Multiple Sklerose: Darmbakterium reduziert Hirnentzündungen messbar
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erforschung der Darm-Hirn-Achse hat in der Neurowissenschaft in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Ein südkoreanisches Forschungsteam der Soonchunhyang University und der Ewha Womans University hat in einer Mitte Juli 2026 veröffentlichten Untersuchung neue Erkenntnisse darüber vorgelegt, wie spezifische Darmbakterien Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem beeinflussen können. Im Zentrum der Analyse steht das menschliche Darmbakterium Veillonella ratti MHL0042, das ein Potenzial für die Behandlung von Multipler Sklerose (MS) aufweisen könnte.
Wirkmechanismus über die Darm-Hirn-Achse
Die Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Lee von der Soonchunhyang University und Prof. Kim von der Ewha Womans University identifizierten Veillonella ratti MHL0042 als einen entscheidenden Faktor für die Stabilität des intestinalen Milieus. Die Studie zeigt auf, dass dieses Bakterium in der Lage ist, das Darmökosystem wiederherzustellen. Der therapeutische Effekt beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Verdauungstrakt.
Das Bakterium produziert den anti-inflammatorischen Metaboliten DOPE. Dieser Stoff gelangt laut den Untersuchungsergebnissen über den Blutkreislauf bis in das Gehirn. Dort entfaltet er eine schützende Wirkung, indem er Neuroinflammationen – also Entzündungsprozesse im Nervengewebe – reduziert. In einem Tiermodell für Multiple Sklerose konnte das Team nachweisen, dass die Präsenz des Bakteriums und des daraus resultierenden Metaboliten die für die Erkrankung typischen Entzündungsreaktionen abschwächte.
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Ergebnisse der präklinischen Untersuchung
Die am 14. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Experimental & Molecular Medicine veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass die gezielte Beeinflussung des Mikrobioms ein wirksamer Ansatzpunkt für die Therapie neurodegenerativer Erkrankungen sein könnte. Die Forscher beobachteten, dass die Wiederherstellung des mikrobiellen Gleichgewichts im Darm direkt mit einer verringerten Entzündungsaktivität im Gehirn korreliert.
Die Studie verdeutlicht die komplexe Kommunikation zwischen Darm und Gehirn. Der Metabolit DOPE fungiert dabei als chemischer Botenstoff, der die Barriere zwischen den Organsystemen überwindet und so Einfluss auf immunologische Prozesse im Zentralnervensystem nimmt. Dies könnte neue Wege für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen eröffnen, bei denen chronische Entzündungen des Nervensystems eine zentrale Rolle spielen.
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Methodik und weitere klinische Entwicklung
Trotz der vielversprechenden Daten aus dem MS-Tiermodell weist das Forschungsteam auf die bestehenden Limitationen hin. Da es sich um eine präklinische Studie handelt, ist die unmittelbare Übertragbarkeit auf den Menschen noch nicht abschließend geklärt. Das Team betonte, dass klinische Studien am Menschen zwingend erforderlich sind, um die therapeutische Wirksamkeit und Sicherheit von Veillonella ratti MHL0042 zu validieren.
Die Forschungsarbeit wurde durch öffentliche Mittel ermöglicht. Unterstützt wurde das Projekt vom Ministerium für Wissenschaft und IKT (MSIT) sowie der National Research Foundation of Korea (NRF). Diese Förderung unterstreicht das wachsende Interesse staatlicher Stellen an der Entwicklung mikrobiombasierter Therapieverfahren für bislang schwer behandelbare neurologische Erkrankungen. Der Übergang von der präklinischen Beobachtung zur klinischen Erprobung wird als der nächste entscheidende Schritt in diesem Forschungsvorhaben angesehen.
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