Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Ausgefuchste Taktik: Spinne katapultiert Ameisen in ihr Netz

22.06.2026 - 17:00:05 | dpa.de

Mit einer raffinierten Falle katapultiert eine australische Spinne gezielt Ameisen in ihr Netz – und ĂŒbertrifft damit sogar andere Spinnenarten in Sachen Fangtechnik.

  • Eine Weberameise nĂ€hert sich der aufgebauten Falle einer australischen Ballista-Spinne. - Bild: Greg Anderson/Ajay Narendra/dpa
    Eine Weberameise nÀhert sich der aufgebauten Falle einer australischen Ballista-Spinne. - Bild: Greg Anderson/Ajay Narendra/dpa
  • Eine australische Ballista-Spinne beim Bau einer Falle fĂŒr Ameisen. - Bild: Pranav Joshi/Ajay Narendra/dpa
    Eine australische Ballista-Spinne beim Bau einer Falle fĂŒr Ameisen. - Bild: Pranav Joshi/Ajay Narendra/dpa
Eine Weberameise nĂ€hert sich der aufgebauten Falle einer australischen Ballista-Spinne. - Bild: Greg Anderson/Ajay Narendra/dpa Eine australische Ballista-Spinne beim Bau einer Falle fĂŒr Ameisen. - Bild: Pranav Joshi/Ajay Narendra/dpa

Eine australische Spinnenart hat eine raffinierte Art des Beutefangs entwickelt: Sie spannt mehrere FĂ€den aus, an denen sich Ameisen festbeißen. Daraufhin werden sie in das zentrale Spinnennetz katapultiert. Ein Forschungsteam aus Greifswald und Australien stellt das Verfahren im Journal «Current Biology» vor. 

Etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt die Ballista-Spinne (Propostira sp.) mit dem Bau der Falle: Sie spannt von ihrem Hauptnetz aus mehrere lange FĂ€den, die sie nahe beieinander etwa an Ästen oder BlĂ€ttern befestigt. Kurz ĂŒber den Befestigungspunkten bĂŒndelt sie die FĂ€den zu einem Kegel. Dieser zieht vermutlich mit Hilfe von Duftstoffen Weberameisen der Art Oecophylla smaragdina an, die als besonders aggressiv und wehrhaft gelten.

Raffiniertes Fangsystem mit Kegel

Die Ameisen beißen laut Studie fest in den Kegel und heben ihren Hinterleib - Ă€hnlich, wie sie es bei Auseinandersetzungen mit anderen Ameisenkolonien tun. Durch den Biss wird der Seidenkegel von der OberflĂ€che gelöst und schwingt rasch samt der darin verbissenen Ameise ins zentrale Netz der Spinne. Dabei erreichen die Ameisen eine Geschwindigkeit von bis zu 4,4 Metern pro Sekunde. Die Spinne wartet, bis die Ameise vollstĂ€ndig verstrickt ist, bevor sie sich nĂ€hert, um die Ameise in Seide einzuwickeln.

«Es ist eines der leistungsstĂ€rksten bekannten Fangsysteme im Tierreich», sagt einer der Seniorautoren, Jonas Wolff von der UniversitĂ€t Greifswald. Die Falle speichere elastische Energie in den gespannten SeidenfĂ€den und setze sie schlagartig frei – Ă€hnlich wie eine vorgespannte Feder. «Die dabei erreichten Leistungswerte liegen um mehrere GrĂ¶ĂŸenordnungen ĂŒber dem, was Muskeln allein erzeugen könnten. Selbst andere Spinnen mit katapultartigen Fangnetzen werden ĂŒbertroffen.»

Spezifische Beute im Visier

In allen 35 Beobachtungen wurden nach Studienangaben Ameisen der Art Oecophylla smaragdina gefangen, was auf eine ausgeprÀgte Beutespezialisierung hinweise. Ameisen drei anderer Arten, die neben die SpinnfÀdenkegel gesetzt worden seien, hÀtten nicht darauf reagiert. Dies deute darauf hin, dass die Spinne möglicherweise Pheromone auf den Kegel aufbringe, um gezielt Arbeiterinnen von Oecophylla smaragdina anzulocken und deren aggressives Angriffsverhalten auszulösen, schreibt das Team.

«Die Entdeckung zeigt, wie weit Spezialisierung in der Natur gehen kann. Aus dem stÀndigen Wettstreit zwischen RÀuber und Beute ist eine Falle entstanden, die zu den leistungsfÀhigsten biomechanischen Systemen gehört, die bislang bekannt sind», ergÀnzt Wolff.

Die Ballista-Spinne habe mit dem Einsatz einer Falle, die von der Beute selbst ausgelöst werde, offenbar einen bemerkenswerten Weg entwickelt, eine gefĂ€hrliche und Ă€ußerst aggressive Beutegruppe zu ĂŒberwĂ€ltigen, schließen die Forschenden. «Diese kraftverstĂ€rkte Fangvorrichtung zeigt eindrucksvoll, wie extreme ökologische Spezialisierung die Evolution außergewöhnlicher biomechanischer Leistungen vorantreiben kann.»

de | wissenschaft | 69604067 |