MS-Therapie: Darm-Bakterium Akkermansia massiliensis schützt vor Erkrankung
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 15:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Darm entscheidet immer stärker über den Erfolg von MS-Therapien. Aktuelle Studien aus dem Juli 2026 zeigen: Die Zusammensetzung des Mikrobioms und immunologische Prozesse im Verdauungstrakt beeinflussen maßgeblich, wie gut Immuntherapien bei Multipler Sklerose wirken.
Schützende B-Zellen aus dem Darm
Ein Team um Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn sowie der Universitäten Basel, Toronto und Yale hat einen überraschenden Mechanismus entdeckt. Die B-Zell-Depletionstherapie mobilisiert schützende, regulatorische B-Zellen direkt aus dem Darm. Das berichtet die Fachzeitschrift Science Translational Medicine.
Die Forscher fanden heraus: Höhere Konzentrationen dieser aus dem Darm stammenden Faktoren verbessern das Behandlungsergebnis. Damit liefert die Studie eine Erklärung, wie systemische Immuntherapien über den Verdauungstrakt Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem beeinflussen. Ein Ansatzpunkt, um bestehende Therapien gezielt zu optimieren.
Ein Bakterium als Schutzschild?
Kann ein einzelner Bakterienstamm vor MS schützen? Eine Studie in Genes & Immunity legt das nahe. Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen Akkermansia massiliensis und dem MS-Risiko. Ergebnis: Ein geringes Vorkommen dieses Darmbakteriums ist mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden.
Die Verbindung läuft über das FcRL3-Gen und die Funktion der B-Zellen. Eine gezielte Anreicherung von Akkermansia massiliensis könnte künftig als Prävention oder ergänzende Therapie dienen. Parallel zeigt die Forschung zur gezielten Vitamin-B3-Freisetzung im unteren Darm (CICR-NAM), dass die Beeinflussung des Mikrobioms die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert.
Die aktuelle Forschung zeigt: Ein Mangel an Akkermansia massiliensis im Darm kann das MS-Risiko erhöhen. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Report, wie Sie Ihren Mikrobiom-Status testen und das schützende Bakterium gezielt aufbauen können. Jetzt kostenlosen MS-Darm-Report anfordern
Milliardendeals für neue Ansätze
Die Pharmaindustrie setzt massiv auf diese Entwicklungen. Roche und Nurix vereinbarten im Juli 2026 eine Kooperation zur Vermarktung von Bexobrutideg in den USA – ein Wirkstoff unter anderem gegen MS.
Roche übernimmt 60 Prozent der Entwicklungskosten, Nurix 40 Prozent. Die Vorauszahlung liegt bei 700 Millionen US-Dollar, potenzielle Meilensteinzahlungen summierten sich auf bis zu 2,3 Milliarden US-Dollar. Klare Signale der Industrie: Die Zukunft der MS-Therapie geht über die herkömmliche Immunsuppression hinaus.
Wenn die Immunbremse versagt
Herkömmliche MS-Therapien wirken oft nicht ausreichend und belasten mit Nebenwirkungen. Neue Studien aus 2026 zeigen: Die gezielte Anreicherung von Akkermansia massiliensis im Darm könnte eine sanfte, ergänzende Option sein. Mehr zur Mikrobiom-Therapie bei MS
Ein Team der Universitäten Saarland und Münster identifizierte einen weiteren Mechanismus, der bei MS eine Rolle spielt. Die Forscher publizierten in Nature Communications Erkenntnisse zur Hyperphosphorylierung des Proteins IL-1Ra.
Der Prozess neutralisiert körpereigene Bremsmechanismen des Immunsystems durch Autoantikörper – mit fatalen Folgen: Hyperinflammation. Beobachtet wurde das sowohl bei schweren COVID-19-Verläufen als auch bei Autoimmunerkrankungen wie MS und rheumatischer Arthritis. Die Identifizierung solcher molekularer Schalter eröffnet die Chance auf spezifischere Wirkstoffe, die Entzündungskaskaden gezielter unterbrechen.
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