Midnight, Mimosa

Midnight Mimosa: Malware steckt vorinstalliert in Android-Handys aus 150 LĂ€ndern

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 19:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die vorinstallierte Schadsoftware blieb auf Tausenden GerĂ€ten in ĂŒber 150 LĂ€ndern nach Werksreset und App-Deinstallation bestehen.
Ein abstraktes Geflecht aus leuchtenden Glasfaserkabeln in einem dunklen, industriellen Serverraum. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsforscher des IT-Sicherheitsunternehmens Bitdefender haben eine vorinstallierte Firmware-Malware namens Midnight Mimosa aufgedeckt. Die Schadsoftware, deren Kernkomponente unter der Bezeichnung com.android.system.lite agiert, wurde ĂŒber einen Beobachtungszeitraum von rund zwei Jahren auf Tausenden preisgĂŒnstigen Android-GerĂ€ten mit MediaTek-Plattform in ĂŒber 150 LĂ€ndern identifiziert.

Tiefe Verankerung im Betriebssystem

Da die Malware mit einem Plattform-Zertifikat digital signiert ist, erlangt sie weitreichende Systemrechte und umgeht die Sicherheitsmechanismen des Android-Betriebssystems. Midnight Mimosa befindet sich bereits vor dem ersten Einschalten durch den KĂ€ufer direkt in der Firmware. Herkömmliche App-Deinstallationen entfernen die Komponente nicht, und auch ein ZurĂŒcksetzen auf die Werkseinstellungen bleibt wirkungslos.

Technisch nutzt der Schadcode die native Bibliothek libeasy.so, um ĂŒber das RC4-Verfahren ein verborgenes Java-Framework zu entpacken. Über ein modulares Plugin-System werden anschließend DEX- und JAR-Dateien von Command-and-Control-Servern nachgeladen. Neben com.android.system.lite identifizierte Bitdefender weitere Systemkomponenten namens com.android.sys.prot und com.android.sys.gmsprot sowie ein Proxy-Modul mit der Bezeichnung EnLoaderLib.

Manipulationen und Tarnung

Die Schadsoftware ist in der Lage, eigenstĂ€ndig Apps ohne Interaktion der Nutzer zu installieren oder zu löschen, Berechtigungen zu vergeben und externen Code auszufĂŒhren.

Um PrĂŒfungen durch Google Play Protect zu umgehen, deaktiviert die Malware den Google Play Store vor der Installation einer Payload und schaltet ihn im Anschluss wieder ein. Obwohl Berechtigungen fĂŒr Bedienungshilfen (Accessibility), Benachrichtigungen und SMS vorliegen, wurden diese wĂ€hrend der Analysephase nicht aktiv ausgenutzt.

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Als Monetarisierungsmodelle dienen Klick- und Werbebetrug sowie die Nutzung der infizierten GerÀte als Residential-Proxy-Relais. Bitdefender bestÀtigte eine Proxy-Komponente mit Zwei-Wege-TCP-Tunneln, konnte im Testzeitraum jedoch keine tatsÀchliche Weiterleitung von Datenverkehr feststellen.

Flankierend wurden mindestens 32 getarnte Apps derselben Familie dokumentiert, die sich als Werkzeuge wie Wetter-Apps, App-Locker, Dateimanager, Icon-Anpasser, Text-Scanner oder Audio-Editoren ausgaben. 13 Anwendungen mit identischem Code fanden sich im Google Play Store, verteilt ĂŒber mindestens zwei Entwicklerkonten und 13 Zertifikate, die auf denselben Server verwiesen.

Betroffene GerÀte und Lieferkette

Betroffen sind Budget-Smartphones von Herstellern wie Doogee und Cubot sowie gefĂ€lschte Flaggschiff-GerĂ€te, die unter irrefĂŒhrenden Bezeichnungen bekannter Reihen wie Galaxy, iPhone oder Honor auf gĂŒnstiger MediaTek-Hardware basieren.

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Die meisten Fundstellen registrierte Bitdefender in Mexiko, gefolgt von Frankreich, Italien, den USA, Deutschland, Brasilien und Spanien. Diese Erhebungen stellen absolute Fundstellen dar und bilden keinen relativen Infektionsanteil ab.

Ein Teil der Zertifikate ist dem Hersteller Shenzhen Zediel (Zedi Technology) zugeordnet. Eine direkte Beteiligung des Unternehmens ist jedoch nicht bewiesen, und der genaue Einschleusungspunkt in der Lieferkette wurde nicht identifiziert. Bitdefender zog Parallelen zur frĂŒheren Kampagne BADBOX 2.0, bei der ĂŒber eine Million GerĂ€te betroffen waren.

Eine Bereinigung der betroffenen Telefone ist nur durch das Aufspielen eines sauberen Firmware-Images oder das Deaktivieren ĂŒber die Android Debug Bridge (ADB) möglich. Laut Bitdefender sind solche Eingriffe fĂŒr die meisten Besitzer unrealistisch. IT-Sicherheitsexperten raten vor diesem Hintergrund vom Erwerb unbekannter oder gefĂ€lschter Mobiltelefone ab.

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