Microsoft unter Druck: Sammelklagen wegen KI-Täuschung bis 11. August
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 18:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern Microsoft steht vor einem juristischen Scherbenhaufen: Aktionäre klagen wegen angeblicher Täuschung bei KI-Prognosen, in Großbritannien drohen Milliardenforderungen. Die Frist für den Beitritt zur US-Sammelklage endet am 11. August.
US-Sammelklage: Anleger werfen Microsoft Täuschung vor
Die Vorwürfe wiegen schwer: Zwischen Mai 2025 und Januar 2026 soll Microsoft Anleger mit übertriebenen Angaben zum Erfolg seines KI-Assistenten Copilot und zur Kapazität der Azure-Cloud in die Irre geführt haben. Die Klage wirft dem Konzern vor, die tatsächliche Nachfrage und die Leistungsfähigkeit der eigenen KI-Produkte geschönt zu haben.
Der Kollaps kam am 28. Januar 2026 – dem Tag der Quartalszahlen. Während Microsoft zuvor von starker Akzeptanz seiner generativen KI-Tools gesprochen hatte, offenbarte der Bericht eine ernüchternde Diskrepanz: Nur 15 Millionen zahlende Copilot-Nutzer standen einer kommerziellen Nutzerbasis von 450 Millionen gegenüber. Die Börse reagierte prompt – der Aktienkurs fiel um rund zehn Prozent.
Hinzu kommt ein massiver Anstieg der Investitionsausgaben. Allein im zweiten Quartal gab der Konzern 37,5 Milliarden Dollar für Kapitalausgaben aus. In der ersten Jahreshälfte summierten sich die Ausgaben auf 72,4 Milliarden Dollar – fast so viel wie im gesamten Geschäftsjahr 2025 mit 88,2 Milliarden Dollar. Dazu gesellten sich Berichte über Engpässe bei der Azure-Kapazität.
Britische Lizenzstreitigkeiten: Milliardenforderungen drohen
Doch nicht nur in den USA braut sich Ungemach zusammen. Vor dem britischen Competition Appeal Tribunal laufen zwei Verfahren gegen Microsofts Lizenzpraktiken. Die Fälle könnten den Konzern teuer zu stehen kommen.
Der erste Fall: Die Firma ValueLicensing fordert umgerechnet rund 315 Millionen Euro. Sie wirft Microsoft vor, den Weiterverkauf von Lizenzen für überschüssige Office-Software unzulässig eingeschränkt zu haben. Der zweite Fall ist ein Sammelverfahren: Ein Vertreter namens Wolfson klagt im Namen von mehr als zwei Millionen britischen Kunden – die Forderung liegt zwischen 1,5 und 4 Milliarden Euro.
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Im Juli scheiterte Microsoft vor dem Berufungsgericht mit dem Versuch, Teile der Urteile anzufechten. Ein Gang vor den Supreme Court bleibt zwar möglich, doch der Zeitplan ist eng: Für den 14. September sind Anhörungen zum ValueLicensing-Fall angesetzt, einen Tag später folgt die Verhandlung zum Wolfson-Verfahren.
Regulatorischer Gegenwind: Windows 11 als Wettbewerbsinstrument?
Die juristischen Probleme reißen nicht ab. In einer aktuellen Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC räumte Microsoft ein, Windows 11 gezielt zur Bewerbung eigener Dienste wie dem Edge-Browser, der Suchmaschine Bing und Copilot zu nutzen. Kritiker sehen darin einen Versuch, den Wettbewerb im Browsermarkt auszuhebeln.
Die Browser Choice Alliance – unterstützt von Konkurrenten wie Google, Opera und Vivaldi – geißelt die Praxis als wettbewerbsschädigend. Auch in anderen Bereichen bröckelt Microsofts Position: LinkedIn verlor kürzlich seine Ausnahme von bestimmten Nachrichten-Medienverhandlungsgesetzen – ein Erfolg von Lobbyarbeit konkurrierender Branchenvertreter.
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Hoffnungsschimmer am Horizont
Ganz düster ist die Lage jedoch nicht. Microsoft investiert weiter massiv in die Zukunft: Bei einem Treffen zwischen CEO Satya Nadella und dem australischen Premierminister Anthony Albanese im Mai 2026 wurde ein 25-Milliarden-Dollar-Projekt für KI-Infrastruktur in Australien besprochen. Und ein Urteil des Ninth Circuit Court of Appeals vom 4. August könnte langfristig positive Auswirkungen haben: Das Gericht entschied im Fall Perplexity AI, dass die Entwicklung von Webbrowsern nicht gegen den Computer Fraud and Abuse Act verstößt. Bürgerrechtler wie die Electronic Frontier Foundation werten das Urteil als wichtiges Signal für die gesamte Technologiebranche.
