Moor-Mikroben: 97 Prozent ihrer Gencluster sind der Wissenschaft unbekannt
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Moore gelten als sensible Ökosysteme und wichtige Kohlenstoffspeicher. Eine im Oktober 2026 im Fachjournal Nature Communications (Band 17) veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung zeigt nun, dass sie auch eine bisher kaum erschlossene Quelle für Naturstoffe darstellen.
Forschende der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der University of Delaware sowie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig untersuchten dafür Torfproben aus dem Schlöppnerbrunnen-Moor im bayerischen Fichtelgebirge.
Vielfalt unentdeckter biosynthetischer Gencluster
Für die Untersuchung nutzten die beteiligten Einrichtungen Methoden der Hochdurchsatz-Sequenzierung und Metagenomik, um das Erbgut der im Torf lebenden Mikroorganismen zu analysieren. Dabei identifizierten die Forschenden knapp 9.700 biosynthetische Gencluster. Nach der Filterung unvollständiger Fragmente verblieben über 8.000 verlässliche Gencluster im Datensatz.
Besonders bemerkenswert ist die Neuartigkeit dieser genetischen Einheiten: Das Team um Erstautor Zander Human von der Universität Jena stellte fest, dass circa 97 Prozent der identifizierten Gencluster in weltweiten Datenbanken bisher keiner bekannten Gencluster-Familie zugeordnet werden können.
An der Arbeit waren unter anderem auch Dr. Carl-Eric Wegner und Prof. Kirsten Küsel beteiligt; zudem war das an der Universität Jena angesiedelte Exzellenzcluster Balance of the Microverse eingebunden.
Selektive Aktivität im sauren Moorbiotop
Trotz des enormen genetischen Reservoirs wird vor Ort nur ein Bruchteil tatsächlich genutzt. Den Ergebnissen des Teams um Zander Human zufolge sind im Moor lediglich etwa 9 bis 27 Prozent der biosynthetischen Gencluster aktiv. Während einige Bakteriengruppen mit über 20 Genclustern im Genom weitgehend inaktiv blieben, übernahmen andere Mikroorganismen die Hauptrolle bei der Synthese.
Die Untersuchung zeigt: Rund 97 Prozent der in Moor-Torf gefundenen Gencluster lassen sich keiner bekannten Familie zuordnen — ein Reservoir, das klassische Screenings kaum erfassen. Unser Leitfaden erklärt in drei Schritten, wie Sie solche Daten für Ihre Wirkstoffsuche nutzbar machen. Kostenlosen Leitfaden zur Moor-Gencluster-Analyse anfordern
Als besonders aktiv erwies sich die Gruppe der Acidobacteriota. Obwohl sie über ein eher bescheidenes Genom-Repertoire verfügen, erzeugen sie rund zwei Drittel der gemessenen Naturstoffgen-Signale.
Diese Biosynthese-Aktivität ist nach den Beobachtungen des Forschungsteams direkt an die gleichzeitige Aktivität von Genen gekoppelt, die für den Abbau von komplexem Pflanzenmaterial zuständig sind. Die Mikroben nutzen ihre Stoffwechselwege demnach gezielt im Zusammenhang mit der Verwertung der im Torf vorhandenen pflanzlichen Ressourcen.
Bedeutung für die künftige Wirkstoffsuche
Die Analyse verdeutlicht, dass Moorlandschaften eine reichhaltige genetische Vielfalt bergen, die in herkömmlichen Wirkstoff-Screenings bislang kaum erfasst wurde. Da ein Großteil der gefundenen Gencluster in bestehenden Referenzdatenbanken fehlt, bietet das mikrobielle Erbgut Ansatzpunkte für die Entdeckung bisher unbekannter chemischer Verbindungen.
Bekannte Gencluster-Datenbanken sind weitgehend ausgeschöpft — doch im Moor bleiben 9 bis 27 Prozent der Biosynthese-Signalwege aktiv, der Rest liegt stumm. Der Leitfaden zeigt, welche Faktoren die Aktivität steuern und wie Sie stille Gencluster für Screenings erschließen. Methodik-Leitfaden jetzt sichern
Zugleich zeigt die geringe Aktivitätsrate von 9 bis 27 Prozent unter natürlichen Bedingungen, dass viele dieser biosynthetischen Signalwege im Moor stumm bleiben. Für eine pharmazeutische Nutzung dürften künftige Arbeiten vor der Herausforderung stehen, jene Faktoren zu entschlüsseln, die das Anschalten der bislang inaktiven Gencluster gezielt stimulieren können.
