Microsoft Texas: 2,67-Gigawatt-Kraftwerk für KI-Rechenzentren
24.06.2026 - 12:13:49 | boerse-global.de
Gleich zwei Großprojekte in Texas und Wisconsin markieren einen strategischen Wendepunkt für das Unternehmen.
Texas: Eigenes Gaskraftwerk umgeht das Stromnetz
Microsoft setzt auf radikale Unabhängigkeit. In der Nähe von Pecos, Texas, hat der Konzern gemeinsam mit Chevron einen 20-Jahres-Stromliefervertrag unterzeichnet. Das Herzstück des Projekts namens "Kilby": ein 2,67 Gigawatt starkes Gaskraftwerk, das direkt auf dem Campus-Gelände gebaut wird.
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Die Anlage versorgt rund 2 Gigawatt Rechenzentrumskapazität – und zwar ohne Umweg über das öffentliche ERCOT-Stromnetz. Möglich macht das eine sogenannte "Behind-the-Meter"-Konfiguration: Der Strom wird dort erzeugt, wo er auch verbraucht wird. Chevron-Tochter Energy Forge One baut und betreibt das Kraftwerk gemeinsam mit Engine No. 1.
Die Kosten? Analysten von TD Securities schätzen sie auf umgerechnet rund 8,3 Milliarden Euro. Die endgültige Investitionsentscheidung soll noch 2026 fallen.
Sieben GE-Vernova-Turbinen und weitere Anlagen von Solar Turbines liefern die Energie. Umweltaspekte bleiben nicht außen vor: Das Kraftwerk nutzt salzhaltiges Grundwasser statt Trinkwasser und verfügt über Stickoxid-Reduktionssysteme.
Der Bau des Campus soll fünf bis sieben Jahre dauern. Erster Strom fließt voraussichtlich 2028. Microsoft rechnet mit 6.000 Baujobs und Steuereinnahmen von über neun Milliarden Euro für den Staat und die Kommunen.
Wisconsin: Vom Foxconn-Flop zum Microsoft-Standort
Parallel dazu hat Microsoft sein erstes Rechenzentrum in Mount Pleasant, Wisconsin, in Betrieb genommen. Die Anlage mit dem Namen "Fairwater" läuft seit April 2026. Sie ist der erste Teil eines Investitionspakets von rund 4,3 Milliarden Euro, das bis 2028 umgesetzt werden soll.
Die Dimensionen des Baus sind beeindruckend: 26,5 Millionen Pfund Stahl, 193 Kilometer Kabel und 75 Kilometer Trägerpfähle wurden verbaut. Aktuell arbeiten 550 Mitarbeiter am Standort.
Ein zweites Rechenzentrum ist bereits im Bau – auf einem Gelände, das ursprünglich für eine gescheiterte Foxconn-Fabrik vorgesehen war. Wenn der zweite Bau 2028 fertig wird, soll die Belegschaft auf rund 800 Mitarbeiter wachsen. Die lokalen Behörden haben bereits grünes Licht für bis zu 15 Rechenzentren am Standort gegeben.
Strategie: Warum Microsoft diesen Weg geht
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Die beiden Projekte zeigen eine klare Marschrichtung: Microsoft sichert sich eigene Energiequellen und eigene Baukapazitäten, um den explodierenden Bedarf an KI-Rechenleistung zu decken. Der Konzern will nicht länger auf überlastete Stromnetze und langwierige Genehmigungsverfahren warten.
Während andere Tech-Riesen ebenfalls massiv investieren, geht Microsoft mit dem Texas-Projekt einen besonders radikalen Schritt: Ein eigenes Gaskraftwerk in dieser Größenordnung ist selbst für die Branche außergewöhnlich. Kritiker warnen vor den CO?-Emissionen – doch Microsoft setzt auf moderne Abgasreinigung und nicht-trinkwasserbasierte Kühlung.
Ob sich das Modell durchsetzt? Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Strategie der Energie-Autarkie Schule macht – oder ob regulatorische Hürden und Umweltauflagen den Weg versperren.
