MobilitÀt, Rikschas

MobilitÀt im Alter: Rikschas und Rollator-Ausleihe ermöglichen Stadtleben

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kommunen und Initiativen schaffen mit Rikschas, Leih-Rollatoren und ÖPNV-Übungen neue Wege fĂŒr Ă€ltere und mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte Menschen.

MobilitÀt im Alter: Rikschas, Trainings und Rollatoren erleichtern Teilhabe
Ein sonniger Parkweg mit einer leeren Holzbank in einer kleinen Stadt, der Barrierefreiheit und öffentliche RÀume symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Vielerorts entstehen derzeit neue Angebote, die Ă€lteren und mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkten Menschen den Zugang zum öffentlichen Leben erleichtern sollen. Von Fahrrad-Rikschas ĂŒber Rollator-Ausleihe bis zu Einstiegstrainings im Linienbus reicht das Spektrum der Initiativen, die Stiftungen, Kommunen und Verkehrsbetriebe in unterschiedlichen Regionen gestartet haben.

Rikschas als Ausflugsmittel fĂŒr Pflegeeinrichtungen

In Bad Wurzach stellte die BĂŒrgerstiftung gemeinsam mit „Bike+ Geyer“ eine neue Fahrrad-Rikscha vor. Die Anschaffung kostete rund 13.000 Euro, zusĂ€tzliche finanzielle UnterstĂŒtzung kam vom Lions Club Leutkirch. Hersteller ist die niederlĂ€ndische Marke „vanRaam“.

Die Rikscha soll nicht mehr mobilen Menschen Ausfahrten in und um Bad Wurzach ermöglichen; feste Ausfahrtstage sind fĂŒr das Haus der Pflege Stift zum Heiligen Geist, die Tagespflege sowie das Mehrgenerationenhaus „Wi-Se-Le“ vorgesehen. Ehrenamtliche Fahrer können sich bei der BĂŒrgerstiftung melden, Buchungen laufen ĂŒber deren GeschĂ€ftsstelle.

Auch das Projekt Rikscha Waldkirch profitiert von finanzieller Förderung: Im Rahmen des Fair-Ways-Förderpreises des SC Freiburg erhielt es 3000 Euro. Insgesamt hatten sich 143 Projekte und Organisationen aus den Bereichen Soziales, Bildung, Nachhaltigkeit und Kinderschutz beworben.

Eine Jury aus Vereinsvertretern, Fair-Ways-Partnern und der Wilhelm-Oberle-Stiftung wÀhlte 37 PreistrÀger sowie drei SonderpreistrÀger aus, auf die insgesamt 100.000 Euro verteilt wurden. Geehrt wurden die Verantwortlichen von Rikscha Waldkirch, Hanna Orthmann und Alexander Schoch, durch Patin Martina Gasi von J. Schneider Elektrotechnik sowie die SC-Profis Mio Backhaus und Nora Scherer.

Ein Ă€hnliches Modell verfolgt die Stadt Oberkirch mit dem Projekt „Radeln ohne Alter“, das gemeinsam mit dem Seniorennetzwerk „Von Mensch zu Mensch“ sowie den Pflegeeinrichtungen St. Josef und St. Barbara umgesetzt wird. Ehrenamtliche, geschulte Rikscha-Piloten nehmen zunĂ€chst Bewohner der Pflegeheime kostenlos zu AusflĂŒgen in und um Oberkirch mit.

Die Rikschas gehören der Wohnen und Pflege Oberkirch gGmbH; die erste wurde von Christels Blumenstube gespendet, die zweite dank der Franz- und Gabriele HÀttig-Stiftung sowie des Vereins Altenpflegeheime finanziert. Mittwochs finden bereits zwei Fahrten statt, ein Ausbau ist geplant.

Die Ausfahrten dauern in der Regel zwischen einer halben und zwei Stunden, unterstĂŒtzt durch einen Elektromotor. Die Stadt ist dem Verein „Radeln ohne Alter Deutschland e. V.“ beigetreten – einer aus DĂ€nemark stammenden Initiative, die inzwischen in mehr als 40 LĂ€ndern vertreten ist. Ansprechpartnerin ist Seniorenbeauftragte Sabrina Lusch.

Geteilte MobilitÀt in sozialen Wohnsiedlungen

In Belgien stellte SAAMO Limburg die Ergebnisse eines zweijĂ€hrigen Pilotprojekts namens „Inclusive (deel)mobiliteit in sociale woonwijken“ vor. Gestartet wurde in der sozialen Wohnsiedlung Sledderlo in Genk mit einer Umfrage unter 100 Bewohnern sowie ausfĂŒhrlichen GesprĂ€chen mit 18 Personen.

Im Bivelenhof in Bilzen-Hoeselt standen anschließend ein Deelwagen, ein E-Bike, ein Dreirad und ein Scootmobil zur VerfĂŒgung, begleitet von persönlicher UnterstĂŒtzung. Der Deelwagen war der erste seiner Art in einer sozialen Wohnsiedlung in Bilzen-Hoeselt und bleibt auch nach Projektende verfĂŒgbar; die Stadt kĂŒndigte an, kĂŒnftig mehr Deelwagen anbieten zu wollen.

Training fĂŒr den sicheren Einstieg in Bus und Bahn

Praktische Übungen standen bei mehreren Trainingsangeboten im Vordergrund. In Memmingen stieß die Aktion „Sicher unterwegs im Linienverkehr“ fĂŒr Seniorinnen, Senioren und Menschen mit Gehhilfen oder Rollstuhl erneut auf sehr gute Resonanz. Die Teilnehmenden ĂŒbten Ein- und Aussteigen in den Linienbus mit Rollator oder Rollstuhl ohne den ĂŒblichen Zeitdruck.

