Morbus, Crohn

Morbus Crohn: Phagen-Therapie unterdrückt Darmentzündung im Modell

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Phage verringerte im Mausmodell die AIEC-Wirkung und verstärkte Budesonid. Menschliche Studien zur Therapie stehen jedoch noch aus.

McMaster-Forschung: Phagentherapie bremst Darmentzündung bei Morbus Crohn
Eine sterile Petrischale in einem medizinischen Labor für mikrobiologische Forschung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn stellt die medizinische Forschung weiterhin vor große Herausforderungen. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Rolle von Adherent-Invasive Escherichia coli (AIEC), Bakterienstämmen, die maßgeblich an den Entzündungsprozessen im Darm beteiligt sein sollen.

Wissenschaftler der McMaster University in Kanada haben in diesem Bereich Fortschritte erzielt, indem sie eine spezialisierte Phagentherapie entwickelten, die gezielt gegen diese Erreger vorgeht.

Der Einsatz von Bakteriophagen – Viren, die ausschließlich spezifische Bakterien infizieren und zerstören – bietet die Möglichkeit, das Mikrobiom präziser zu beeinflussen als mit herkömmlichen Breitbandantibiotika. In Untersuchungen, die im August 2026 vorgestellt wurden, zeigten die Forschenden, dass der Einsatz dieser Phagen die Anheftung der AIEC-Bakterien an die Darmwand unterdrücken kann.

Wirkungsweise des Phagen ER259 im Fokus

Ein wesentlicher Bestandteil der Forschungsergebnisse vom 25. August 2026 betrifft den spezifischen Phagen ER259. Dieser ist in der Lage, ein bestimmtes Gen innerhalb der E.-coli-Bakterien zu deaktivieren. In einem Mausmodell führte dieser Prozess zu einer signifikanten Reduktion der Darmentzündung. Durch die Deaktivierung der bakteriellen Funktionen wird die krankheitsfördernde Eigenschaft der Bakterien direkt neutralisiert.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Therapie nicht nur die Präsenz der schädlichen Bakterien verringert, sondern auch deren schädliche Interaktion mit dem Wirtsgewebe stört. Dies gilt als entscheidender Faktor, um die für Morbus Crohn typischen Entzündungsschübe langfristig abzumildern. Die Phagen agieren dabei hochselektiv, was das Risiko einer generellen Störung der Darmflora minimiert.

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Synergieeffekte mit Steroidbehandlungen

Ein weiterer Aspekt der Analysen vom 26. August 2026 ist die Kombination der Phagentherapie mit konventionellen Medikamenten. In Modellversuchen wurde beobachtet, dass die Anwendung von Phagen die Wirksamkeit von Budesonid, einem häufig eingesetzten Steroid zur Entzündungshemmung, verbessert.

Besonders bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass eine Kombination aus der Phagentherapie und einer niedrigeren Steroiddosis eine vergleichbare Wirkung erzielte wie eine herkömmliche, deutlich höhere Steroiddosis allein.

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Diese Synergie könnte für die klinische Praxis von hoher Relevanz sein. Eine Reduktion der benötigten Steroidmenge würde das Risiko für die oft schweren langfristigen Nebenwirkungen bei Patienten senken. Die Phagen fungieren in diesem Szenario als Unterstützung, die den Entzündungsherd für die medikamentöse Behandlung empfänglicher macht.

Perspektiven für die personalisierte Medizin

Trotz der vielversprechenden Resultate in den Modellen stehen klinische Studien an Menschen zur Phagentherapie bei Morbus Crohn derzeit noch aus. Die Forschenden der McMaster University gaben jedoch bekannt, dass als nächste Schritte Tests an größeren Bakterienstämmen sowie die Vorbereitung menschlicher Studien geplant sind.

Langfristig verfolgen die Wissenschaftler das Ziel, eine personalisierte Medizin zu etablieren. Dabei könnten Phagen individuell auf das spezifische Bakterienprofil eines einzelnen Patienten abgestimmt werden. Dieser maßgeschneiderte Ansatz soll sicherstellen, dass ausschließlich die pathogenen Keime eliminiert werden, während die nützlichen Bestandteile des Mikrobioms unberührt bleiben. Fachleute werten diese Entwicklungen als wichtigen Schritt hin zu einer präziseren und schonenderen Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen.

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