Mpox, Berlin

Mpox weitet sich in Berlin auf weitere Personengruppen aus

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 14:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mit der Krankheit infizierten sich bislang vor allem MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben und oft den Partner wechseln. Jetzt gibt es eine Entwicklung, die Experten Sorgen macht.

  • Die eitrigen Pusteln können am ganzen Körper auftreten und sehr schmerzhaft sein. (Symbolbild) - Bild: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa
    Die eitrigen Pusteln können am ganzen Körper auftreten und sehr schmerzhaft sein. (Symbolbild) - Bild: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa
  • FĂŒr eine Grundimmunisierung werden zwei Dosen verabreicht. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn
    FĂŒr eine Grundimmunisierung werden zwei Dosen verabreicht. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn
Die eitrigen Pusteln können am ganzen Körper auftreten und sehr schmerzhaft sein. (Symbolbild) - Bild: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa FĂŒr eine Grundimmunisierung werden zwei Dosen verabreicht. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn

Die Krankheit Mpox wird in Berlin zunehmend auch bei Sex zwischen MĂ€nnern und Frauen ĂŒbertragen. Dem Landesamt fĂŒr Gesundheit und Soziales (Lageso) wurden zuletzt einige FĂ€lle im Umfeld von sexpositiven Veranstaltungen fĂŒr heterosexuelle und queere Menschen gemeldet, wie es im aktuellen Wochenbericht des Lageso heißt.

Im August seien dem Lageso bislang zwei Frauen mit Mpox gemeldet worden. Im gleichen Zeitraum infizierte sich den Angaben der Behörde auch ein Mann, der angab, sich möglicherweise beim Sex mit einer Frau angesteckt zu haben. Alle drei hÀtten sich vermutlich bei anonymen sexuellen Kontakten in Clubs oder zu Hause angesteckt. 

Deutlich mehr FĂ€lle als in manchen Vorjahren

Insgesamt wurden dem Lageso in diesem Jahr bislang vier Mpox-Infektionen bei Frauen gemeldet. Eigentlich infizieren sich vor allem MÀnner, die Sex mit MÀnnern haben und hÀufig den Sexualpartner wechseln.

Die Gesamtzahl der in Berlin gemeldeten Mpox-FÀlle liegt in diesem Jahr bei bislang 156. Das sind mehr als im Vorjahreszeitraum (144) und deutlich mehr als im gesamten Jahr 2024 (38) oder 2023 (13). 

In ganz Deutschland wurden laut RKI in diesem Jahr bisher 375 Mpox-FĂ€lle gemeldet (Stand 27.8.). 98 Prozent davon waren MĂ€nner, wie der Epidemiologe Klaus Jansen vom RKI der dpa mitteilte. Die MĂ€nner, bei denen der Infektionsweg bekannt sei, hĂ€tten sich fast ausschließlich beim Sex mit MĂ€nnern angesteckt. «Deutschlandweit sehen wir aktuell keine Entwicklung wie die durch das Lageso fĂŒr Berlin beschriebene Situation.» Es bleibe abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickle.

«Es macht uns große Sorge»

Die Infektionsepidemiologin Claudia Ruscher vom Lageso sagte: «Es macht uns große Sorge, dass Mpox in einen anderen Bereich von Personen vordringt, der bisher nicht betroffen schien und deshalb wenig geimpft und wenig informiert ist.» 

Vier Frauen erschienen zunĂ€chst wenig, es stecke aber eine neue Dynamik darin. Die Infektionen seien innerhalb kurzer Zeit aufgetreten. In den vergangenen Jahren habe sich entweder gar keine oder nur eine Frau pro Jahr infiziert. Nur wĂ€hrend des großen Ausbruchs im Jahr 2022 gab es insgesamt vier FĂ€lle bei Frauen. Hier sei aber die Gesamtfallzahl im Ausbruch rund zehnmal höher als aktuell gewesen.

Welche Risiken gibt es? Menschen, die nicht geimpft seien und sich erstmals mit Mpox infizierten, hÀtten eher einen schwereren Krankheitsverlauf. «Sie haben hÀufiger eine fieberhafte Erkrankung und oft HautlÀsionen am ganzen Körper», erklÀrte Ruscher. «Es sind nicht nur BlÀschen, sondern juckende, zum Teil auch eitrige Pusteln. Die sind wirklich sehr schmerzhaft.»

Mpox wird bei engem Körperkontakt ĂŒbertragen

Mpox ist eine Viruserkrankung und wird durch engen Körperkontakt ĂŒbertragen, vor allem beim Sex. Ansteckungsgefahr besteht vor allem dann, wenn man in Kontakt mit den typischen HautverĂ€nderungen (BlĂ€schen oder Schorf) von Mpox-Infizierten kommt, die am ganzen Körper auftreten können. Kondome bieten daher keinen ausreichenden Schutz. Auch eine Tröpfcheninfektion ist möglich, also durch Speichel. Es gibt eine Impfung.

Im Jahr 2022 verbreitete sich die Krankheit besonders stark in Deutschland. Betroffen waren vor allem MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern und hĂ€ufig wechselnde Sexualpartner haben. FĂŒr diese Gruppe gab es daraufhin eine gezielte Impfkampagne, die Impfbereitschaft war hoch. 

Rasierpickel? MĂŒckenstich? Herpes?

Andere Personengruppen hingegen wĂŒssten oft noch nicht einmal, dass es Mpox gebe, sagte Ruscher. Wenn sie sich infizierten und die Pusteln auftrĂ€ten, brĂ€chten sie das erst mal nicht mit Mpox in Verbindung. «Sondern sie denken, sie haben vielleicht Rasierpickel, MĂŒckenstiche oder Herpes und gehen vielleicht nicht sofort zum Arzt.» Ein Patient sei zu vier verschiedenen Ärzten gegangen, bis er die richtige Diagnose erhalten habe.

Wie schĂ€tzt die Wissenschaftlerin die weitere Entwicklung ein? «Man muss mit weiteren Infektionen bei Frauen rechnen, aber es ist schwer, eine genaue GrĂ¶ĂŸenordnung zu nennen.»

Die StÀndige Impfkommission empfiehlt die Mpox-Impfung unter anderem MÀnnern, Transpersonen sowie nicht-binÀren Personen, die Sex mit MÀnnern haben und dabei hÀufig die Partner wechseln, Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern sowie Menschen, die Kontakt zu Infizierten haben. Die Impfung sei sehr effektiv und gut vertrÀglich, so Jansen vom RKI. Wer sich trotz Impfung infiziere, habe meist einen deutlich leichteren Krankheitsverlauf.

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