Mittagsschlaf, HĂ€ufige

Mittagsschlaf im Alter: HĂ€ufige Nickerchen gehen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko einher

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden erhöhtes LDL und hÀufigen Tagschlaf mit Demenzrisiken, belegen jedoch nicht, dass Nickerchen Demenz verursachen.
Ein minimalistisches, helles Behandlungszimmer mit einer glĂ€sernen Phiole auf einer weißen MarmoroberflĂ€che. Illustration mit AI erstellt.

Neurologische Fachleute und wissenschaftliche Untersuchungen weisen verstĂ€rkt auf Faktoren hin, die als Indikatoren oder Risikotreiber fĂŒr Demenzerkrankungen dienen können. Im Fokus stehen dabei insbesondere das Lipidprofil sowie verĂ€nderte Schlafmuster im Alter.

Eine Kombination aus biologischen Messwerten wie dem LDL-Cholesterin und Verhaltensmustern wie dem tĂ€glichen Mittagsschlaf liefert wichtige Anhaltspunkte fĂŒr die FrĂŒherkennung und PrĂ€vention.

LDL-Cholesterin als modifizierbarer Risikofaktor

Hohe Werte des sogenannten Low-Density-Lipoproteins (LDL) spielen nicht nur bei GefĂ€ĂŸerkrankungen eine Rolle, sondern beeinflussen auch das Gehirn. Laut einer international anerkannten Untersuchung lĂ€sst sich hohes LDL-Cholesterin fĂŒr 7% aller Demenzerkrankungen verantwortlich machen.

Wie Neurologin Prof. Kathrin Reetz von der Deutschen Hirnstiftung hervorhob, weisen Personen mit einem LDL-Cholesterinwert von unter 70 mg/dl ein deutlich verringertes Alzheimer-Risiko auf. Ein ĂŒber Monate oder Jahre hinweg erhöhter Spiegel steigert die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung dagegen messbar.

Insgesamt erhöhen 14 identifizierte Risikofaktoren das Demenzrisiko um rund 45%. Forscher schÀtzen, dass weltweit bis zu 45% der DemenzfÀlle durch verÀnderbare Risikofaktoren vermeidbar wÀren.

Zur Risikominderung tragen unter anderem Lipidsenker bei: Eine Metaanalyse belegt, dass hochpotente Statine das allgemeine Demenzrisiko um 20% und das Risiko fĂŒr Alzheimer um 32% senken können. Dieser protektive Effekt verĂ€ndert sich jedoch im Verlauf des Lebens.

Ab einem Alter von 80 Jahren zeigt ein hohes LDL-Cholesterin kaum noch Einfluss auf das Neuerkrankungsrisiko. Zur rechtzeitigen Überwachung wird Erwachsenen im Rahmen des Programms Check-up 35+ eine ÜberprĂŒfung der Cholesterinwerte alle drei Jahre empfohlen.

HĂ€ufiges Nickerchen als mögliches FrĂŒhsymptom

Neben Blutwerten geraten auch verĂ€nderte Schlafgewohnheiten in den Fokus der Neurologie. In den USA leben derzeit geschĂ€tzt 6,9 Millionen Erwachsene mit einer Demenz, wobei sich diese Zahl bis zum Jahr 2060 voraussichtlich fast verdoppeln wird. Eine frĂŒhere Untersuchung taxierte den Anteil der Menschen ĂŒber 55 Jahren, die im spĂ€teren Leben eine Demenz entwickeln, auf 42%.

Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Forschungsteam der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health unter der Leitung von Kening Jiang Daten der National Health and Aging Trends Study (NHATS).

Die im Fachblatt The Journal of Gerontology: Medical Sciences veröffentlichte Langzeitstudie begleitete 995 US-amerikanische Medicare-EmpfĂ€nger ab einem Alter von 65 Jahren, die zu Beginn demenzfrei waren, ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren zwischen 2013 und 2023. Im Verlauf dieses Zeitraums entwickelten 417 der 995 Teilnehmenden – was exakt 42% entsprach – eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz.

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Die Auswertung zeigte, dass Probanden, die an den meisten Tagen oder tĂ€glich ein Nickerchen hielten, ein um 48% höheres Demenzrisiko hatten als jene, die selten oder nie tagsĂŒber schliefen. Unbeabsichtigtes Einschlafen stand mit einem um 39% erhöhten Risiko in Verbindung.

Kurze Nickerchen von maximal 30 Minuten wiesen zunÀchst einen Anstieg des Risikos um 40% auf. Geplante Ruhephasen zeigten nach statistischer Bereinigung hingegen keinen eindeutigen Zusammenhang mehr.

In einer zusĂ€tzlichen SensitivitĂ€tsanalyse, die ausschließlich FĂ€lle berĂŒcksichtigte, die fĂŒnf oder mehr Jahre nach Beobachtungsbeginn diagnostiziert wurden, verlor sich der Effekt kurzer TagschlĂ€fe. Das Risiko bei hĂ€ufigen TagschlĂ€fern blieb jedoch auch in dieser Langzeitbetrachtung mit einem Plus von 75% deutlich erhöht.

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KausalitÀt und Schlafhygiene im Alter

Die Studienautoren um Kening Jiang betonen ausdrĂŒcklich, dass die Ergebnisse keinen kausalen Nachweis liefern, dass Tagschlaf Demenz auslöst. Vielmehr deuten die Befunde darauf hin, dass ein ĂŒbermĂ€ĂŸiges oder unkontrolliertes Einschlafen am Tag als klinischer Indikator fĂŒr bereits einsetzende neurodegenerative VerĂ€nderungen im Gehirn fungieren könnte.

Aus schlafforschungsbasierter Sicht ist der Tagschlaf nicht grundsÀtzlich schÀdlich. Ein Schlafforscher erlÀuterte, dass ein kurzer Powernap von 10 bis 20 Minuten Dauer der Regeneration diene, da er die Tiefschlafphase nicht erreiche; eine pauschale Verurteilung des Mittagsschlafs sei verfehlt.

Aufmerksamkeit sei jedoch bei Ă€lteren Erwachsenen geboten, die nachts generell weniger Schlaf benötigen, frĂŒher zu Bett gehen und entsprechend frĂŒh aufwachen, da ĂŒbermĂ€ĂŸige TagschlĂ€fe den zirkadianen Rhythmus weiter verschieben können.

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