilot-Funktionen auch in die klassische Outlook-Version und bereitet gleichzeitig den Abschied von altbekannten Features vor.
Microsoft verfolgt bei seinen E-Mail-Clients einen Zwei-Gleise-Kurs: Während der Konzern die Nutzer zur neuen Outlook-Architektur drängt, erhalten auch die Classic-Nutzer Zugriff auf moderne KI-Funktionen. Bis Ende 2026 soll die Copilot-Funktion „E-Mail-Entwurf" in allen Outlook-Versionen standardmäßig aktiviert sein – vorausgesetzt, der Nutzer besitzt eine entsprechende Lizenz.
KI-Features für alle – gegen Aufpreis
Die „E-Mail-Entwurf"-Funktion von Copilot ermöglicht das Generieren, Umschreiben und Erweitern von Nachrichten. Sie benötigt ein Microsoft-365-Copilot-Abonnement – eine Voraussetzung, die seit April 2026 bereits für Word, Excel und PowerPoint gilt. Der Rollout soll bis Jahresende abgeschlossen sein.
Gleichzeitig verabschiedet sich Microsoft von der Meeting Insights-Funktion, die seit 2020 Dokumente und Anhänge in Kalendereinträgen anzeigte. Anfang September 2026 wird sie eingestellt. Die Nachfolgelösung „Prepare for this meeting" setzt auf Copilot – und damit auf das kostenpflichtige Abo für rund 30 Euro pro Monat. Was bisher kostenlos war, wird zur Lizenzfrage.
Zwei Welten unter einem Dach
Die „New Outlook" für Windows basiert auf einer völlig anderen Architektur als der klassische Client. Microsoft drängt die neue Version als Standard, doch Classic Outlook bleibt mindestens bis 2029 unterstützt. Für spezielle Umgebungen wie GCC High und Verteidigungsbehörden beginnt die Migration im September 2026 auf freiwilliger Basis.
Die Unterschiede zwischen den Versionen sind technisch spürbar:
- PST-Archive: Classic Outlook bleibt erste Wahl für Nutzer mit großen lokalen Datenarchiven – die neue Version hat hier noch Schwierigkeiten
- Leistungsprobleme: Microsoft arbeitet an einem Fix, wenn das Öffnen von E-Mails über Windows-11-Benachrichtigungen bis zu zehn Sekunden länger dauert
- Support-Enden: Office 2016 und 2019 erhielten seit Oktober 2025 keine Sicherheitsupdates mehr. Office 2021 folgt am 13. Oktober 2026, Office 2024 ist noch bis Oktober 2029 abgesichert
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Rekordverdächtiges Sicherheitsupdate
Der Juli 2026 geht in die Microsoft-Geschichte ein: Am 14. Juli schloss der Konzern 570 Sicherheitslücken, darunter 16 kritische Schwachstellen für Remote-Code-Ausführung. Zum Einsatz kam das KI-gestützte Tool MDASH. Insgesamt hat Microsoft zwischen Januar und Juli 2026 bereits 1.308 Schwachstellen behoben – fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum (680).
Ein außerplanmäßiges Notfall-Update (KB5121767) folgte zwischen dem 18. und 19. Juli. Es behebt einen Konflikt zwischen dem Intel-IPF-Treiber und aktuellen Dell-Modellen der Precision-, XPS- und Pro-Max-Reihen.
Aufschub für Administratoren
IT-Administratoren, die Exchange Online betreuen, können aufatmen: Microsoft verschiebt die Abschaffung des -Credential-Parameters im Exchange-Online-PowerShell-Modul auf Dezember 2026. Damit bleibt mehr Zeit für die Migration von veralteten ROPC-Authentifizierungsverfahren auf moderne Methoden wie zertifikatsbasierte oder verwaltete Identitätssysteme.
Neue Bedrohungen im E-Mail-Umfeld
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Während Microsoft seine Clients modernisiert, warnen Sicherheitsexperten vor zunehmend ausgefeilten Angriffen. Zwischen Ende April und Mitte Juni 2026 beobachtete Microsoft eine Welle der „ACR Stealer"-Malware. Diese Weiterentwicklung des Amatera-Stealers nutzt „ClickFix"-Phishing-Taktiken: Nutzer werden dazu gebracht, schädliche Befehle manuell in ihre Systeme zu kopieren. Ziel ist der Diebstahl von Passwörtern, Sitzungstoken und Dokumenten.
Zudem schlossen die Juli-Updates aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken in SharePoint Server (CVE-2026-32201, CVE-2026-45659, CVE-2026-56164). Die Schwachstellen ermöglichen Angreifern, Authentifizierungen zu umgehen und IIS-Maschinen-Schlüssel für dauerhaften Zugriff zu stehlen. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat die Lücken in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen.
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