Mitternachtssnacks, Fettleberrisiko

Mitternachtssnacks: Fettleberrisiko laut Langzeitdaten um 36 Prozent höher

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Langzeitdaten zeigen häufiger Fettleber und Zirrhose bei spätem Essen; die Beobachtungsstudie belegt jedoch keine Ursache-Wirkung.

Die zeitliche Taktung von Mahlzeiten gewinnt in der Stoffwechselforschung zunehmend an Bedeutung. Eine Untersuchung der Oregon Health & Science University (OHSU) vom 9. Oktober 2026 zeigt, dass Menschen, die nach dem Abendessen oder nach dem Zubettgehen Nahrung zu sich nehmen, ein messbar höheres Risiko für Leberschäden tragen.

Bei diesen Spätessern treten alle Formen von Lebererkrankungen um 20 bis 30 Prozent häufiger auf. Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Zusammenhang bei stoffwechselbedingter Steatohepatitis und Leberzirrhose.

Langzeitdaten belegen erhöhtes Risiko für Fettleber und Zirrhose

Für die Auswertung analysierte das Forschungsteam der OHSU gemeinsam mit Wissenschaftlern des Massachusetts General Hospital Datensätze von fast 200.000 Personen aus der Nurses' Health Study, der Nurses' Health Study II sowie der Health Professionals Follow-up Study.

Über einen durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von rund 16 Jahren traten bei etwa 4.500 Teilnehmenden eine metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) und bei 315 Personen eine Leberzirrhose auf.

Regelmäßige Mitternachtssnacks gingen den Daten zufolge mit einem um 36 Prozent höheren Risiko für eine nichtalkoholische Fettleber einher. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Leberzirrhose zu erkranken, lag um 28 Prozent höher.

Diese Korrelation blieb auch nach der rechnerischen Bereinigung um potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Body-Mass-Index, Diabetesstatus, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum sowie Gesamtkalorien und allgemeine Ernährungsqualität bestehen.

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Zirkadianer Rhythmus und die Bedeutung von Essenspausen

Studienleiter Dr. Robert Wilechansky, Hepatologe an der OHSU, stufte die Arbeit als eine der ersten Langzeitanalysen ein, die den Zusammenhang zwischen späten Mahlzeiten und Fettlebererkrankungen explizit nachzeichnet. Das Organ sei weitgehend mit dem zirkadianen Rhythmus synchronisiert. Eine bloße Verschiebung der Essenszeiten könne die Lebergesundheit daher bereits bei unveränderter Kalorienmenge verbessern.

Co-Autor Andrew McHill von der OHSU empfiehlt vor diesem Hintergrund, Mahlzeiten etwa zwei bis vier Stunden vor dem Schlafen zu beenden, wenngleich dieses spezifische Zeitfenster in der vorliegenden Erhebung nicht gesondert getestet wurde.

Um die Mechanismen genauer zu erfassen, rekrutiert das OHSU-Team derzeit Teilnehmende für eine klinische Studie, die überprüfen soll, ob ein früheres Abendessen die Leberwerte direkt verbessert.

Frühere Datensätze von über 11.000 US-Teilnehmenden der National Health and Nutrition Examination Survey wiesen zudem bereits darauf hin, dass Alltagsstress, späte Snacks und Verdauungsstörungen eng miteinander verknüpft sind.

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Grenzen der Beobachtung und steigende Diagnosezahlen

Einschränkend verweisen die Autoren darauf, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen formalen Ursache-Wirkungs-Beweis liefert. Zudem stammten die Daten überwiegend von weißen Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen, und nur ein kleiner Teil der Betroffenen entwickelt schwere Krankheitsbilder wie Zirrhosen. Dennoch ist das Problem weit verbreitet: Bis zu 30 Prozent der US-Bevölkerung sind laut OHSU von einer Fettleber betroffen.

Auch hierzulande steigen die Fallzahlen kontinuierlich. Ambulante Abrechnungsdaten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) belegen, dass die Zahl der wegen einer Fettleber behandelten gesetzlich Versicherten von 2,42 Millionen im Jahr 2016 auf 3,13 Millionen im Jahr 2025 gewachsen ist.

Bei den unter 40-Jährigen kletterte die Zahl der Diagnosen im selben Zeitraum um 59,5 Prozent. Mediziner vermuten eine erhebliche Dunkelziffer. Parallel dazu stieg auch die Belastung durch Begleiterkrankungen: Wegen Reflux wurden laut Zi im Jahr 2025 rund 5,87 Millionen Versicherte behandelt, was einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber 2016 entspricht.

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