Multiple Sklerose: Akkermansia massiliensis schützt vor Autoimmunreaktionen
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschende haben ein Darmbakterium identifiziert, das vor Multipler Sklerose schützen könnte. Die Erkenntnisse eröffnen neue Wege für Therapien.
Genetik bestimmt die Darmflora
Eine im Juli in Genes & Immunity veröffentlichte Studie zeigt: Menschen mit niedrigen Spiegeln von Akkermansia massiliensis im Darm haben ein höheres MS-Risiko. Die Ursache liegt in einer Variante des FcRL3-Gens. Sie senkt die Expression des Proteins FcRL3, während FcRL5 ansteigt. Dadurch gerät die B-Zell-Regulation im Darm aus dem Gleichgewicht – entzündliche Prozesse können entstehen.
Schädliche Bakterien als Krankheitsauslöser
Nicht alle Darmbewohner sind hilfreich. Bereits 2025 identifizierten Studien in PNAS Vertreter der Lachnospiraceae-Familie als mögliche MS-Auslöser. In Mäuseversuchen riefen Stämme wie Lachnoclostridium sp. und Eisenbergiella tayi MS-ähnliche Symptome hervor. Zwillingsstudien bestätigen: Erkrankte und gesunde Geschwister unterscheiden sich deutlich in ihrer Mikrobiom-Zusammensetzung.
Auch Ruminococcus gnavus steht im Verdacht, Autoimmunreaktionen zu fördern. Bei Lupus-Patienten soll das Bakterium über den TLR2-Signalweg Nierenentzündungen auslösen.
Therapien wirken über die Darm-Hirn-Achse
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Bestehende MS-Medikamente entfalten ihre Wirkung offenbar auch über den Darm. Eine Studie aus Science Translational Medicine zeigt: Die Anti-CD20-Therapie mit Ocrelizumab mobilisiert regulatorische IgA-B-Zellen aus dem Darm ins Zentralnervensystem. Hohe Spiegel der Proteine BAFF und APRIL korrelieren dabei mit besseren klinischen Ergebnissen.
Neue Ansätze: Peptide, Sport und Mikroglia
Forschende verfolgen mehrere Strategien, um das Mikrobiom gezielt zu beeinflussen:
- KI-gestützte Peptidforschung: Eine Plattform fand das Peptid LR, das das Wachstum von Akkermansia-Bakterien fördern soll.
- Bewegung: Bereits 2018 zeigte eine Studie: Sechs Wochen Ausdauertraining erhöhen die Akkermansia-Präsenz und reduzieren schädliche Proteobacteria.
- Mikroglia-Hemmung: In der HERCULES-Phase-3-Studie mit über 1.200 Teilnehmenden verlangsamte die Hemmung von Mikroglia-Zellen das Fortschreiten der Behinderung über 18 Monate signifikant.
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Die Universität Sydney untersucht zudem das TREM2-Protein in MS-Läsionen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine gestörte Fettverarbeitung die Reparatur der Myelinscheiden behindert.
Die Zukunft der MS-Behandlung könnte demnach stärker auf die Modulation des Mikrobioms setzen – und damit auf einen Ansatz, der weit über die reine Immunsuppression hinausgeht.
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