MigrÀne: Frauen sind dreimal hÀufiger betroffen als MÀnner
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kopfschmerzen und MigrĂ€ne stellen nach aktuellem Forschungsstand ein hochgradig individuelles Krankheitsbild dar, das differenzierte medizinische Betrachtungsweisen erfordert. Da die AusprĂ€gung und die Triggerfaktoren von Patient zu Patient stark variieren, rĂŒcken personalisierte Diagnose- und BehandlungsansĂ€tze verstĂ€rkt in den Fokus der Wissenschaft und der medizinischen Praxis.
Belastung bei Jugendlichen und Bedeutung der Selbstbeobachtung
Ein aktueller Sozial-Media-Report der Techniker Krankenkasse (TK) mit dem Titel âJugend zwischen Like und Limitâ verdeutlicht die Verbreitung des Krankheitsbildes bereits in jungen Jahren.
Einer reprĂ€sentativen Online-Umfrage zufolge leiden 23 % der befragten Jugendlichen in Norddeutschland â umfasst sind die BundeslĂ€nder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen â hĂ€ufig oder stĂ€ndig unter Kopfschmerzen oder MigrĂ€ne.
Die Landesvertretung Hamburg der TK rĂ€t bei regelmĂ€Ăig auftretenden starken Attacken dringend zu einer Ă€rztlichen AbklĂ€rung. Um potenzielle Auslöser wie grelles Licht, LĂ€rm, Lernstress oder eine hohe Bildschirmzeit zu identifizieren, wird der Einsatz von SchmerztagebĂŒchern oder speziellen MigrĂ€ne-Apps empfohlen.
Solche Aufzeichnungen ĂŒber mehrere Wochen hinweg können wichtige Daten zu Zeitpunkt, Dauer, StĂ€rke sowie zu Schlafmustern, Mahlzeiten und dem Konsum von Koffein oder Alkohol liefern.
Geschlechterunterschiede im Kopfschmerz- und MigrÀne-Report 2026
Der Kopfschmerz- und MigrĂ€ne-Report 2026, fĂŒr den mehr als 3.000 Betroffene befragt wurden, legt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede offen. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines PressegesprĂ€chs durch PD Dr. Charly Gaul prĂ€sentiert. Demnach sind Frauen nach der PubertĂ€t etwa dreimal hĂ€ufiger von MigrĂ€ne betroffen als MĂ€nner.
Auch die Symptomatik unterscheidet sich signifikant: WĂ€hrend 33 % der Frauen unter Ăbelkeit leiden, sind es bei den MĂ€nnern 21 %. Lichtempfindlichkeit wird von 50 % der Frauen und 38 % der MĂ€nner berichtet, LĂ€rmempfindlichkeit von 47 % gegenĂŒber 37 %.
Frauen geben zudem eine stĂ€rkere körperliche EinschrĂ€nkung an: 45 % empfinden diese als stark oder eher stark, wĂ€hrend dieser Wert bei MĂ€nnern bei 37 % liegt. Ein wesentlicher Faktor bei Frauen ist der hormonelle Zyklus. Vier von zehn Betroffenen berichten ĂŒber hĂ€ufige MigrĂ€neattacken kurz vor der Menstruation, mehr als ein Drittel wĂ€hrenddessen.
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Ein soziales Problem stellt die Wahrnehmung der Erkrankung dar. Mehr als 50 % der betroffenen MĂ€nner nehmen MigrĂ€ne in ihrem Umfeld als âFrauenkrankheitâ wahr, und fast ein Drittel der MĂ€nner fĂŒhlt sich mit ihren Beschwerden weniger ernst genommen.
Externe Trigger und posttraumatische Kopfschmerzen
Neben individuellen und hormonellen Faktoren untersuchen Forscher auch die Rolle von UmwelteinflĂŒssen. Eine Studie des Kopfschmerzzentrums Policlinico Gemelli in Rom analysierte klinische Daten von 1.742 MigrĂ€nepatienten aus einer Notaufnahme in Korrelation mit Wetterparametern.
Die Auswertungen zeigen, dass Temperaturanstiege innerhalb von 24 bis 48 Stunden sowie VerĂ€nderungen des Luftdrucks und der Luftfeuchtigkeit zu einem erhöhten Patientenaufkommen fĂŒhrten. Die Forscher stellen die Hypothese auf, dass diese Wetterparameter die neuronale Erregbarkeit des trigeminovaskulĂ€ren Systems beeinflussen könnten.
Ein weiteres Feld ist der posttraumatische Kopfschmerz. Eine Studie mit 218 Erwachsenen, die zwei bis vier Monate zuvor eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten hatten, zeigte, dass 88 % einen migrÀneartigen PhÀnotyp entwickelten. Dabei war die MigrÀne ohne Aura mit 38 % die hÀufigste Kategorie.
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Die Betroffenen berichteten in 94 % der FĂ€lle von mĂ€Ăigen bis starken Schmerzen, wobei 78 % an mindestens 15 Tagen pro Monat unter Beschwerden litten. AuffĂ€llig war die medikamentöse Versorgung: WĂ€hrend 88 % Nicht-Opioid-Schmerzmittel nutzten, oft mit geringem Nutzen, erhielten nur 4 % Triptane, obwohl diese bei 75 % der Anwender eine positive Wirkung zeigten.
PrÀvention und medikamentöse Leitplanken
In Deutschland wird die Zahl der Betroffenen auf rund 18 Millionen geschĂ€tzt. Fachleute, unter anderem vom UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg (UKW), betonten im Rahmen von Fachveranstaltungen im Juni 2026 die Bedeutung interdisziplinĂ€rer AnsĂ€tze. Diese reichen von Physiotherapie ĂŒber medikamentöse AufklĂ€rung bis hin zu Entspannungstechniken wie Lachyoga.
Zur Vorbeugung wird ein regelmĂ€Ăiger Schlafrhythmus von sieben bis neun Stunden empfohlen. Zudem könne regelmĂ€Ăige körperliche Bewegung von 20 bis 30 Minuten an mehreren Tagen pro Woche die HĂ€ufigkeit der Attacken senken.
Ein kritischer Aspekt bleibt der MedikamentenĂŒbergebrauch: KombinationsprĂ€parate, Triptane und Opioide sollten an nicht mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden. FĂŒr einfache Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder ASS liegt die kritische Grenze bei 15 Tagen pro Monat. Ein möglicher Nutzen wird zudem der Einnahme von Magnesium bei MigrĂ€ne zugeschrieben.
