Multiple Sklerose: Neuer Blutmarker GFAP zeigt schleichende Progression
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschende haben einen Blutmarker identifiziert, der die schleichende Behinderungsprogression bei Multipler Sklerose sichtbar machen könnte. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung.
GFAP zeigt unsichtbare Krankheitsfortschritte
Das größte Problem bei der Behandlung von MS: Entzündliche Schübe lassen sich gut erkennen, doch der schleichende Verlust neurologischer Funktionen bleibt oft unbemerkt. Mediziner nennen dieses Phänomen schubunabhängige Progression (PIRA).
Eine Anfang August im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Studie liefert nun neue Erkenntnisse. Die Auswertung von über 18.000 Blutproben von mehr als 2.300 MS-Patienten aus der Schweiz und den USA zeigt: Der Marker GFAP (Glial Fibrillary Acidic Protein) ist ein verlässlicher Indikator für die schleichende Verschlechterung. Das Protein NfL (Neurofilament Light Chain) spiegelt dagegen vor allem akute Entzündungsaktivität wider.
Hohe GFAP-Werte bedeuten ein deutlich gesteigertes Risiko für fortschreitende Behinderung. Sinken die Konzentrationen unter einer laufenden Therapie, deutet das auf ein geringeres Progressionsrisiko hin. Könnte das die klinische Praxis verändern? Therapien würden dann nicht mehr nur auf die Vermeidung von Schüben abzielen, sondern gezielt die langsame Verschlechterung verlangsamen.
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Pharmaindustrie reagiert auf neue Entwicklungen
Die diagnostischen Fortschritte treffen auf einen Markt im Umbruch. Merck KGaA hob im Sommer 2026 seine Jahresprognose an: Der Umsatz soll zwischen 21,0 und 21,8 Milliarden Euro liegen, das EBITDA pre zwischen 5,9 und 6,3 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Für das MS-Medikament Mavenclad erwartet das Unternehmen ab August Umsatzverluste durch Generika-Konkurrenz in den USA.
Das Biotech-Unternehmen Oculis setzt derweil auf einen neuen Behandlungsansatz. Nach positivem FDA-Feedback plant es für Ende 2026 die Einreichung eines Zulassungsantrags für Privosegtor gegen akute MS-Schübe. In Studien zeigte die Kombination aus Privosegtor und Kortikosteroiden bessere Ergebnisse als eine alleinige Steroidtherapie bei Patienten mit Optikusneuritis.
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Darmflora und neue Marker in der Forschung
Auch die Krankheitsentstehung rückt stärker in den Fokus. Eine Studie in der Fachzeitschrift Genes & Immunity legt nahe: Bestimmte Darmbakterien könnten vor MS schützen. Ein geringes Vorkommen dieser kommensalen Bakterien wird mit erhöhtem Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht. Forschende vermuten einen Zusammenhang mit dem FcRL3-Gen und der Funktion der B-Zellen – ein möglicher Ansatz für künftige präventive Therapien.
Die Biomarker-Forschung trägt auch in anderen Bereichen Früchte. Eine Untersuchung im Journal Cell beschreibt den Marker TPPP/p25 im Liquor, der Parkinson präziser von der Multisystematrophie (MSA) abgrenzen soll. Das Ziel ist überall dasselbe: frühere Diagnose, rechtzeitiger Therapiebeginn.
