Morbus Crohn: Oxalat verschlechtert Entzündungen und senkt Überleben bei Mäusen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa stellen die Medizin weiterhin vor komplexe Fragen. Nach Schätzungen leben in Deutschland bis zu 600.000 Menschen mit einer solchen Diagnose. In Frankreich sind es nach Angaben der Patientenorganisation AFA Crohn & Colitis France mehr als 300.000 Betroffene.
Eine im August 2026 im Fachjournal Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology veröffentlichte Untersuchung der University of North Carolina School of Medicine liefert nun neue Einblicke in molekulare Mechanismen, die den Krankheitsverlauf modulieren können. Im Zentrum der Arbeit steht die pflanzliche Substanz Oxalat und deren Transport im Darmtrakt.
Transportdefizite und verändertes Mikrobiom bei Betroffenen
Unter der Leitung von Anna Salvador aus dem Labor von Shehzad Z. Sheikh an der University of North Carolina School of Medicine analysierten Wissenschaftler die Proteinausstattung der Darmschleimhaut.
Die Beteiligten der Untersuchung, an der auch Forscher der Texas A&M University und der Duke University mitwirkten, wiesen nach, dass die Oxalat-Transportproteine SLC26A2 und SLC26A3 bei Erkrankten seltener vorkommen als bei gesunden Personen. Dabei korrelierte der Verlust mit der Intensität der Entzündung: Je stärker der Darm entzündet war, desto geringer fiel das Vorkommen der Transportmoleküle aus.
In der Folge verbleibt mehr freies Oxalat im Darmlumen. Gestützt wird dieser Befund durch den Nachweis, dass Patienten mit Morbus Crohn bei vergleichbarer pflanzlicher Kost messbar mehr Oxalat im Stuhl ausschieden als Kontrollpersonen ohne chronische Darmerkrankung.
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Die Ernährungsgewohnheiten wurden dabei mittels Fragebögen und DNA-Metabarcoding standardisiert erfasst. Bei einer stenosierenden Verlaufsform von Morbus Crohn zeigte sich zudem eine deutlich herabgesetzte Aktivität des Transportproteins SLC26A6, wovon fast 75 Prozent der Patienten dieser Untergruppe betroffen waren.
Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass das Bakterium Oxalobacter formigenes, das den Stoff im Darm abbauen kann, bei chronisch Entzündeten seltener vorkommt. Eine gezielte Beeinflussung des Mikrobioms wird daher als möglicher Therapieansatz diskutiert.
Experimentelle Befunde im Labor und Tiermodell
Die Auswirkungen der Substanz auf das Gewebe untersuchte das Team in präklinischen Versuchen. In Zellkulturen verstärkte Oxalat die Entzündungsreaktionen von Fresszellen und dendritischen Zellen deutlich.
Im Tiermodell führte die Gabe von zusätzlichem Oxalat bei Mäusen mit künstlich erzeugter Colitis zu einer um 60 Prozent geringeren Überlebensrate. Zudem beschleunigte die Substanz in zwei genetisch anfälligen Mausmodellen sowohl den Ausbruch als auch die Schwere der Erkrankung.
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Gefördert wurde das Forschungsvorhaben unter anderem durch den Helmsley Charitable Trust, das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK), die Chan Zuckerberg Initiative, Schmidt Sciences sowie den Burroughs Wellcome Fund.
Ernährungsempfehlungen und individuelle Ansätze in der Praxis
Oxalat findet sich natürlicherweise in zahlreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln, darunter Spinat, Mandeln, Mangold, Rote Bete, Rhabarber, Kakao und Süßkartoffeln. Die Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse kein Plädoyer für den pauschalen Verzicht auf diese Lebensmittel darstellen.
Bei entsprechender Krankheitsaktivität könne jedoch eine Mäßigung der Zufuhr erwogen werden. Der Oxalatgehalt lässt sich zudem durch Kochen verringern, sofern das Kochwasser anschließend abgegossen wird.
Dies deckt sich mit bestehenden therapeutischen Leitlinien. Bereits im Jahr 2025 hielt der Konsens der European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO) fest, dass keine universellen Ernährungsverbote für Patienten gelten und Anpassungen stets individuell erfolgen sollten.
Dass gezielte Ernährungsinterventionen dennoch wirksam sein können, zeigte eine 2025 im European Journal of Clinical Investigation publizierte Untersuchung: Von 45 Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Crohn-Erkrankung erreichten 70,8 Prozent unter einer speziellen Exklusionsdiät nach zwölf Wochen eine klinische Remission, während dies unter einer mediterranen Diät bei 38,1 Prozent der Fall war.
