Mikrobiom, Antibiotika

Mikrobiom nach Antibiotika: Die Erholung kann bis zu sechs Monate dauern

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 05:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Probiotika, ballaststoffreiche Kost und die Erforschung von Argyrin B sollen Darmbakterien wĂ€hrend und nach Antibiotikakuren unterstĂŒtzen.
Nahaufnahme von jungen, grĂŒnen Keimlingen, die aus dunkler, nĂ€hrstoffreicher Erde wachsen und den Prozess der Regeneration symbolisieren. Illustration mit AI erstellt.

Antibiotika zÀhlen zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin, belasten jedoch hÀufig das bakterielle Gleichgewicht im Verdauungstrakt. Eine therapeutische Behandlung kann die Vielfalt der Darmbakterien um bis zu 30 Prozent verringern.

Bis sich das Mikrobiom, das rund 38 Billionen Mikroorganismen umfasst und bis zu zwei Kilogramm wiegen kann, vollstÀndig erholt, vergehen nach vorliegenden Untersuchungen oft zwei bis sechs Monate.

Zudem entwickeln laut wissenschaftlichen Arbeiten bis zu 30 Prozent der Behandelten eine sogenannte Antibiotika-assoziierte Diarrhö. Vor diesem Hintergrund gewinnen AnsÀtze zur Begleitung und Regeneration der Darmflora an Bedeutung.

Gezielte Gabe von Probiotika und EinnahmeabstÀnde

Im Mittelpunkt vieler prĂ€ventiver und therapeutischer Strategien steht die Verabreichung probiotischer StĂ€mme. Eine Cochrane-Metaanalyse weist insbesondere fĂŒr Lactobacillus rhamnosus GG und die Arzneihefe Saccharomyces boulardii eine belegte Wirksamkeit bei der Reduktion von antibiotikaassoziierten DurchfĂ€llen bei Kindern aus, wobei Dosierungen zwischen 5 und 40 Milliarden koloniebildenden Einheiten pro Tag untersucht wurden.

Fachgesellschaften wie die EuropĂ€ische Gesellschaft fĂŒr pĂ€diatrische Gastroenterologie, Hepatologie und ErnĂ€hrung empfehlen bei Kindern, bakterielle Probiotika mit einem zeitlichen Abstand von zwei Stunden zum Antibiotikum zu verabreichen und die Gabe ĂŒber sieben bis 14 Tage nach Behandlungsende fortzufĂŒhren.

Bei bakteriellen PrĂ€paraten ist dieser zeitliche Abstand entscheidend, da das verabreichte Medikament die nĂŒtzlichen Bakterien sonst direkt inaktivieren kann.

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Anders verhÀlt es sich bei Hefepilzen: Der Stamm Saccharomyces boulardii CNCM I-745 wird durch Antibiotika nicht beeintrÀchtigt und kann daher gleichzeitig eingenommen werden. Das Pharmaunternehmen Medice setzt diesen Hefestamm in Kombination mit Vitamin C und D im NahrungsergÀnzungsmittel Perenterol Protect ein.

Das PrĂ€parat ist fĂŒr Erwachsene sowie Kinder ab zwei Jahren konzipiert und wird fĂŒr eine Dauer von mindestens zehn Tagen bis zu zwei Wochen nach Abschluss der Antibiotika-Gabe empfohlen. Die Hefe verbleibt dabei nicht dauerhaft im Körper, sondern wird drei bis fĂŒnf Tage nach Beendigung der Einnahme wieder ausgeschieden.

Allgemeine Empfehlungen fĂŒr Probiotika-Dosierungen wĂ€hrend einer Antibiotikatherapie bewegen sich hĂ€ufig zwischen 10 und 20 Milliarden aktiven Einheiten tĂ€glich, wobei die Auswahl gezielt auf StĂ€mme mit vollstĂ€ndiger wissenschaftlicher Kennzeichnung und veröffentlichter Studienlage fallen sollte.

ErnÀhrung, PrÀbiotika und postbiotische Stoffe

Neben lebenden Mikroorganismen spielt die nutritive UnterstĂŒtzung der verbleibenden Bakterien eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau. PrĂ€biotische Ballaststoffe dienen den nĂŒtzlichen Darmbewohnern als Nahrungsgrundlage. Dazu zĂ€hlen Inulin und Oligosaccharide, die natĂŒrlicherweise in Zichorien, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Spargel, HĂŒlsenfrĂŒchten und Bananen vorkommen.

Auch frische Sprossen liefern wertvolle Pflanzenstoffe; so weisen Brokkoli-Sprossen eine besonders hohe Konzentration an Sulforaphan auf. WĂ€hrend der Erholungsphase raten Fachleute zudem zu einer leichten Kost und ausreichender FlĂŒssigkeitszufuhr, wĂ€hrend stark verarbeitete Lebensmittel, raffinierter Zucker und ĂŒbermĂ€ĂŸiger Konsum von rotem Fleisch gemieden werden sollten.

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Wer sich mit der Darmgesundheit befasst, sollte auch das Risiko fĂŒr stille EntzĂŒndungen kennen, die oft durch falsche ErnĂ€hrung befeuert werden. Dieser kostenlose Selbsttest verrĂ€t, ob Ihr Körper heimlich unter EntzĂŒndungen leidet – und welche Lebensmittel als natĂŒrliche Schmerzmittel wirken. Kostenlosen ErnĂ€hrungs-Ratgeber inkl. Selbsttest anfordern

Zunehmend rĂŒcken auch Postbiotika in den Fokus. Nach Definition der International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics handelt es sich dabei um inaktivierte Mikroorganismen oder deren Bestandteile, die gesundheitliche Vorteile bieten. Dazu gehören kurzkettige FettsĂ€uren wie Butyrat, Acetat und Propionat sowie Enzyme und Peptide, die im Vergleich zu lebenden Kulturen eine höhere StabilitĂ€t aufweisen.

Neue AnsÀtze zur Vermeidung von SchÀden

Parallel zur klassischen NahrungsergĂ€nzung erforscht die Wissenschaft neue Wege, um Infektionen durch resistente Erreger zu verhindern, die nach Antibiotika-Kuren auftreten können. Das Helmholtz-Institut fĂŒr Infektionsforschung untersucht hierfĂŒr unter anderem den Naturstoff Argyrin B aus Bodenbakterien.

Im Labor und Tiermodell bekĂ€mpft die Substanz gezielt den Erreger Clostridioides difficile – eine der Hauptursachen schwerer antibiotikaassoziierter DurchfĂ€lle –, wĂ€hrend das ĂŒbrige Mikrobiom weitgehend geschont wird.

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