MikronÀhrstoffmangel, DSV

MikronÀhrstoffmangel: DSV beziffert die SchÀden auf bis zu 3 Prozent des BIP

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DSV beziffert die jÀhrlichen SchÀden durch MikronÀhrstoffmangel auf bis zu drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

NĂ€hrstoffarme Agrarerzeugnisse verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten
Ein weitlÀufiges, trockenes Ackerfeld mit sprödem Boden zwischen jungen Weizenhalmen, das die nachlassende BodenqualitÀt verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Mangelnde NÀhrstoffe in Agrarerzeugnissen belasten nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern ziehen auch erhebliche volkswirtschaftliche SchÀden nach sich. Einer Untersuchung der Innovationsorganisation Deep Science Ventures (DSV) zufolge kosten MikronÀhrstoffmÀngel Staaten jÀhrlich bis zu 3 % ihres Bruttoinlandsprodukts.

Verantwortlich dafĂŒr seien vor allem ProduktivitĂ€tsverluste sowie steigende Ausgaben im Gesundheitssystem. Die Analyse baut auf dem DSV-Bericht „Hollow Harvests“ auf, der den schleichenden NĂ€hrstoffverlust in grundlegenden Nutzpflanzen ĂŒber die vergangenen Jahrzehnte detailliert nachzeichnet.

Massiver NÀhrstoffverlust trotz steigender ErnteertrÀge

Historische Lebensmitteldaten und Ernteaufzeichnungen belegen einen kontinuierlichen RĂŒckgang der Inhaltsstoffe. Analysen von Weizenproben aus einem Zeitraum von 160 Jahren zeigen sinkende Mineral- und Proteingehalte. Seit den 1960er-Jahren haben zahlreiche Nutzpflanzen bis zu 50 % mehrerer wichtiger NĂ€hrstoffe eingebĂŒĂŸt.

Lebensmittel wie Brot, Getreide, Karotten, Äpfel und Erbsen weisen heute zwischen 20 % und 50 % weniger bestimmter NĂ€hrstoffe auf. Um die gleiche Menge an Kalium, Magnesium oder Kupfer aufzunehmen, mĂŒssen Verbraucher teilweise die doppelte Menge an Obst und GemĂŒse verzehren.

Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den agrarwirtschaftlichen ProduktivitÀtssteigerungen: Die GetreideertrÀge je Hektar stiegen seit den 1960er-Jahren um 215 %.

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Zwar sank die Quote der UnterernĂ€hrung in EntwicklungslĂ€ndern im selben Zeitraum von 35 % auf 12 %, dennoch leiden weltweit ĂŒber 2 Milliarden Menschen an mindestens einem klinischen MikronĂ€hrstoffmangel. Als Hauptursachen fĂŒr diese Entwicklung nennt die Organisation die sinkende BodenqualitĂ€t sowie eine einseitige ZĂŒchtung auf Ertragsmaximierung.

Zunehmende Risiken fĂŒr Gesundheit und Versorgung

Klimatische VerĂ€nderungen und verĂ€ndertes Konsumverhalten drohen die Lage weiter zu verschĂ€rfen. Steigende CO?-Werte könnten bis Mitte des Jahrhunderts dazu fĂŒhren, dass der Proteingehalt im Weizen um bis zu 12,7 % und der Zinkgehalt um 36,5 % sinken. Bereits jetzt erreicht weniger als ein Drittel der seit den 1960er-Jahren eingefĂŒhrten Brotweizensorten den empfohlenen Zinkwert.

Bei Selen zeigen sich Ă€hnliche Defizite: Vier Scheiben Vollkornbrot liefern Frauen lediglich ein Drittel der empfohlenen Tagesmenge. Laut Richtlinien des britischen Gesundheitsdienstes NHS benötigen erwachsene MĂ€nner tĂ€glich rund 75 ”g Selen, wĂ€hrend fĂŒr Frauen rund 60 ”g empfohlen werden.

Der Orientierungswert fĂŒr Kalium liegt bei rund 3.500 mg pro Tag. Eine unzureichende Kaliumaufnahme kann das Schlaganfallrisiko um bis zu 21 % erhöhen. Allein in Großbritannien belaufen sich die jĂ€hrlichen Kosten durch SchlaganfĂ€lle auf rund 26 Milliarden Pfund.

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ZusĂ€tzliche Dynamik entsteht durch neue Medikamente. Bis zum Jahr 2030 könnten GLP-1-PrĂ€parate in LĂ€ndern mit hohem Einkommen ĂŒber 100 Millionen Nutzer erreichen.

Da diese Mittel die Nahrungsaufnahme um bis zu 39 % reduzieren können, warnt DSV vor VersorgungsengpĂ€ssen: Die Kombination aus nĂ€hrstoffĂ€rmeren Lebensmitteln und verringerter Kalorienaufnahme könnte rund 5 Millionen britische Erwachsene im Erwerbsalter unter die sicheren Schwellenwerte fĂŒr Vitamine und Mineralstoffe drĂŒcken.

Forderungen nach verÀnderten Messstandards

Angesichts fortschreitender Bodendegradation, steigender CO?-Konzentrationen und der ertragsorientierten Landwirtschaft mahnt DSV ein Umdenken an. Die Organisation empfiehlt die EinfĂŒhrung einer nationalen NĂ€hrstoffĂŒberwachung und fordert, den NĂ€hrstoffgehalt kĂŒnftig als festen Parameter neben dem reinen Ertrag zu erfassen.

Zudem seien bodenschonende Anbaumethoden und gezielte Maßnahmen zur Wiederherstellung der Bodengesundheit notwendig. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Nachholbedarf bei der statistischen Erfassung: So wurden die britischen Referenzdaten fĂŒr Lebensmittel im Bereich Obst und GemĂŒse zuletzt im Jahr 1991 umfassend ĂŒberarbeitet.

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