Mittelstand-Investitionen, Ausgaben

Mittelstand-Investitionen: 52% planen Ausgaben – Rekordtief seit 1995

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 11:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Nur noch 52 Prozent der Mittelständler investieren, während VW bis zu 100.000 Stellen streichen will. Hohe Kosten belasten die Wirtschaft.

Mittelstand-Investitionen auf Tiefststand: VW plant massiven Stellenabbau
Ein unscharfes Bild eines Fabrikhallenbodens mit einem einzelnen Arbeiter im Hintergrund, das InvestitionsrĂĽckgang und Stellenstreichungen symbolisiert. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Parallel dazu kĂĽndigt Volkswagen einen massiven Stellenabbau an. Beides sind alarmierende Signale fĂĽr den Standort Deutschland.

Rekordtief bei Investitionsplanungen

Nur noch 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen in den kommenden sechs Monaten Investitionen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995. Die DZ Bank und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) haben das in ihrer Juli-Studie ermittelt.

Zum Vergleich: Selbst während der Finanzkrise 2008/09, der Pandemie 2020 oder der Energiekrise 2022 lagen die Werte höher. Die KfW-Bankengruppe bestätigt den Trend: Zwar planen 61 Prozent der Unternehmen Investitionen binnen zwölf Monaten, doch blicken nur 57 Prozent auf tatsächlich getätigte Investitionen im vergangenen Jahr zurück. Das ist ebenfalls ein Minusrekord.

Hohe Kosten und Krieg als Bremsen

Warum halten sich die Firmen zurück? Die Studie nennt klare Gründe. 67 Prozent der Unternehmen sehen die Energiekosten als zentrales Problem. 57 Prozent leiden unter hohen Rohstoff- und Materialkosten. Und die Sorge vor gestörten Lieferketten wächst: 31 Prozent der Firmenchefs äußerten entsprechende Bedenken – ein Anstieg um 13 Prozentpunkte.

Als wesentlichen Unsicherheitsfaktor identifizierten die Experten die geopolitische Lage, insbesondere die Auswirkungen des Iran-Krieges. Die Folge: 43 Prozent der Mittelständler planen Preiserhöhungen, weniger als 5 Prozent rechnen mit sinkenden Preisen.

Die Geschäftserwartungen stagnieren. Während 26 Prozent der Betriebe eine Besserung erwarten, gehen 20 Prozent von einer weiteren Verschlechterung aus. Ein Vorstandsmitglied der DZ Bank bewertete die aktuelle Verunsicherung als Warnsignal für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

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Bilanzen verschlechtern sich massiv

Die wirtschaftliche Anspannung zeigt sich zunehmend in den Bilanzen. Der Bilanzqualitätsindex fiel 2025 um 10,4 auf 114,3 Punkte – der niedrigste Stand seit 2012. Die Eigenkapitalquote sank von 30,7 Prozent im Jahr 2024 auf 26,5 Prozent im Jahr 2025. Parallel dazu stieg der dynamische Verschuldungsgrad auf 364,5 Prozent an.

Ein interessantes Detail: Die Internationalisierung des Mittelstands nimmt zu. Rund 54 Prozent der Unternehmen sind mittlerweile im Ausland aktiv – ein Zuwachs von 10 Prozentpunkten im Vergleich zum Frühjahr 2024. Analysten deuten dies als Indiz: Wachstumschancen liegen zunehmend außerhalb des Heimatmarktes.

VW: Bis zu 100.000 Stellen weg

Parallel zur Krise im Mittelstand verschärft sich die Lage bei den Industriegiganten. Volkswagen-Chef Oliver Blume konkretisierte Mitte Juli die Pläne für einen massiven Stellenabbau. Zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen, die bis 2030 abgebaut werden sollen, stellte Blume den Wegfall von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen weltweit in Aussicht.

Macht insgesamt bis zu 100.000 Stellen, die bei dem Automobilhersteller bedroht sein könnten.

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Als Hauptgrund nannte die Konzernführung die Gemeinkosten: Sie liegen rund 20 Prozent über denen der direkten Vergleichsunternehmen. In einer internen Stellungnahme wies Blume darauf hin, dass ohne eine wettbewerbsgerechte Belegung die Zukunft mehrerer Standorte in den 2030er-Jahren gefährdet sei. Konkret nannte er die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.

Ziel des Konzerns: eine Verschlankung der Strukturen und eine Senkung der Fixkosten, um die operative Marge zu sichern.

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