Mobbing, Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz: 2,6 Millionen Deutsche betroffen

Veröffentlicht am: 06.06.2026 um 11:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie belegt hohe Mobbing-Rate unter Arbeitnehmern. Arbeitgeber sind gesetzlich zur PrÀvention psychosozialer Risiken verpflichtet.

Psychische Gewalt am Arbeitsplatz: 40 Prozent der BeschÀftigten betroffen
Eine einzelne, stilisierte Person sitzt isoliert an einem Schreibtisch in einem modernen BĂŒro, umgeben von verschwommenen Kollegen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Fast 40 Prozent der BeschÀftigten erleben psychische Gewalt am Arbeitsplatz.

Die Belastung ist enorm. Eine Studie der Forschungsgruppe LABPATS vom Juni 2026 belegt: 38,3 Prozent der befragten Arbeitnehmer in Portugal berichten von Mobbing-Erfahrungen – von Drohungen ĂŒber Beleidigungen bis hin zu sozialer Ausgrenzung. Besonders betroffen sind das Gesundheitswesen, Bildung, Verkehr und Handel. 44,5 Prozent der Teilnehmenden fĂŒhlen sich zudem körperlich erschöpft.

Deutschland: 2,6 Millionen Betroffene

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Auch hierzulande ist das Problem weit verbreitet. SchĂ€tzungen zufolge erleben rund 2,6 Millionen BeschĂ€ftigte psychische Gewalt am Arbeitsplatz. Eine Befragung der Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und des Bundesinstituts fĂŒr Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2024 zeichnet ein differenziertes Bild: 87 Prozent bewerten die Zusammenarbeit als gut – aber nur 41 Prozent erhalten regelmĂ€ĂŸig Lob.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ergĂ€nzt: 36 Prozent der BeschĂ€ftigten mit Kundenkontakt waren bereits verbalen Übergriffen ausgesetzt.

Die UNISAFE-Studie aus dem Jahr 2022 mit 42.000 Teilnehmenden zeigt die Lage im Bildungssektor: 62 Prozent erlebten geschlechtsbezogene Gewalt, 31 Prozent sexuelle BelĂ€stigung. Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums fĂŒr Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) beziffert den Anteil diskriminierter Studierender auf 26 Prozent.

Arbeitgeber sind in der Pflicht

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen bereits seit 2013, psychische Belastungen in der GefĂ€hrdungsbeurteilung zu berĂŒcksichtigen. Ein Leitfaden der Medizinischen FakultĂ€t Magdeburg vom April 2026 verweist zudem auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und relevante Paragrafen des Strafgesetzbuches.

In Brasilien geht man noch einen Schritt weiter: Seit Mai 2025 verpflichtet die Richtlinie NR-1 Unternehmen zur systematischen Verwaltung psychosozialer Risiken. Der Grund: 29 Prozent der BeschÀftigten leiden unter konstantem Stress, die krankheitsbedingten AusfÀlle durch mentale Störungen stiegen zwischen 2023 und 2024 um 67 Prozent.

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) hat bereits 2022 konkrete Gestaltungsziele definiert: mehr HandlungsspielrĂ€ume, optimierte Arbeitsmengen, soziale UnterstĂŒtzung und Schutz vor Gewalt.

Neue Gefahr: Cybermobbing und Machtmissbrauch

Die Digitalisierung schafft neue Belastungsformen. Ein Fall aus Laudenbach im FrĂŒhjahr 2026 zeigt die Eskalationsstufen: Eine Betroffene wurde Opfer von IdentitĂ€tsmissbrauch – Unbefugte bestellten Waren und meldeten sie zu Kursen an. Experten raten zur lĂŒckenlosen Beweissicherung und strafrechtlichen Schritten.

Auch Institutionen stehen unter Druck. Im Juni 2026 suspendierte eine Schule in Cascais eine Lehrkraft nach diskriminierenden Äußerungen gegenĂŒber Migranten. Die Behörden prĂŒfen den Vorwurf der Hassrede.

Die UNI Global Union plant ab Anfang 2027 spezielle Schulungen und ĂŒberarbeitete Risikobewertungs-Tools mit Fokus auf psychosoziale Risiken und BelĂ€stigung bei Live-AuffĂŒhrungen.

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Was Betroffene tun können

Fachleute unterscheiden zwischen Teamkonflikten, FĂŒhrungskonflikten und strukturell bedingten Prozesskonflikten. Coaching kann helfen – stĂ¶ĂŸt bei Mobbing und Machtmissbrauch jedoch an Grenzen. Dann sind formale Verfahren und verbindliche Schutzpflichten fĂŒr Arbeitgeber nötig.

In der Politik wird ein spezifisches Mobbing-Schutzgesetz gefordert. Es soll klare PrĂ€ventionsvorgaben und Beweiserleichterungen fĂŒr Betroffene vorsehen. Der DGB warnte im Juni 2026 zudem: Eine Aufweichung von Ruhezeiten könnte ErschöpfungszustĂ€nde und KrankenstĂ€nde weiter erhöhen.

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