Webshops, EU-Richtlinie

Webshops immer hÀufiger nicht barrierefrei

02.07.2024 - 11:00:35 | dpa.de

Nach einer neuen EU-Richtlinie mĂŒssen von Juni 2025 an die Anbieter von digitalen Dienstleistungen auf Barrierefreiheit achten. Bei Webshop-Betreibern scheint diese Botschaft nicht angekommen zu sein.

Nur 20 Prozent der populÀrsten Webshops in Deutschland sind barrierefrei. - Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa

Nur ein FĂŒnftel der meistbesuchten Webshops in Deutschland ist teilweise barrierefrei. Dies ergab eine Studie, die von Google, der Förderorganisation «Aktion Mensch» und der Stiftung Pfennigparade in Berlin vorgestellt wurde. Der Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr noch einmal verschlechtert. 2023 waren noch 25 Prozent der populĂ€ren Webshops barrierefrei.

Die HĂŒrden in den Online-Shops betreffen viele Menschen: In Deutschland leben 7,8 Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung, darunter rund 350.000 Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung.

FĂŒr die Studie untersuchten Experten 71 besonders populĂ€re Online-Shops. Ein wichtiges Ergebnis: Nur 15 Websites ließen sich ĂŒber die Tastatur und somit ohne Maus bedienen. Die Tastaturbedienbarkeit ist aber fĂŒr viele Menschen mit Behinderung eine Grundvoraussetzung fĂŒr barrierefreie Nutzung. Zudem bieten die meisten getesteten Webseiten keinen sichtbaren Tastaturfokus. Dies erschwert es Menschen mit eingeschrĂ€nktem Sehvermögen, das aktuell ausgewĂ€hlte Element zu erkennen.

Cookies als Barriere

Viele populĂ€re Webshops arbeiten ohne deutliche Kontraste, was die Lesbarkeit von Texten und das Identifizieren wichtiger Symbole beeintrĂ€chtigt. Eine unlogische Tab-Reihenfolge erschwert es Nutzerinnen und Nutzern mit Behinderung, durch die Online-Shops zu navigieren, sich ĂŒber Produkte zu informieren und diese auszuwĂ€hlen. Eingeblendete Inhalte wie Banner oder Cookie-HinweiskĂ€sten verdecken oft den Hauptinhalt der Webseite und lassen sich nicht ohne Weiteres schließen.

Die Tests wurden von geschulten Testerinnen und Testern mit unterschiedlicher Beeintra?chtigung durchgefu?hrt und durch die U?berwachungsstelle des Bundes fu?r Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) fachlich begleitet.

Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch, betonte: «Es ist an der Zeit, digitale Barrieren abzubauen – zumal es in einem Jahr keine Ausreden mehr gibt.» Viele Unternehmen nĂ€hmen in Kauf, potenzielle Kundinnen und Kunden auszuschließen, wenn sie ihre Webseiten nicht barrierefrei gestalten. «Es liegt also auch in ihrem eigenen Interesse, dies zu Ă€ndern. Denn von einem einfachen und komfortablen Zugang zu Webseiten profitieren alle.»

Digitale Barrierefreiheit per Gesetz

Die Organisationen wiesen auf der Pressekonferenz darauf hin, dass der Online-Handel nach der EU-Richtlinie zur digitalen Barrierefreiheit in einem Jahr barrierefrei sein muss. Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedsstaaten, den gesamten Online-Handel fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher barrierefrei zu gestalten.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) erklĂ€rte, Nachholbedarf gebe es «nicht nur bei Online-Shops und Webseiten, sondern leider in den meisten gesellschaftlichen Bereichen». Barrierefreiheit mĂŒsse umfassend gedacht werden: von barrierefreien Bahnhöfen und MobilitĂ€t ĂŒber Arbeit und Wohnen bis hin zu Kultur und Freizeit. «Es ist höchste Zeit, digitale Barrieren abzubauen und dafĂŒr zu sorgen, dass alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können», erklĂ€rte die SoVD-Vorstandsvorsitzende, Michaela Engelmeier.

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