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Immer mehr StĂ€dte und Stiftungen starten Angebote, die Ă€lteren Menschen Ausfahrten und Wege im Alltag wieder möglich machen — von der Fahrrad-Rikscha bis zur Rollator-Ausleihe. Wer fĂŒr Angehörige oder Bewohner organisiert, braucht vor allem eines: einen klaren Überblick, welche Angebote es gibt und wie man sie nutzt. Kostenlosen Leitfaden zur MobilitĂ€t im Alter anfordern

Das Busunternehmen Brandner stellte einen Bus sowie zwei Mitarbeitende, Fahrer Hermann Frank und Einsatzleiter Michael Urlbauer. Organisiert wurde die Aktion von Seniorenfachstelle, Inklusionsfachstelle, Seniorenbeirat und Behindertenbeirat mit dem Ziel, BerĂŒhrungsĂ€ngste abzubauen und eine selbststĂ€ndige, sichere ÖPNV-Nutzung zu ermöglichen.

In Leipzig veranstalteten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) wĂ€hrend der EuropĂ€ischen MobilitĂ€tswoche unter dem Motto „MobilitĂ€t unter den Generationen“ ein MobilitĂ€tstraining im Straßenbahnhof AngerbrĂŒcke.

GeĂŒbt wurde das sichere Ein- und Aussteigen an Straßenbahn und Bus, unterstĂŒtzt unter anderem von Behindertenverband, Verkehrswacht, Blinden- und Sehbehindertenverband und dem Kommunalen PrĂ€ventionsrat Leipzig. Erstmals dabei war das Kompetenzzentrum „Barrierefreiheit zum Anfassen“ der Stadt Leipzig mit einem Blindenleitsystem und einem „sprechenden Stein“, der ĂŒber eine App Sehbehinderte warnt.

LVB-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Toralf MĂŒller betonte, Barrierefreiheit gehöre zum KerngeschĂ€ft des Unternehmens. Neben dem jĂ€hrlichen Training bietet die LVB MobilitĂ€tsberatungen unter anderem fĂŒr Seniorinnen, Senioren und Menschen mit Behinderung an.

In Bad Vilbel lud der Seniorenbeirat im Rahmen der EuropĂ€ischen MobilitĂ€tswoche zu einer Infoausstellung auf den GĂŒnther-Biwer-Platz. OrthopĂ€dietechniker Achmet BĂŒlbĂŒl gab dort Sicherheitstipps zum Ein- und Aussteigen in den Bus mit Rollator oder Rollstuhl sowie zum aufrechten Gehen; entscheidend seien die Höhe der Sicherheitsgriffe und der Abstand zum Rollator.

Gezeigt wurden FahrrĂ€der mit tiefem Einstieg, vierrĂ€drige Pedelecs, Rikscha-Fahrten der Nachbarschaftshilfe sowie der barrierefreie On-Demand-Bus KNUT. Der RMV informierte ĂŒber Linienbusse mit „Kinderwagenknopf“, FahrplĂ€ne, Abos, Apps und das Seniorenticket Hessen, wĂ€hrend das DRK Bad Vilbel Tipps zum Erste-Hilfe-Set fĂŒr Rad- und Wandertouren gab.

Weitere Ausflugs- und Ausleihangebote

Im DRK-Seniorenzentrum St. Lioba in Fulda ermöglichte eine Stadtrundfahrt im DRK-Retrobus, unterstĂŒtzt von RhönEnergie, auch mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkten Bewohnern eine StadtfĂŒhrung im Sitzen. Die Route fĂŒhrte unter anderem am Fuldaer Dom, der Pauluspromenade, dem sanierten Hexenturm, dem ehemaligen stĂ€dtischen Krankenhaus, der Kinderakademie und den Gummiwerken vorbei.

Fahrer war ehrenamtlich Eckard Diegelmann, die StadtfĂŒhrung ĂŒbernahm Petra Sorg. Anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen im JĂ€gerhaus in Bronzell, dessen RĂ€ume als barrierearm gelten, begleitet von ehrenamtlichen Helfern.

In Bielefeld bietet die Tourist-Information seit Kurzem Rollatoren unter dem Namen „Roll-BI“ zur Ausleihe an. Sie können fĂŒr FĂŒhrungen und eigene Touren genutzt werden, die Ausleihdauer betrĂ€gt bis zu drei Tage, Ausgabeort ist die Tourist-Information in der Wissenswerkstadt in der Wilhelmstraße.

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Viele Seniorinnen und Senioren meiden Bus und Bahn, weil das Ein- und Aussteigen mit Rollator oder Rollstuhl unter Zeitdruck zur HĂŒrde wird. Genau dafĂŒr gibt es Einstiegstrainings, bei denen in Ruhe geĂŒbt wird — ohne FahrgĂ€ste hinter Ihnen. Der Leitfaden zeigt, wie solche Trainings ablaufen und wie Sie den passenden Termin in Ihrer Region finden. Einstiegstraining-Leitfaden jetzt sichern

Benötigt werden ein gĂŒltiger Personalausweis, ein Leihvertrag und ein Pfand von 50 Euro. Im Praxistest der Neuen WestfĂ€lischen ĂŒberzeugten das geringe Gewicht, die großen RĂ€der, die gut bewĂ€ltigbaren Unebenheiten und Bordsteine sowie die integrierte SitzflĂ€che mit Feststellbremse.

Die Bandbreite der Beispiele zeigt: Ob durch neue Fahrzeuge, geteilte MobilitĂ€tsangebote oder praktische Trainings – lokale Initiativen setzen zunehmend auf niedrigschwellige, oft ehrenamtlich getragene Lösungen, um Ă€lteren und mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkten Menschen Teilhabe am Stadtleben zu ermöglichen.

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