Müdigkeit: 80-90% der Deutschen haben Folsäuremangel
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Analyse aktueller Erhebungen verdeutlicht, dass Erschöpfung und Müdigkeit in der deutschen Bevölkerung weit verbreitete Phänomene sind. Laut Daten von Statista fühlen sich rund 30 Prozent der Deutschen zwei- bis dreimal pro Woche müde, während 18 Prozent sogar von einer täglichen Belastung berichten.
In der medizinischen und regulatorischen Bewertung rücken dabei zunehmend die Versorgung mit Mikronährstoffen sowie physiologische Ursachen wie die Hypotonie in den Fokus.
Regulatorische Einordnung und die Rolle der B-Vitamine
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erkennt den wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme bestimmter Vitamine und der Verringerung von Müdigkeit offiziell an. Für die Vitamine B2, B3, B5, B9 (Folsäure), B12 sowie Vitamin C sind entsprechende gesundheitsbezogene Angaben, sogenannte Health Claims, zulässig. Diese Nährstoffe spielen eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel und im Nervensystem.
Besonders bei der Folsäureversorgung besteht nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) eine signifikante Lücke: Etwa 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind demnach unzureichend mit diesem Vitamin versorgt.
Auch bei Vitamin B12 zeigen sich Defizite, insbesondere in höheren Altersgruppen. Eine Studie aus Augsburg belegt, dass jeder vierte Mensch über 65 Jahre schlecht mit Vitamin B12 versorgt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für diesen Nährstoff eine tägliche Zufuhr von 4 µg.
Vitamin D: Versorgungsstatus und Risiken von Überdosierungen
Beim Vitamin D ergibt sich ein differenziertes Bild. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind zwar 44 Prozent der Erwachsenen gut versorgt, doch bestimmte Risikogruppen wie Personen über 65 Jahren, Menschen mit Adipositas oder Personen mit dunkler Hautfarbe tragen ein höheres Risiko für einen Mangel.
Das BfR empfiehlt eine maximale tägliche Zufuhr von 20 µg (800 I.E.) Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel. Eine Überdosierung kann hier, im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen, zu gesundheitlichen Komplikationen wie Nierenschäden führen.
In einer Untersuchung der Stiftung Warentest im August 2026 wurden 25 Vitamin-D-Präparate geprüft. Dabei wurden fünf Produkte aufgrund einer zu hohen Dosierung als nicht geeignet eingestuft. Lediglich zwei Präparate im Test erfüllten die Kriterien als geeignet: „Vitamin D compact“ von GSE mit 200 I.E. sowie „Vital Vitamin D“ von Rotkäppchen mit 400 I.E.
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Die Bedeutung von Eisen und Mineralstoffen
Eisenmangel gilt als klassische Ursache für Abgeschlagenheit. Die DGE beziffert den Tagesbedarf auf 10 mg für Männer und 15 mg für Frauen. Experten warnen jedoch vor einer unkontrollierten Supplementierung.
Ohne ärztlichen Rat sollten laut BfR und DGE maximal 6 mg Eisen pro Tag eingenommen werden. Fachleute wie Metzgeroth weisen zudem darauf hin, dass viele freiverkäufliche Präparate für eine therapeutische Behebung eines echten Mangels oft zu niedrig dosiert sind.
Auch Magnesium und Kalium sind für die körperliche Leistungsfähigkeit essentiell. Während das BfR für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von 250 mg pro Tag empfiehlt, betont die EFSA dessen Beitrag zur normalen Funktion von Psyche und Nervensystem. Für Kalium liegt die Empfehlung der DGE bei 4000 mg täglich, wobei Sportler einen erhöhten Bedarf von bis zu 5000 mg aufweisen können.
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Physiologische Faktoren und Wirkungseintritt
Neben der Nährstoffversorgung können Blutdruckwerte die Vitalität beeinflussen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert eine Hypotonie bei Werten unter 100/60 mmHg bei Frauen und 110/70 mmHg bei Männern.
In Deutschland leiden etwa drei Millionen Menschen an einer primären Hypotonie. Sekundäre Ursachen für Müdigkeit können zudem Erkrankungen wie Morbus Addison, eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder die Einnahme von Medikamenten wie Betablockern und ACE-Hemmern sein.
Bei der Supplementierung ist die Art der Vitamine entscheidend für die Aufnahme. Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) benötigen Fett für die Absorption, während wasserlösliche Vitamine (B, C) direkt ins Blut gelangen.
Die Wirkung von B-Vitaminen auf Energie und Stimmung kann sich bereits nach wenigen Tagen zeigen. Um einen ausgeprägten Mangel, etwa bei Vitamin B12, vollständig zu beheben, ist jedoch ein Zeitraum von sechs bis acht Wochen zu veranschlagen.
