Multitasking im Job: Aufgabenwechsel bremsen die Arbeit um bis zu 60 Prozent
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deAufgeschobene Vorhaben, offene Entscheidungen und unfertige Arbeiten beanspruchen oft mehr kognitive KapazitĂ€ten, als im Alltag wahrgenommen wird. Die Podcast-Folge âWie unerledigte Dinge unsere Energie bindenâ mit einer Dauer von 23:36 Minuten thematisierte laut einem Bericht vom 22. Oktober 2026, wie Prokrastination und unklare PrioritĂ€ten persönliche Ressourcen binden. Neben der Definition eigener Schwerpunkte stand dabei auch die entlastende Frage im Fokus, welche Aufgaben schlichtweg weggelassen werden können.
Der Zeigarnik-Effekt und die Mechanismen mentaler Belastung
Mentale Last entsteht aus einem Ungleichgewicht zwischen externen Anforderungen in Beruf, Familie oder Haushalt und den verfĂŒgbaren Ressourcen. Eine anhaltende Ăberforderung fĂŒhrt zu Anspannung, Konzentrationsverlust und Ăngstlichkeit.
Psychologisch lĂ€sst sich dieser Zustand unter anderem durch den Zeigarnik-Effekt erklĂ€ren, der auf die Psychologin Bluma Zeigarnik zurĂŒckgeht: Das menschliche Gehirn behĂ€lt unvollendete Vorhaben deutlich besser und prĂ€senter im GedĂ€chtnis als abgeschlossene TĂ€tigkeiten.
Auch die unsichtbare Denkarbeit fordert messbare Kraft. Die Podcast-Folge 30 âIch denke was, was du nicht siehstâ mit einer Laufzeit von 41:30 Minuten verdeutlichte, dass dauerhaftes Planen, Erinnern und Organisieren mentale Energie bindet. HĂ€ufig verbleibt diese Verantwortung bei einer einzelnen Person, wobei allgemeine Hilfsangebote den Kopf nur selten effektiv entlasten.
In einer weiteren Podcast-Folge differenzierte Haye Hösel zwischen Ă€uĂerer Leistung und innerer Verfassung. WĂ€hrend traditionelle Konzepte wie Chi, Ki oder Prana ohne medizinisch messbaren Befund bleiben, sei die praktische Unterscheidung zwischen verfĂŒgbarer und gebundener Energie fĂŒr die persönliche LeistungsfĂ€higkeit wesentlich.
Kognitive Erschöpfung durch stÀndige Entscheidungen
Ein wesentlicher Teil tĂ€glicher Erschöpfung rĂŒhrt nicht primĂ€r aus körperlicher oder fachlicher Arbeit, sondern aus der Masse an Entscheidungen. Die Psychiaterin Marian Rojas EstapĂ© erklĂ€rte Ende September 2026, dass jede Entscheidung Energie des prĂ€frontalen Cortex beanspruche und die QualitĂ€t von EntschlĂŒssen bei sinkenden Reserven spĂŒrbar nachlasse.
GestĂŒtzt wird dieser Zusammenhang durch eine Untersuchung von ĂŒber 1.000 Entscheidungen zur BewĂ€hrungshaft: Richter bewilligten AntrĂ€ge zu Beginn einer Sitzung sowie direkt nach Mahlzeiten deutlich hĂ€ufiger als kurz vor anstehenden Pausen. Um kognitiven EngpĂ€ssen vorzubeugen, raten Experten zu festen Routinen fĂŒr alltĂ€gliche NebensĂ€chlichkeiten sowie dazu, komplexe Fragen frĂŒh am Morgen zu klĂ€ren.
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Unterbrechungen, Bildschirmarbeit und Zeitmanagement
Im Arbeitsalltag mindern methodische Fehler die geistige Ausdauer. Das Gehirn kann komplexe Aufgaben nicht parallel abarbeiten; stÀndige Wechsel kosten zusÀtzliche Energie.
Als Gegenmittel gilt die Konzentration auf Einzelaufgaben in Blöcken von 25 Minuten. Zudem empfiehlt sich die Beobachtung des biologischen Energiezyklus ĂŒber drei Tage, um anspruchsvolle Denkarbeit in besonders produktive Zeitfenster zu legen.
Auch Benachrichtigungen stören den Arbeitsfluss: Nach einer Unterbrechung dauert die Wiederherstellung der vollen Konzentration durchschnittlich 15 Minuten. Drei feste Zeitfenster von je 15 Minuten fĂŒr Nachrichten können diesen Verlust begrenzen.
Die Neurowissenschaftlerin Sahar Yousef hob hervor, dass Aufgabenwechsel die Arbeitsgeschwindigkeit um bis zu 60 Prozent reduzieren können. Bei Wissensarbeitern summiere sich der stÀndige Wechsel zwischen Bildschirmen und Aufgaben auf mehr als zwei Stunden tÀglich.
Labortests ihres Teams ĂŒber drei Wochen zeigten zudem, dass die Umstellung des Smartphones auf Graustufen den tĂ€glichen Gebrauch um durchschnittlich eine Stunde reduzierte. Arbeitsphasen mit ein bis drei PrioritĂ€tsaufgaben pro Tag ermöglichten laut Yousef bis zu doppelt so viel Leistung.
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Regeneration und Arbeitsbedingungen
FĂŒr den Erhalt der LeistungsfĂ€higkeit sind wirksame Erholungsmethoden entscheidend. Eine Untersuchung im Fachjournal Nature ergab, dass Naturaufenthalte MĂŒdigkeit am wirksamsten verringern, dicht gefolgt von passivem Nichtstun. Das Betrachten kurzer Online-Videos schnitt im Vergleich am schlechtesten ab.
Bereits eine dreiminĂŒtige Meditation kann zur Entlastung beitragen, wobei RegelmĂ€Ăigkeit wichtiger als die Dauer sei. Bei emotionaler Belastung helfen das Wahrnehmen von Körpersignalen, eine einminĂŒtige Pause sowie das schrittweise KlĂ€ren persönlicher Grenzen. Treten akute Symptome wie Atemnot oder Brustschmerzen auf, ist sofortige Ă€rztliche Hilfe angezeigt.
Ăberlastung ist jedoch kein rein individuelles PhĂ€nomen. Die Arbeitspsychologin Ruth de Heer sieht soziale Unsicherheiten am Arbeitsplatz als wesentlichen Stresstreiber, unabhĂ€ngig vom reinen Arbeitsvolumen. Die niederlĂ€ndische Arbeitsinspektion verweist auf unklare Erwartungen, fehlende EigenstĂ€ndigkeit und Konflikte als Risikofaktoren.
Bei chronischem Energiemangel ĂŒber mehr als vier Wochen wird ein Arztbesuch empfohlen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass Prokrastination kein modernes PhĂ€nomen ist: Der französische Schriftsteller Victor Hugo lieĂ sich einst beim Verfassen von Texten ohne Kleidung wegschlieĂen, um der Verlockung der StraĂe zu entgehen.
