Herzinfarkt, Therapietreue

Nach Herzinfarkt: 80 Prozent Therapietreue senken Folgerisiko um 11 Prozent

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hohe Medikamententreue nach einem Herzinfarkt verringerte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse; auch die Grippeimpfung senkte das Risiko.
Ein steriles, helles Untersuchungszimmer in einer kardiologischen Praxis mit medizinischen Instrumenten. Illustration mit AI erstellt.

Nach einem ĂŒberstandenen Herzinfarkt entscheidet die anschließende medizinische Versorgung maßgeblich ĂŒber das Risiko fĂŒr Folgeerkrankungen. Fachgesellschaften und kardiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine dauerhafte medikamentöse Therapie und die Kontrolle der Risikofaktoren unverzichtbare Bestandteile der sekundĂ€ren PrĂ€vention darstellen. Insbesondere nach dem Einsetzen von GefĂ€ĂŸstĂŒtzen steht die konsequente Therapietreue im Mittelpunkt der langfristigen Behandlung.

Therapietreue senkt kardiovaskulÀre Folgerisiken

Wie wichtig das verlÀssliche Einnehmen der verordneten PrÀparate ist, belegt eine auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellte Analyse von Qianqian Yang von der UniversitÀt Oxford.

Demnach senkte eine hohe Therapietreue, definiert als die Einnahme von mindestens 80 % der verordneten Arzneimittel, das Auftreten schwerer kardiovaskulÀrer Ereignisse um 11 % im Vergleich zu Kontrollgruppen. Zudem sank der obere Blutdruckwert bei hoher Therapietreue um 5,2 mmHg, wÀhrend bei geringer Einnahmetreue lediglich eine Reduktion um 3,0 mmHg gemessen wurde.

Gleichzeitig verdeutlichte die Analyse eine Herausforderung in der Praxis: Die Therapietreue der Betroffenen ließ im Laufe der Zeit nach und sank von 88 % im ersten Behandlungsjahr auf 79 % im fĂŒnften Jahr nach dem Ereignis.

Medikamentöse SÀulen nach einer Stent-Implantation

Nach einer Stent-Versorgung stĂŒtzt sich die standardmĂ€ĂŸige Behandlung auf vier zentrale Wirkstoffgruppen: Thrombozytenaggregationshemmer, Statine, Betablocker sowie ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB).

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Bei der koronaren Herzkrankheit bilden Thrombozytenaggregationshemmer und Lipidsenker das therapeutische Fundament. Fachkreise warnen eindringlich vor einem eigenmÀchtigen Absetzen dieser PrÀparate, da dies insbesondere bei Thrombozytenaggregationshemmern das Risiko akuter Stentthrombosen massiv steigert.

Bei einer dauerhaften Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern muss auf mögliche Magen-Darm-Blutungen geachtet werden. Warnsignale sind unter anderem schwarzer Stuhl oder anhaltendes Sodbrennen.

Bei der koronaren Herzkrankheit bilden Thrombozytenaggregationshemmer und Lipidsenker das therapeutische Fundament. Fachkreise warnen eindringlich vor einem eigenmÀchtigen Absetzen dieser PrÀparate, da dies insbesondere bei Thrombozytenaggregationshemmern das Risiko akuter Stentthrombosen massiv steigert.

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Dieses Risiko betrifft vor allem Ă€ltere Menschen, Personen mit frĂŒheren MagengeschwĂŒren oder Patienten, die parallel nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen. In solchen FĂ€llen kann der Einsatz von MagenschutzprĂ€paraten wie Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder P-CAB erwogen werden.

Zielwerte fĂŒr Cholesterin und therapeutische Optionen

Ein entscheidender Angriffspunkt der SekundĂ€rprĂ€vention ist das LDL-Cholesterin. Nach Angaben von Prof. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung ist LDL der Hauptrisikofaktor fĂŒr Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle. Eine bloße Umstellung der ErnĂ€hrung reiche oft nicht aus, da sie den LDL-Spiegel maximal um rund 10 % senken könne.

FĂŒr Patienten nach einem Herzinfarkt gilt laut Tiefenbacher ein strenger LDL-Zielwert von 55 mg/dl, wĂ€hrend bei mehreren Risikofaktoren etwa 70 mg/dl und bei Gesunden ohne Risikofaktoren 120 bis 130 mg/dl angestrebt werden. Bei koronarer Herzkrankheit wird allgemein ein LDL-Wert von unter 1,8 mmol/L vorgegeben. Als Mittel der ersten Wahl nennt Tiefenbacher Statine.

BefĂŒrchtungen hinsichtlich muskulĂ€rer Schmerzen bezeichnete sie unter Verweis auf Placebovergleiche als Mythos. Reicht die Wirkung von Statinen nicht aus, kommen nach Ă€rztlicher PrĂŒfung moderne PCSK9-Inhibitoren in Betracht. Diese Injektionen seien hochwirksam, aufgrund von Monatskosten von rund 1000 Euro jedoch erst nach dem Ausschöpfen kostengĂŒnstigerer Standardtherapien vorgesehen.

ZusÀtzlicher Schutz durch Influenzaimpfung

ErgĂ€nzend zur medikamentösen Standardtherapie hebt ein europĂ€isches Konsensuspapier der ESC aus dem Jahr 2025 die Bedeutung der Grippeschutzimpfung hervor. Die Immunisierung nach einem Herzinfarkt senkt das relative Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Ereignisse um rund 28 bis 45 %, was einem absoluten RisikorĂŒckgang von 2 bis 4 % entspricht. Eine Auswertung randomisierter Studien ergab dabei eine Risikoreduktion um rund ein Drittel.

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